Magdeburg l Auf dem Domplatz in Magdeburg länger zu sitzen, kann durchaus in Rückenschmerzen enden. Die meisten dort vorhandenen Bänke haben keine Rückenlehne. „Sie sind unbequem“, findet Christian Antz von der Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) Altstadt und hofft, dass sich daran etwas ändert.

Mit seinen Mitstreitern von der GWA hat er bereits die Initiative ergriffen und einen Spendenaufruf gestartet: Bürger können sich eine Beimsbank für den Domplatz kaufen und diese der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. 30 Bänke könnten auf dem Platz aufgestellt werden, hat Antz analysiert. Die Aufenthaltsqualität würde dadurch verbessert werden, ist er sicher, und der Platz könnte belebt werden. „Und welche Stadt kann schon von sich behaupten, eine eigene Bank zu haben?“, fragt Antz und sieht in der Ausweitung der Standorte für die Beimsbänke ein Alleinstellungsmerkmal für Magdeburg.

Bürger können Bänke mitfinanzieren

Durch die Finanzierung der Bänke mit Hilfe bürgerschaftlichen Engagements könne zudem eine größere Verbundenheit zur Stadt hergestellt werden. In Bochum habe es das Projekt „1000 Bänke für Bochum“ gegeben. Ein ähnliches Vorhaben wünscht sich Antz für Magdeburg. Deshalb hat er auch die Stadträte angeschrieben.

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Dass die Bänke, die jetzt auf dem Domplatz stehen, nicht gerade zum längeren Verweilen einladen, ist im Stadtrat schon längst angekommen. Bereits im Zuge der Haushaltsberatungen für das Jahr 2019 hatte der Stadtrat beschlossen, eine neue Sitzgruppe als Prototyp zu beschaffen und auszuprobieren.

Anfang 2020 teilt die Stadtverwaltung mit, dass eine Bank für 5000  Euro im Februar 2020 auf dem Domplatz errichtet werden soll – dort, wo auch die Grundmauern einer früheren Basilika nachempfunden sind. Der Preis bezieht sich auf ein Einzelstück. Je nach Zahl der Bänke, die gekauft werden, würde sich der Preis pro Stück verringern. Die Vorteile dieser Bank sieht Baubeigeordneter Dieter Scheidemann in deren Gewicht, wie er in seiner damaligen Information an den Stadtrat mitteilte. Die Bank könne bei Bedarf verrückt und müsse nicht mit Fundamenten eingebaut werden, gleichzeitig werde der Diebstahl erschwert. 23  solcher Bänke sollen in den nächsten Jahren angeschafft werden. Nach und nach sollen so die alten Bänke ersetzt werden.

Die alten Bänke gehen zurück auf den Kunstschmied, Bildhauer, Fotografen, Autor, Restaurator und Lehrer Professor Fritz Kühn. Er habe das Stadtbild Magdeburgs in den 1960er Jahren maßgeblich geprägt, berichtet Dieter Scheidemann. Unter anderem gestaltete er den Kugelbrunnen, den Kelchbrunnen, Bänke und Absperrsysteme im Nordabschnitt des Breiten Weges. Die für Magdeburg entworfene Bank sei ohne Lehne konzipiert worden, damit man in alle Richtungen schauen kann. Sie seien im gesamten Stadtzentrum aufgestellt worden, auch auf dem Domplatz, erinnert Scheidemann. Für andere Städte habe Kühn Bänke mit Lehne entwickelt.

Beims-Bank kostet 1800 Euro pro Stück

Die Stadt möchte, dass die Produktfamilie von Fritz Kühn beibehalten wird, „da sich diese funktionell und gestalterisch hochwertige moderne Ausstattung in das Domplatzensemble nach wie vor sehr gut einfügt“, wie Scheidemann erklärt. Die Bank sei bequem, zeitlos und nachhaltig. Reparaturen seien leicht durchführbar. Christian Antz aber möchte weiter die Installation der Beimsbänke verfolgen. Da diese sehr bequem seien und einen Magdeburg-Bezug haben.

Und sie seien auch günstiger, berichtet Antz. Eine Beimsbank koste 1800  Euro. Sechs Unternehmen hätten ihm gegenüber bereits Interesse signalisiert, für jeweils eine Bank spenden zu wollen. Die Spender könnten dann an der jeweiligen Bank verewigt werden. Nun hofft er, dass sich auch Bürger oder Vereine eine Bank für den Domplatz sichern. Interessenten, die eine Bank sponsern würden, können sich bei ihm oder Studentin Theresa Münzenberger melden. Sie hat sich im Rahmen eines Seminars an der Otto-von-Guericke-Universität von Antz an einem Konzept für mehr Urbanität in Magdeburg beteiligt.

Im Bauausschuss wurde das Anliegen des GWA-Akteurs bereits diskutiert und stieß auf wenig Gegenliebe. Die Idee, Beimsbänke auf dem Domplatz aufzustellen, hatte dort Tierschutzpartei-Stadtrat Burkhard Moll eingebracht. Er hatte gesagt: „Diese Bänke sind schön und vergleichsweise günstig.“

Geld, das für andere Bänke mehr ausgegeben würde, könnte dann in Bäume und Kunst investiert werden. Zwar wollte sich Stadtplanungsamtsleiter Matthias Lerm neuen Ideen als der von der Stadt seinerzeit vorgelegten nicht verschließen. Doch eben nicht in jede Richtung. Der Amtschef sagte: „Die Beimsbänke halten wir für markante Symbole der Hermann-Beims-Siedlung. Aber die passen eben nicht überall zur Umgebung.“

Ein weiteres Thema im Bauausschuss war der bereits aufgestellte Prototyp. CDU-Stadtrat Frank Schuster hatte eine Sitzprobe unternommen und konstatierte: „Die Rückenlehne ist zu niedrig. Eine solche Bank führt doch zu Rückenschmerzen.“ Und auch an der Idee, bewegliche Bänke auf dem Magdeburger Domplatz zu platzieren, konnte der Stadtrat nur wenig finden: „Es wird doch nicht lange dauern und die stehen eines Morgens auf der Fahrbahn“, so seine Vorhersage.

Parallel zu der Debatte um dauerhaftes Mobiliar auf dem Domplatz wird derzeit auch über „Enzis“ auf dem Domplatz diskutiert. Diese waren von der Stadt für das Freiraumlabor angeschafft worden. Aber auch diesen Vorschlag hält die Stadt nicht für umsetzbar, weil die markanten orangefarbenen Möbel nicht den denkmalpflegerischen Gesichtspunkten entsprechen.