Magdeburg l 2007 und 2010 belegte jeweils Neu-Olvenstedt den unrühmlichen ersten Platz im Ranking der Magdeburger Stadtteile „mit besonderem Entwicklungsbedarf“, heißt: mit der stärksten Ballung sozialer Problemlagen. 2013 stieß der Kannenstieg im Negativranking an die Spitze – und klebt dort auch im jüngsten Stadtteilreport 2017 förmlich fest. Neu-Olvenstedt ist immer noch „rot“ und mithin als Problemzone gelistet, hat allerdings neben dem Kannenstieg auch Fermersleben und dem Viertel am Neustädter See den Vortritt gelassen.

Für das soziale Stadtteilranking wertet die Magdeburger Stabsstelle für Jugendhilfe-, Sozial- und Gesundheitsplanung im kommunalen Sozialdezernat das Stadtgebiet nach verschiedenen sozialen Indikatoren aus und vergibt Indexpunkte.

Indikatoren für schwierige Lebenslagen

Mit jeweils 25 Prozent gewichtet werden dabei

  1. die sozio-ökonomische Situation der Bewohner (Arbeitslosenquote nach SGB I und II),
  2. die Situation zur Sicherung gesellschaftlicher Teilhabe (Anteil der Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt und Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung),
  3. die familiäre Situation (Anteil Alleinerziehender, und solcher, die staatliche Hilfe zur Erziehung brauchen sowie Anteil der Einpersonenhaushalte) und schließlich
  4. die Bevölkerungsstruktur nach Altersmischung, dem Anteil von Ausländern und Deutschen mit Migrationshintergrund sowie dem sogenannten Wanderungsquotienten.

Der Stadtteilreport dient als Planungsgrundlage zum Beispiel zur Schaffung von Angeboten zur Hilfe und Unterstützung in schwierigen Lebenslagen. Sie werden als besonders dringlich erachtet, wo sich das Aufkommen sozialer Problemlagen im roten Bereich bewegt, also deutlich oberhalb des Magdeburger Durchschnitts. Demnach lebt aktuell in den elf Stadtteilen Kannenstieg, Fermersleben, Neustädter See, Neu-Olvenstedt, Sudenburg, Altstadt, Neustädter Feld, Neue Neustadt, Leipziger Straße, Reform und Buckau die im Verhältnis zur gesamten Bewohnerschaft der Landeshauptstadt größte Zahl an Menschen mit Hilfebedarf.

Im Herrenkrug die meisten Ausländer

Die Quote der sozialversicherungspflichtigen Menschen an der Einwohnerschaft eines Stadtteils differiert in Magdeburg sehr stark zwischen 67,8 Prozent in Lemsdorf und Nordwest und nur 47,3 Prozent im Stadtteil Herrenkrug. Im Herrenkrug leben auch die meisten Ausländer gemessen an der Gesamteinwohnerschaft, was auf die Gemeinschaftsunterkunft des Landes für Asylbewerber zurückgeführt werden kann. Die Zahlen zur Analyse wurden bereits im Jahr 2016 erhoben, zur Hochbelegungszeit der Landesaufnahmestelle.

Von Arbeitslosigkeit nach Sozialgesetzbuch III (kurzfristig und noch im Bezug von Arbeitslosengeld) sind besonders viele Einwohner von Westerhüsen, Brückfeld, Kannenstieg, Neustädter See, Pechau sowie Salbke und Sudenburg betroffen. Die Quote der Langzeitarbeitslosen (Menschen im Hartz-IV-Bezug) an der Bewohnerschaft ist im Kannenstieg (12,35 Prozent), in Fermersleben (12,32) und in Neu-Olvenstedt (11,44) mit jeweils zweistelligen Prozentwerten am höchsten. Rein zahlenmäßig leben die meisten Hartz-IV-Empfänger mit knapp 1030 Betroffnenen (von 9500 stadtweit) in Sudenburg.

Erziehungshilfe für 402 Sudenburger

Ebenfalls in Sudenburg ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren besonders hoch, deren Familien Erziehungshilfe vom Amt beanspruchen. Insgesamt 402 junge Sudenburger unter 18 (14,8 Prozent der Altersgruppe in Sudenburg) nahmen im Untersuchungszeitraum Erziehungshilfen in Anspruch. Weitere Schwerpunkte für den Einsatz von Erziehungshelfern in Magdeburg sind Fermersleben, der Kannenstieg und Neu-Olvenstedt.

6880 Mütter und Väter erziehen ihr Kind/ihre Kinder in Magdeburg allein. Die meisten Magdeburger Alleinerziehenden leben in Stadtfeld-Ost (824), gefolgt von Sudenburg (634) und Neue Neustadt (492). Der Anteil Alleinerziehender an der Zahl der Haushalte im Stadtteil ist mit knapp 7 Prozent dagegen in Neu-Olvenstedt am höchsten (439 Haushalte mit Kind/ern, aber nur einem Elternteil).

Wenig Kinder, viele Senioren in Altstadt

Beim Index Bevölkerung schreibt der Stadtteilreport der Altstadt die ungesundeste Mischung zu – aus drei Gründen: wenig Kinder, viele Senioren, hoher Ausländeranteil.