Magdeburg l In Magdeburg gibt es eine neue Ausstellung in der „Stadtfelder Schlossküche“. Weil ein US-amerikanischer Künstler dabei ist sowie Bilder des Breiten Wegs gezeigt werden, berichtete Galerist Klaus Vogler davon, dass der Broadway in New York bekanntlich nach dem Magdeburger Vorbild benannt worden sei.

Volksstimme-Leser Michael Böhme wandte sich daraufhin an die Redaktion. „Ich habe diesen Fakt vor vielen Jahren schon einmal gehört oder gelesen und habe den Sachverhalt schon vielen meiner internationalen Freunde und Gäste erzählt, ohne dieses exakt belegen zu können“, erklärte er.

Erinnerung an Magdeburg

In seiner Geschichte hatte sich der damalige US-Präsident dem in Magdeburg geborenen General Friedrich Wilhelm von Steuben erkenntlich zeigen wollen und die New Yorker Straße als Erinnerung an dessen Heimat benannt. Michael Böhme fragt nun: Gibt es irgendeinen Beweis dafür, dass der Broadway ein Magdeburger ist?

Bilder

Die Volksstimme begab sich auf Spurensuche. Für die Steuben-Geschichte gibt es keine weiteren Quellen. Aber für eine andere Version, wie der Breite Weg nach New York kam. So sollen sich im Jahr 1607 Magdeburger Händler mit den Ratsherren überworfen haben. Sie siedelten nach Amerika über und landeten auf der Insel Manhattan, wo sie aus Heimweh die Hauptstraße nach dem Breiten Weg nachgebaut und eben auch benannt haben sollen.

Legende in Touristenbroschüre

Diese Geschichte steht unter anderem auch in einer Touristenbroschüre, die die Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH herausgegeben hat. Unter der Rubrik „Hätten Sie‘s gewusst“ wird sie als bare Münze verkauft.

Auf Nachfrage muss Sprecherin Kathrin Singer allerdings einräumen, dass es dafür keinen Beweis gibt. „Unsere Stadtführer erzählen diese schöne Story gern bei ihren Führungen, allerdings immer mit einem Augenzwinkern“, erklärt sie. Eine belegbare Textquelle liege jedoch nicht vor. „Diese Magdeburger Erfolgsgeschichte wird gern immer wieder erzählt“, so Kathrin Singer.

Keine aussagekräftigen Quellen

Eine Nachfrage beim Magdeburger Stadtarchiv bringt etwas Licht ins Dunkel. „Bei uns sind keine aussagekräftigen Quellen zu solchen Vorgängen des Jahres 1607 bekannt“, sagt Archivleiter Dr. Christoph Volkmar. Auch andere Quellen mit einem Bezug zum Broadway und zu Magdeburg tauchen bei einer Schlagwortsuche nicht auf. Allerdings weist er darauf hin, dass das ältere Stadtarchiv 1631 bei der Eroberung der Stadt vollständig verloren ging.

Er ist jedoch mehr als skeptisch, was den Wahrheitsgehalt angeht. „Bereits ein erster Blick in die Wikipedia lehrt, dass Peter Minuit die ursprünglich holländische Siedlung Neu-Amsterdam erst im Jahre 1626 gegründet hat“, sagt er. Außerdem sei die Bezeichnung einer zentralen Straßenachse als „Breiter Weg/Breite Straße“ in zahlreichen mitteleuropäischen Städten anzutreffen und daher kaum als Beleg auf Magdeburger Ursprünge einzuordnen, erklärt er. „Da hat es die Legende schwer – und wird wohl dennoch nicht aussterben“, lautet sein Fazit.

Stadtführer kennt keine Quelle

Unter den Magdeburger Stadtführern ist Siegfried Lorenz der absolute Fachmann, was den Breiten Weg angeht. „Seit 35 Jahren forsche ich dazu“, sagt er, „und in dieser Zeit habe ich noch keine einzige Quelle gefunden.“ Bereits bei seinem ersten Vortrag zum Thema im Jahr 1981 seien die älteren Zuhörer zu ihm gekommen und hätten ihm von der Geschichte erzählt, wie der Breite Weg nach New York gekommen sei. Er könne allerdings auch nicht erahnen, wo dieses Gerücht ursprünglich herkommt.

Eine weitere Parallele gibt es zudem mit dem „Plättbolzen“ am Südende des Breiten Wegs. Das dreieckig geformte Gebäude direkt am Hasselbachplatz hat ebenfalls einen Namensvetter in New York. Direkt am Broadway steht das weltbekannte Flatiron-Building. Wegen seiner Form haben beide das Bügeleisen als Spitznamen bekommen.

Plättbolzen in vielen Städten

Doch auch wenn das Magdeburger Gebäude vor dem New Yorker Pendant entstanden ist, spricht auch hier wenig für einen direkten Bezug. In weiteren Städten gibt es Gebäude mit diesen Spitznamen, die auf der Ecke zweier spitz zulaufender Straßen stehen.

Stephen Gerhard Stehli, Vorstand des Domfördervereins und gebürtiger New Yorker, kennt die Geschichte nur zu gut. Er gibt sie selbst gerne zum Besten. Für ihn steht dennoch fest: „Es ist eine populäre Legende.“ Auch er kennt keinen Beweis dafür und verweist darauf, dass viele Straßen in Norddeutschland und im niederdeutschen Raum die Bezeichnung Breedeweg oder Breiter Weg haben. „Erzählt wird es viel, weil es einfach einen schöne Geschichte ist“, sagt auch er. „Sie passt für mich als New Yorker besonders gut, weil ich dadurch immer noch am Broadway leben kann.“

Legende bleibt vorerst nette Geschichte

Bis jemand das Gegenteil beweisen kann, gehört die Geschichte des Magdeburger Breiten Wegs als Vorbild für den Broadway in New York ins Reich der Legenden.

Woher kennen Sie die Geschichte? Erzählen Sie uns Ihre Version unter stefan.harter@volksstimme.de.