Magdeburg l Der Platz an der Hubbrücke mit Blick auf den Magdeburger Dom ist zu einem der Lieblingsplätze von Mohammad Albahrawi und Odaya Ebrahim geworden. Die Jugendlichen, 15  und 16 Jahre alt, sind dort oft mit Freunden unterwegs, wenn sie nicht gerade im Schwimmbad sind. Denn das ist dieser Tage Standardprogramm für die Schüler, die ursprünglich aus Syrien kommen. Am 14. Juni 2019 jedoch war alles etwas anders.

„Wir waren an der Elbe und haben uns an der Hubbrücke mit ein paar Leuten unterhalten“, erzählt Odaya. Als sie sich zur Elbe wendeten, sahen sie plötzlich eine Frau im Wasser. „Die Strömung ist stark“, sagt Mohammad, die Jugendlichen sind sofort aufgeschreckt und laufen ans Ufer. „Brauchen Sie Hilfe?“, hätten sie der Frau zugerufen, die später erzählt habe, sie sei von der Brücke ins Wasser gesprungen. „Ja“, habe sie geantwortet. Da zögerten die Schüler nicht und sprangen kurzerhand selbst in die Elbe, um die Frau zu retten.

Mit Handy in die Elbe gesprungen

Dass sie helfen würden, stand für Odaya und Mohammad außer Frage: „Wenn jemand sagt, er braucht Hilfe, dann helfen wir“, sagt Mohammad Albahrawi. „Mein Onkel hat mir auch mal geholfen. Ich weiß, wie es sich anfühlt zu ertrinken“, erzählt Odaya. Ihre eigenen Sachen haben die zwei in diesem Moment völlig vergessen: „Mein Handy war noch in meiner Hosentasche“, erzählt einer der beiden. Fast wäre es kaputt gegangen, sagt er. Doch auch das Mobiltelefon übersteht den Sprung ins Wasser unbeschadet.

Und auch der Frau scheint es gut zu gehen, erzählt Mohammad Albahrawi. Warum sie in die Elbe gesprungen ist, wissen die Jugendlichen nicht. Denn mit dem Eintreffen der Feuerwehr, verabschieden sich die zwei: „Wir haben Tschüss gesagt und sind gegangen“, erzählt Mohammad Albahrawi.

Die zwei Syrer geben sich im Volksstimme-Gespräch bescheiden. Sie sind Schüler an der Leibnizschule in der Weitlingstraße, besuchen die Klasse 8a beziehungsweise 8b. Vormittags gehen sie zur Schule, nachmittags treffen sie sich gern mit Freunden. Ganz untrainiert sind die beiden, die das waghalsige Rettungsmanöver auf sich nahmen, nicht. Der eine geht zum Taekwondo, der andere zum Karate.

Erst in Deutschland schwimmen gelernt

Schwimmen gelernt haben Odaya und Mohammad erst in Deutschland, erzählen sie. „In unserer Heimat gibt es kein Wasser, da ist alles Land“, sagen sie. Doch die vielen Besuche in den Freibädern der Stadt Magdeburg haben sie offenbar zu sicheren Schwimmern gemacht. Und so waren sie auch der Strömung der Elbe gewachsen, vor der immer wieder gewarnt wird, gerade in Bereichen am Domfelsen, wo sie sich durch die Verengung der Fahrrinne noch verstärkt.

Die beiden Jugendlichen kamen vor zwei und drei Jahren nach Magdeburg und erzählen, dass sie sich in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt sehr gut eingelebt haben. Sie lebten in Syrien in Daraa und Damaskus. Ob sie wieder helfen würden? Was für eine Frage: Natürlich.

Der Notruf, dass sich eine Person im Bereich der Hubbrücke in der Elbe befindet, ging bei der Feuerwehr am Freitag um 11.08  Uhr ein. Da sich ein Rettungsboot der Berufsfeuerwehr zu diesem Zeitpunkt in der Nähe befand, wurde die Besatzung informiert und war nach wenigen Sekunden vor Ort. Die Aktiven bestätigten, dass sich drei Personen am Ostufer der Elbe befänden und sich aus dem Wasser begeben würden. Beim Eintreffen des Bootes waren sie schon in Sicherheit.

Unklar, wie es der Frau geht

Genaue Informationen, wie es der Frau geht, waren weder bei der Feuerwehr noch bei der Polizei zu bekommen.