Magdeburg l Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hat erneut dafür plädiert, Schritt für Schritt ins normale öffentliche Leben zurückzukehren. Gemeinsam mit Gesundheitsamtsleiter Dr. Eike Hennig sagte er am 27. April 2020 in Magdeburg, dass die Infektionsgefahr in Magdeburg sehr gering sei. Er wolle sich deshalb dafür einsetzen, dass beispielsweise Freiluft-Theater wie beim Kabarett „Nach Hengstmann" oder dem "Theater an der Angel" bei Einhaltung der Hygieneregeln wieder stattfinden könnten.

Magdeburg anders als Bayern

Trümper stellte eine eigene Übersicht über die Infektionsfälle vor. Dabei zog er von den seit Anfang März 2020 in Magdeburg festgestellten 103 Infektionen die Zahl der Genesenen ab. „Dabei kommen wir auf einen Wert von sieben", sagte er. „Das bedeutet: Derzeit sind in Magdeburg sieben Personen mit dem Coronavirus infiziert. Dazu kommen dann noch ein paar Leute in Quarantäne."

Dieser Wert zeige, dass das Ausmaß der Corona-Krise in Magdeburg ein anderes sei als beispielsweise in Bayern. In Magdeburg könne man nach wie vor jeden Corona-Fall nachvollziehen. Das sei ein erfolgreiches Mittel. Solange dies möglich sei, sei auch eine weitere Öffnung der Gesellschaft „alternativlos", so Trümper. Magdeburg habe deshalb beispielsweise die Kitas für Alleinerziehende seit Montag geöffnet. Weitere Maßnahmen müssten folgen, seien aber in der Regel Sache des Landes.

Magdeburg will Corona-Studie starten

Die Landeshauptstadt kündigte außerdem an, weiter in Pflegeheimen bei Verdacht Bewohner sowie regelmäßig das Personal auf eine Ansteckung zu prüfen. Alle Magdeburger Altenheime seien weiterhin coronafrei.

Begleitend will Magdeburg eine repräsentative Studie anschieben, um Einblick in die Corona-Dunkelziffer zu erhalten. Gemeinsam mit der Uni sollen bis zu 2000 Personen auf das Virus und auf Antikörper getestet werden. Derzeit werde die Umsetzung vorbereitet. Diese Daten seien notwendig für eine bessere Gefährdungseinschätzung. Zudem warnte Trümper vor politischer Instrumentalisierung der Corona-Folgen von Links und Rechts.

Geisterspiele abgelehnt

Für das städtische Theater schloss er Kurzarbeit nicht aus. „Ich lasse das gerade analysieren", sagte er. Anlass sei, dass sich Theaterschließungen bis zur Sommerpause hinziehen könnten. „Wenn jetzt schon klar sei, dass bis dahin nicht gespielt werden kann, dann müssen wir auch über Kurzarbeit nachdenken", so Trümper. Das sei auch eine Kostenfrage. Hinsichtlich der Schulöffnungen zeigte sich Trümper aufgeschlossen. Wenn Professoren der Uni eine Kita-Öffnung für möglich hielten, dann müsse das auch bei Grundschulen gehen. „Ich würde es den Eltern aber freistellen, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken, so Trümper.

Geisterspiele im Fußball lehnte er insbesondere in der dritten Liga ab. Das sei „wirtschaftlicher Wahnsinn", so Trümper, der auch mal Präsident des 1. FC Magdeburg war.