Kunst

Spiegelkunst soll zurück ans Haus

Das Finanzministerium ließ in Magdeburg 546 Teller an der Fassade absägen. Nun sollen sie wieder angeschraubt werden.

Von Rainer Schweingel 26.07.2018, 01:01

Magdeburg l Rolle rückwärts beim umstrittenen Kunstspiegel-Abbau. Die renommierte Installation soll am Gebäude der Oberfinanzdirektion in der Erzbergerstraße bald wieder die Blicke auf sich lenken. Die 546 zweifarbigen Metallschilder des Hallenser Künstlers und Hochschullehrers Ludwig Ehrler (1939-2014) waren Mitte Juni dieses Jahres demontiert worden. Einzelne Spiegel hatten sich an der Fassade gelöst. Daraufhin wurden alle Spiegel abgesägt.

Wolfgang Borchert, Sprecher des Landesfinanzministeriums, hatte argumentiert: „Die Kunstobjekte wurden abgenommen, weil einer potenziellen Gefahr nicht anders zu begegnen war. Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht.“

Jetzt sollten Wege und Methoden gefunden werden, um die Kunst wieder anzubringen, sagte Thorsten Grützner von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Die Behörde ist neben der Oberfinanzdirektion in dem Gebäude untergebracht.

In dieser Woche hatte es ein Treffen von Vertretern des Landes Sachsen-Anhalt und der Bundesanstalt gegeben. Beide sind Eigentümer des Kunstwerkes. Als nächster Schritt werde der bauliche Zustand ingenieurtechnisch bewertet. Das Ziel dieser Bewertung ist es, die Kunst wieder an ihrem ursprünglichen Standort zu montieren. „Das Objekt soll auch weiterhin im Stadtbild von Magdeburg sichtbar bleiben und wahrgenommen werden können“, sagte Dr. Sylvia Haida, „Kunst am Bau“-Beauftragte der Bundesanstalt.

Die Demontage im Juni hatte heftige Proteste ausgelöst. Stadtpolitiker kritisierten das Vorgehen. Der Sohn des Künstlers war irritiert. Auch Prof. Dieter Hofmann, Rektor der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle, an der der Künstler gelehrt hatte, war die Aktion sauer aufgestoßen.

450 000 Mark hatte die Installation einst gekostet. Die Oberfinanzdirektion war Mitte der 1990er Jahre für fast 100 Millionen Mark errichtet worden. Als sogenannte Kunst am Bau wurden die Metallelemente von Ludwig Ehrler von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle geschaffen und an der Fassade installiert.

Sie hatten schon damals eine Debatte ausgelöst wegen der eigenwilligen Konstruktion und ihrer mutmaßlichen Bedeutung. Manche unkten, die Teller würden mit ihrer Stellung anzeigen, ob die Beamten arbeiteten. Mit der Demontage lenkten die Teller nun erneut die Aufmerksamkeit auf sich.