Magdeburg l Die SPD-Stadtratsfraktion wird in der nächsten Stadtratssitzung einen Antrag zur farblichen Gestaltung des Rathauses einbringen. Darin soll der Oberbürgermeister beauftragt werden, „im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung ein Konzept zur farblichen Gestaltung des Rathauses in Anlehnung an die Kampagne ,Buntes Magdeburg‘ von Carl Krayl zu erarbeiten.“

Fraktionsvorsitzender Falko Grube erläutert: „Mir ist diese Idee in der Ausstellung ,Bunte Stadt – Neues Bauen, Die Baukunst von Carl Krayl‘ gekommen. Sie hat eindrucksvoll die Tradition der Magdeburger Moderne der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts illustriert.“

Magdeburg war damals die Heimat einer architektonischen und künstlerischen Avantgarde. Und auch die von Carl Krayl in den 20er Jahren angestoßene Kampagne zur farbigen Fassadengestaltung brachte Magdeburg überregionale Bekanntheit ein, bald sprach man nur noch vom „Bunten Magdeburg“. „Heute ist dieser Eindruck in der Otto-Richter-Straße wieder erlebbar“, so Falko Grube. Und auch das Rathaus selbst war vor fast 100 Jahren im Gegensatz zu heute bunt – einschließlich des wiederaufgebauten Gebäudeteils auf der Westseite zum Alten Markt hin.

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Paukenschlag für Kulturhauptstadtbewerbung

Die farbliche Gestaltung des Rathauses – vor allem der weißen Ostgiebel- und der weißen Nordseite, aber möglicherweise auch des Westportals – im Stile Krayls würde diese Magdeburger Tradition zurück in die Mitte der Stadt holen, so die Idee der SPD. „Sie wäre ein Paukenschlag“, sagte Grube. „Das Alte Rathaus wäre nicht nur farbgewordene Reminiszenz an eine große Epoche der Stadtgeschichte, das erste Haus der Stadt wäre auch erster Botschafter der Kulturhauptstadtbewerbung.“ Die Sozialdemokraten hoffen, damit auch innerhalb der Bürgerschaft ein wenig mehr Begeisterung für das Thema entfachen zu können. Die Rede ist von einem Krayl’schen Rathaus.

Erste Idee: Licht mit einbinden

Dabei möchten die Sozialdemokraten die Entwicklung der Idee nicht allein den politischen Gremien überlassen. Deshalb wünschen sie ja auch ein Konzept aus dem Rathaus. Ausdrücklich wünschenswert wäre in diesem Zusammenhang eine breite Diskussion unter Künstlern und Bauexperten, aber auch innerhalb der Einwohnerschaft der Landeshauptstadt, sagt Falko Grube im Gespräch mit der Volksstimme.

Dr. Michael Stöneberg arbeitet im Kulturhistorischen Museum und war Kurator der am 12. Februar abgeschlossenen Ausstellung „Bunte Stadt – Neues Bauen. Die Baukunst von Carl Krayl“. Er verweist darauf, dass der damalige Entwurf für die Farbgestaltung am Außenbereich des Rathauses vom Hallenser Künstler Karl Völker stammte. Der Experte fürs Neue Bauen begrüßt den Vorstoß der SPD: „Mich würde es freuen, wenn an die außerordentlich bemerkenswerte Aktion des ,Bunten Magdeburg‘ von Bruno Taut, Carl Krayl und anderen von 1921/22 mit einem neu kolorierten Rathaus erinnert würde.“

Die Aktion war damals bewusst als Zeichen gesetzt worden für einen Aufbruch Magdeburgs in die Moderne, der dann auch tatsächlich erfolgt ist. „Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass eine Übersetzung des Gedankens der farbigen Stadt im 21. Jahrhundert nicht in erster Linie in farbigen Anstrichen besteht, sondern noch besser mit Licht umgesetzt werden könnte“, so der Vorschlag des Experten aus dem Kulturhistorischen Museum.

Anliegen bunter Fassaden im Blick behalten

Durchaus differenziert sieht auch Bruno Krayl, Sohn von Carl Krayl, die Idee. Er sagt: „Mit der Farbigkeit sollte seinerzeit schlechte Architektur geheilt werden. Doch von schlechter Architektur kann zumindest bei der Westseite des Alten Rathauses doch auf keinen Fall die Rede sein.“

Anders sieht das bei den eher gesichtslosen Fassaden des Hauses in die anderen Himmelsrichtungen aus: „Bei diesen würde ich eine farbliche Gestaltung auf jeden Fall begrüßen. Das entspräche nämlich sehr genau dem Gedanken der bunten Stadt Magdeburg“, meint Bruno Krayl.