Magdeburg l „Das Amo Kultur- und Kongresshaus bleibt dauerhaft im Besitz der Stadt Magdeburg und wird auch nach der Sanierung der Stadthalle ohne zeitliche Befristung von der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM) betrieben.“

Überraschender Beschluss

Diesen durchaus überraschenden Beschluss fasste der Stadtrat auf seiner Sitzung am 5. Dezember 2019 mit einer breiten Mehrheit aus Grüne/future!, SPD, Linke und den beiden Kleinfraktionen Gartenpartei/Tierschutzallianz und Tierschutzpartei/Bund für Magdeburg.

Aus den Reihen von CDU/FDP und der AfD kamen Gegenstimmen und Enthaltungen. Die Initiative zum dauerhaften Bekenntnis zum Amo hatte die Fraktion Grüne/future! mit einem Änderungsantrag zum von der Verwaltung vorgelegten anderslautenden Beschlusspapier ergriffen.

2013 stand Abriss zur Debatte

Die Vorgeschichte reicht ins Jahr 2013 zurück. Damals kursierten verwaltungsintern Papiere, in denen die Schließung und sogar der Abriss des traditionsreichen Magdeburger Kulturhauses am Rande der Innenstadt Richtung Buckau erwogen wurde. Ihr Bekanntwerden löste eine Welle der Empörung unter Magdeburgern aus.

Für den Amo-Erhalt sammelten verschiedene Initiativen Tausende Unterschriften. Im Stadtrat erwies sich ein Abschied vom Haus schnell als nicht mehrheitsfähig. Stattdessen beschloss der Rat im November 2014 eine Art Galgenfrist zur Hallenunterhaltung bis Ende 2019. Klar wurde auch, dass das Amo als Ausweichspielstätte während der Sanierung der Stadthalle benötigt wird.

Die Hallensanierung hat bis heute nicht begonnen. In logischer Folge schlug die Verwaltung dem Rat nun den weiteren Amo-Betrieb bis 2024 vor. Bis zum 30. Juni 2024 sollte der Amo-Betreiber, die stadteigene MVGM, „eine betriebswirtschaftliche Auswertung und einen empfehlenden Beschluss des Aufsichtsrates über die weitere Bewirtschaft beziehungsweise Aufgabe des Objektes“ vorlegen, hieß es im Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung.

Steigende Auslastung

Erneut auf der Kippe zur Schließung mochte Grünen-Fraktionschef Olaf Meister das Amo nicht sehen: „Diese Hängepartie muss ein Ende haben.“ Sie behindere die Entwicklung des Hauses, so Meister, wenn zum Beispiel an technischer Ausstattung gespart werden müsse, weil ein dauerhafter Weiterbetrieb auf der Kippe stehe. Oliver Müller (Linke) schloss sich Meisters Meinung aus vollstem Herzen an: „Uns eint das Bewusstsein für die große Identifikation vieler Magdeburger mit dem Gebäude.“

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) merkte an, dass es gar keinen Grund gebe anzunehmen, die Verwaltung wolle mit ihrem Vorschlag das Amo infrage stellen. Ähnlich argumentierte CDU-Fraktionschef Wigbert Schwenke. „Der nächste Stadtrat kann so oder so anders entscheiden, wenn das Haus rote Zahlen schreibt.“

33 Veranstaltungen mehr

Kostendeckend arbeitet das Amo bis heute nicht, allerdings hat sich das Jahresdefizit von 221.000 Euro anno 2014 auf 122.000 Euro im Jahr 2018 verringert. Die Zahl der Veranstaltungstage im Haus ist im gleichen Zeitraum von 127 auf 160 gestiegen. Das weist die aktuelle betriebswirtschaftliche Analyse zum Amo aus.

Im Unterschied zu 2013 stellt sich jetzt auch die SPD-Ratsfraktion auf die Seite der Amo-Bewahrer. „Wir wünschen dem Amo ein frohes Leben die nächsten Jahrzehnte und nicht bloß die nächsten fünf Jahre“, sagte Fraktionsvize Falko Grube.