Magdeburg l Die vielbeachtete Sonderausstellung „Faszination Stadt“ ist gerade erst beendet, da bereitet das Kulturhistorische Museum Magdeburg schon eine nächste Schau vor, die im Herbst 2021 erneut viele Besucher anziehen soll. Das Museum widmet sich den Prämonstratensern, die im kommenden Jahr seit nunmehr 900 Jahren bestehen.

Dass das Museum das Thema aufgreift, kommt nicht von ungefähr. Zu Magdeburg gibt es einen engen Bezug. Denn Ordensgründer Norbert von Xanten war im zwölften Jahrhundert Erzbischof von Magdeburg, die Stadt entwickelte sich zu einem Zentralort des Reformordens, der immensen Erfolg hatte. Bis zum Ende des Mittelalters konnten Hunderte Niederlassungen von Irland bis Ungarn, von Norwegen bis Sizilien gegründet werden. Auch heute noch leben Prämonstratenser in Magdeburg.

Erzählbogen bis in die Neuzeit

Mit der Einführung Norberts als Erzbischof 1126 in Magdeburg wurde das Kloster Unser Lieben Frauen zu einem der Mutterklöster. Gut 500 Jahre waren sie hier zu Hause, der später heilig gesprochene Norbert wurde hier beigesetzt. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Prämonstratenser vertrieben, die Gebeine Norberts in das Prager Kloster Strahov überführt. Noch heute erinnert die modern in Szene gesetzte Grablege in Magdeburg an ihn.

Der wechselvollen Geschichte des Reformordens, der im hohen Mittelalter viele Landschaften und Orte nachhaltig prägte, will sich das Museum nun mit der Schau „Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden“ widmen. „Wir haben uns vorgenommen, die 900-jährige Geschichte bis zur heutigen Zeit zu erzählen“, sagt Gabriele Köster, Direktorin der Magdeburger Museen.

Das führt zu einer großen Bandbreite von Ausstellungsstücken vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Herausragende Kunstwerke sollen gezeigt werden. So ein originales Gemälde von Peter Paul Rubens, einem der bekanntesten Barockkünstler. Der Altmeister widmete dem heiligen Norbert das Kunstwerk. Das Gemälde ist heute im Besitz einer Kunststiftung im belgischen Antwerpen und wird extra zur Sonderschau an die Elbe ausgeliehen. Damit wird erstmals in Magdeburg ein echter Rubens zu sehen sein.

Goldene Barbarossa-Büste wird präsentiert

Ein weiteres Highlight der Schau wird der Cappenberger Barbarossakopf sein. Die Goldschmiedekunst ist die bekannteste Darstellung des deutschen Kaisers Barbarossa. 1171 vermachte Barbarossas Taufpate Otto von Cappenberg dem Prämonstratenserstift Cappenberg die Porträtbüste. Heute ist sie nur selten für die Öffentlichkeit ausgestellt.

Momentan in Verhandlung steht das Kulturhistorische Museum noch mit dem Stadtmuseum Prag, um ein weiteres außergewöhnliches Ausstellungsstück für die Schau zu bekommen: eine schmiedeeiserne Kapelle, die um das Grab Norberts in Prag stand. „Die bisherigen Gespräche lassen uns optimistisch sein. Das wäre natürlich ein weiterer Hingucker für die Sonderausstellung“, sagt die Museumsleiterin.

Etwa 150 Exponate sind geplant

Etwa 150 Exponate zur Geschichte der Prämonstratenser sind geplant. Darunter mittelalterliche Schriften, Karten, die die Neuansiedlungen und Schließungen von Orden zeigen, Filmausschnitte und Fotos, die die Missionstätigkeit dokumentieren, und vieles mehr. Immer wieder sollen auch die Besucher der Schau einbezogen und aufgefordert werden, selbst aktiv zu sein. So beispielsweise mit einem Ordens-Wahl-O-Mat. Ähnlich den bekannten Wahl-O-Maten sollen die Besucher hier herausfinden können, welcher Orden zu ihrer Lebensführung und ihren Idealen passt.

Für die Gestaltung der Sonderschau hat das Kulturhistorische Museum ein international renommiertes Büro gewinnen können, so Gabriele Köster. Zu sehen sein wird die Ausstellung vom 10. September 2021 bis 9. Januar 2022.

Bereits jetzt wirft das Jubiläum seine Schatten voraus: Gemeinsam mit dem Zentrum für Mittelalterausstellungen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften führt das Kulturhistorische Museum vom 30. September bis 2. Oktober 2020 eine wissenschaftliche Tagung zur Vorbereitung der Ausstellung durch. Als Gast hat sich auch der Generalabt, der höchste Vertreter der Prämonstratenser, angekündigt.