Magdeburg und die Ottostadt-Idee

Befürworter: Die Otto-Kampagne bewegt Magdeburg bis heute: Unternehmen und Institutionen nutzen sie, um darauf aufmerksam zu machen: Wir sind aus Magdeburg. Viele Magdeburger können der Idee dieser Dachmarkenkampagne, die mit einem Augenzwinkern auf Otto den Großen und auf Otto von Guericke und damit auf zwei bedeutende Persönlichkeiten der Magdeburger Stadtgeschichte hinweist, einiges abgewinnen. Steigende Zustimmungswerte belegen dies.

Kritiker: Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Kritikern. Sie führen an, dass Magdeburg für Außenstehende nicht mit den beiden Otto-Persönlichkeiten in Verbindung steht und dass die Kampagne daher verpufft.

Geschichte: Genutzt wird die Dachmarkenkampagne um Otto seit mehreren Jahren: Im Februar 2010 war das von der Agentur Scholz & Friends entwickelte Programm der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Erklärtes Ziel: Touristen und Investoren für die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts begeistern. (ri)

Magdeburg l Ein wenig in die Jahre gekommen ist die Magdeburger Otto-Dachmarke samt dem Markenzeichen mit dem Magdeburger Reiter, einem Otto-Slogan sowie der Farbkombination aus Orange-Tönen und Braun. Eine Vorlage aus dem Wirtschaftsdezernat der Stadtverwaltung sieht eine Fortführung der Kampagne vor – ganz unter dem Motto: „Otto macht weiter“.

In dem 167.000-Euro-Budget, das zuvor vom Stadtrat Magdeburg beschlossen werden müsste, sind aber auch 75.000 Euro enthalten, mit denen das Stadtmarketing aufpoliert werden soll. Um im Bild zu bleiben: Es geht zunächst einmal darum, die Poliermilch und das Tuch bereitzulegen. Denn mit diesem Geld sollen von auswärtiger Seite Ideen entwickelt werden, wie Magdeburg als Marke gestärkt werden soll.

Magdeburg legt zu

Sandra Y. Stieger, die als Chefin der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH für die Außenvermarktung der Stadt Magdeburg mit zuständig ist, sagt: „In den vergangenen Jahren haben wir in der Außenwirkung der Stadt durchaus gewonnen.“ Sie verweist dabei auf Studien mit Umfragen, in denen die Stadt von hinteren Plätzen zum Beispiel in Bezug auf Bekanntheit, als potenzieller Wohn- und Arbeitsort oder als touristisches Ziel von hinteren Plätzen bis ins Mittelfeld vorgedrungen ist. Die MMKT-Chefin sagt aber auch: „Da geht sicher noch mehr. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die anderen auch nicht schlafen.“

Der Name einer Stadt wie Magdeburg sei von sich aus eine Marke. In Anlehnung an die Otto-Kampagne sollen Ideen für die Pflege dieser Marke entwickelt werden. „Das soll bewusst von externen Experten vorgenommen werden, da die Sicht von außen auch neue Perspektiven öffnen kann“, sagt Sandra Y. Stieger. Logo, Begrifflichkeiten, Farbwelt und alle grafischen Bestandteile der Dachmarke Ottostadt Magdeburg sollen durch das Konzept nicht berührt werden.

Die Zielgruppen im Blick behalten

Unter anderem müsse es aber gelingen, alle Magdeburger Einrichtungen und Unternehmen dafür zu gewinnen, ihre Heimat nach außen zu tragen. „Und es muss darum gehen, uns gezielter den Gruppen von Menschen zuzuordnen“, sagt Sandra Y. Stieger. Beispiele seien Touristen oder Investoren. Oder eben auch potenzielle Studenten. „Dieses Feld wird derzeit im Wesentlichen von der Otto-von-Guericke-Universität und der Hochschule Magdeburg-Stendal bearbeitet. Als Stadt wäre es sinnvoll, sich in dieses Thema verstärkt einzubringen“, erläutert die MMKT-Chefin das Ziel des Umdenkens.

Falls das Geld zur Verfügung stehen wird, soll 2019 eine entsprechende Studie erstellt werden. Ein Jahr später soll dem Stadtrat vorgelegt werden, wie es dann mit der Pflege Magdeburgs als Marke weitergehen könnte.

Kaiser-Otto-Fest soll bleiben

Unabhängig von diesen Bemühungen sollen die Programme der Stadt Magdeburg fortgeführt werden, die sich bewährt haben. Magdeburgs Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche nennt in diesem Zusammenhang das Kaiser-Otto-Fest. „Dieses ist etabliert, und wir wollen es fortführen.“ Eingebettet werden soll hier auch weiterhin das Edithafest, das als Zeichen für die Rolle der Frauen in der Magdeburger Geschichte eine wichtige Rolle spiele.

Außerdem soll im Rahmen der Otto-Kampagne des kommenden Jahres die Aktion „Otto reitet“ unterstützt werden. Bei „Otto macht Mode“ sollen Modeschaffende aus Magdeburg weiterhin die Möglichkeit haben, überregional auf sich aufmerksam zu machen. Mit einem Fonds sollen 30 Kleinprojekte mit bis zu 200 Euro gefördert werden. Bislang gab es bis zu 500 Euro.

Magdeburg wird Schach-Metropole

„Im Jahr 2019 möchten wir außerdem unter dem Titel ,Otto spielt Schach‘ die Meisterschaften und den Kongress des Deutschen Schachbunds in Magdeburg unterstützen“, sagt Rainer Nitsche. Bis zu 600 Schachspieler aus ganz Deutschland, darunter Großmeister und internationale Meister, also Spieler von Weltrang, werden sich in der Stadt aufhalten. Wie Rainer Nitsche berichtet, handelt es sich bei der geplanten Veranstaltung um einen Schachkongress, wie es ihn in diesem Umfang seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.

Mit Blick auf das künftige Trommeln für Magdeburg sagt der Wirtschaftsbeigeordnete: „Die Wirtschaft hat in der Stadt in den vergangenen Jahren einen Aufschwung genommen, und die Stadt ist immer attraktiver und lebenswerter geworden. Das müssen wir viel mehr nach außen tragen als bisher.“

Der Stadtrat hat das letzte Wort

Dass die Vermarktung der Stadt zur Diskussion lockt, zeigt ein Blick auf die Abstimmung im Wirtschaftsausschuss: Dort bekam der Vorschlag der Verwaltung zwei Ja- Stimmen und zwei Nein-Stimmen sowie eine Enthaltung. Damit gab es aus diesem Gremium keine Empfehlung für den Stadtrat, dem Vorhaben zuzustimmen.

Am 28. November 2018 soll der Finanzausschuss sein Votum zu dem Vorschlag abgeben. Die endgültige Entscheidung hat der Stadtrat zu treffen.