Magdeburg/Angern l Immer wieder hört man dieser Tage Berichte über Landwirte, die aufgrund von coronavirusbedingten Einschränkungen um ihre Ernte bangen, weil Gastarbeiter nicht mehr ohne weiteres nach Deutschland einreisen dürfen. Das Team der Festung Mark hat den Hilferuf eines Landwirtes aus der Börde erhört und plant einen Einsatz auf dem Spargelfeld. Gleichzeitig sind Kunst- und Kulturschaffende aufgerufen, sich zu beteiligen. Der Erlös soll dem Kulturfonds des Moritzhofes zugutekommen, mit dem Berufskünstler unterstützt werden, die durch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens keine Aufträge mehr haben.

40 Hektar Spargel warten

Die Idee für den Ernteeinsatz hatte Festungschef Christian Szibor gemeinsam mit dem Musiker Thomas Günther. Die beiden sind dabei, für die Zeit nach der Coronavirus-Pandemie ein Benefizfestival für Künstler zu organisieren. Hobby-Musiker sollen dabei für Berufsmusiker spielen. Im Gespräch kamen sie auf den Landwirt Thomas Bamme in Angern. Genaugenommen befindet sich dessen Familienbetrieb im Ortsteil Zibberick. 40 Hektar Spargel hat das Unternehmen. 100  Tonnen Spargel werden jedes Jahr geerntet, 50 polnische Gastarbeiter sind auf den Feldern im Einsatz.

Auf ein kurzes Telefonat folgte ein Besuch vor Ort, bei dem Christian Szibor sich von dem Landwirt alles zeigen ließ. „Wenn man sieht, was dahintersteckt und was für eine Knochenarbeit die Spargelernte ist, dann bekommt man einen ganz anderen Respekt und eine ganz andere Wertschätzung“, sagt er.

Kurzarbeit und daher Zeit

Das Team der Festung Mark ist derzeit zum größten Teil in Kurzarbeit. Die Betreibergesellschaft hat das Kurzarbeitergehalt noch um 12,5  Prozent aufgestockt, so dass die Mitarbeiter etwa 70 bis 80 Prozent ihres Netto-Einkommens zur Verfügung haben, aber nur noch wenige Stunden pro Woche arbeiten. „Uns geht es eigentlich gut“, sagt Christian Szibor. Und deshalb sei auch gleich die Bereitschaft da gewesen, den Landwirt zu unterstützen. Szibor ist genervt von der Jammerei. „Jammern bringt uns nicht weiter“, begründet er und ruft die Künstler und Musiker auf, sich an der Aktion zu beteiligen.

Landwirt überrascht von Hilfsangeboten

Thomas Bamme ist von dem Signal begeistert. „Allein die Bereitschaft ist ein tolles Zeichen, dass wir die Probleme, die uns unter Umständen erwarten, gelöst bekommen“, sagt er. Gute Erfahrungen hat er bereits gesammelt. Seit kurzem arbeiten bei ihm Auszubildende zum Hotelfachmann, die von einem Hotel in Thüringen nach Angern delegiert wurden. Und auch das Kaliwerk in der Nachbarschaft habe bereits signalisiert, dass Auszubildende delegiert werden könnten. Wer als Spargelstecher aushelfen möchte, sollte körperlich gesund sein und vor allem den Willen mitbringen. Der Rest sei eine Übungssache und werde sich mit der Zeit des Einsatzes verbessern, sagt Bamme. Natürlich sei die Arbeit anstrengend, aber nicht so, dass man am Ende des Tages nicht mehr weiß, ob einem das Bein oder der Rücken wehtut.

Ein professioneller Spargelstecher schafft in den Hochzeiten, wenn der Spargel sprießt und dicht an dicht durch die Erde bricht, etwa 20 Kilogramm pro Stunde. Das sei jetzt, wo die Ernte gerade anläuft, natürlich anders. „Aber wir sind eben in der Landwirtschaft“, sagt Thomas Bamme, „und Spargel ist ein etwas eigenes Gemüse.“ Dann steht er vor dem Feld und entscheidet nach einem Blick unter die Folien, dass die Zeit für die Ernte noch nicht gekommen ist, und am nächsten Tag schauen so viele Spargelköpfe aus dem Boden, dass man sich denkt: „Ach, hättest du doch schon gestern angefangen.“