Magdeburg l SPD-Fraktionschef Jens Rösler und sein Vize Falko Grube haben den Antrag unterschrieben, der am 21. Februar 2019 im Stadtrat Magdeburg zur Debatte steht. Es ist kein Prüfantrag, sondern – würde der Rat zustimmen – ein Auftrag ohne Wenn und Aber.

Der Oberbürgermeister soll auf den Zufahrten zum Hasselbachplatz Bremsschwellen einbauen lassen und zwar genau hier: zweimal auf dem Breiten Weg in Höhe Kepler- und Einsteinstraße sowie eine weitere Schwelle auf der Otto-von-Guericke-Straße vor der Einmündung Einsteinstraße – allesamt auf den Fahrbahnen in Richtung Hasselbachplatz.

Raser gefährlich für Passanten

Wozu? Rösler und Grube haben beobachtet, dass Autofahrer immer wieder das schon auf den Zufahrten zum „Hassel“ gültige Tempo-30-Gebot missachteten, stattdessen „ihr Fahrvermögen und die Bremskraft ihrer Fahrzeuge durch hohe Geschwindigkeiten und Vollbremsung kurz vor der Einfahrt in den ,Hassel‘ testen“. Bei Passanten, besonders an Haltestellenbereichen und in der Außengastronomie, sorge das regelmäßig für Erschrecken und gefährliche Situationen.

Da Schilder keine hinreichende Wirkung zeitigten, setzt die SPD nunmehr auf Zwang – die Bremsschwelle. In Magdeburger Wohngebieten gibt es bereits einige solcher Installationen, deren Überfahren Schrittgeschwindigkeit erfordert. Regelmäßig hat die Verwaltung deren Einbau aber auch schon abgelehnt, da an Bremsschwellen Rettungsfahrzeuge behindert würden und verstärkter Lärm beim Stoppen und Anfahren entstehe.

Rettungsfahrzeuge fahren auf Gleisen

Solche Argumente lässt die SPD am Hasselbachplatz nicht gelten und entkräftet sie noch vor Start der Debatte: Rettungsfahrzeuge könnten hier auch die weiter schwellenfreien Straßenbahngleise nutzen (bereits heute Praxis) und die Bahnen selbst würden schon heute mehr Lärm am Platz erzeugen als bremsende oder anfahrende Autos.

Die Polizei hat 2017/18 jährlich rund 30 Verkehrsunfälle im Bereich registriert, in dem die Ratsinitiative den Verkehr mittels Schwellen entschleunigen möchte – die Mehrzahl auf der Otto-von-Guericke-Straße, bei leicht sinkendem Unfallaufkommen 2018.

Mehr Unfälle beim Ein- und Ausparken

Allerdings dominierten am Hasselbachplatz und auf den Zufahrtsstraßen Unfälle beim Ein- und Ausparken sowie solche, bei denen parkende Fahrzeuge von vorbeifahrenden gerammt werden, deutlich das Geschehen. „Es sind keine Verkehrsunfälle erfasst, welche ursächlich auf ein Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zurückzuführen sind“, gibt Polizeisprecherin Heidi Winter auf Volksstimme-Nachfrage zu Protokoll. Ob Bremsschwellen trotzdem zu einer Entspannung der Verkehrslage für alle Teilnehmer beitragen könnten, dazu äußert die Polizei keine Meinung.

Der im Rathaus zuständige Baubeigeordnete Dieter Scheidemann war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme erreichbar.