Magdeburg l Was tun, wenn es eng wird? Klare Antwort: zusammenrücken. Unter dieser Devise haben die Magdeburger Verkehrsbetriebe schon vor Jahren planerisch ein Problem in der Warschauer Straße gelöst. Die Engstelle ist die Eisenbahnbrücke am Buckauer Bahnhof, und die Lösung lautet: Gleisverschlingung.

Was auf dem Papier schon lange klar war, kann jetzt auf der Buckauer Seite der Verbindung mit dem Stadtteil Leipziger Straße besichtigt werden. Die Gleise auf dieser Seite sind verlegt.

Die Gleise überschneiden einander und die linke Schiene der einen Richtung liegt so dicht es geht neben der rechten Schiene der Gegenrichtung. Tim Stein, Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe, in seinem Bautagebuch: „Um den Verschleiß zu minimieren, wird eine Gleisverschlingung gebaut. Das sind zwei dicht nebeneinander liegende Gleise.“

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Die Alternative wäre gewesen, dass die Bahnen für beide Richtungen ein gemeinsames Gleis nutzen, wie es die Magdeburger zurzeit auf der MVB-Baustelle in der Schönebecker Straße erleben und wie es im regulären Linienbetrieb bis heute auf dem Abschnitt der Linie 6 auf der Trasse zwischen Breitscheidstraße und Herrenkrug der Fall ist.

Teure Weichen eingespart

Tim Stein nennt aber – neben einem geringeren Verschleiß an den Gleisen – einen weiteren Grund für die Lösung der Gleisverschlingung: „So spart man sich zwei teure und wartungsintensive Weichen.“

Da die Gleise einander überlagern, können Straßenbahnen immer nur gleichzeitig in einer Richtung fahren. Im Planfeststellungsbeschluss heißt es dazu: „In diesem Streckenabschnitt ist jeweils nur Einrichtungsverkehr für die Straßenbahn mit besonderer Straßenbahnsicherungstechnik möglich.“ Sprich: Mit Ampeln muss geregelt werden, welche Straßenbahn fahren darf. Technisch muss sichergestellt werden, dass die Straßenbahn aus der entgegengesetzten Richtung den Streckenabschnitt verlassen hat, bevor die Bahn aus der anderen Richtung rollt.

Eine Folge dieser Einschränkung: Die Takte können auf diesem Abschnitt des Ost-West-Astes der Zweiten Nord-Süd-Verbindung durch die Landeshauptstadt nicht ganz so dicht gelegt werden wie auf anderen Strecken. Sprich: Dass hier einmal fünf Linien fahren wie derzeit beispielsweise im Nordabschnitt des Breiten Wegs, ist nicht denkbar. Es würde zu einem Stau der Straßenbahnen kommen.

Wenn das Gesamtvorhaben der Zweiten Nord-Süd-Verbindung einmal fertiggestellt ist, sollen hier die Linien 3 und 5 jeweils im 20-Minuten-Takt fahren. Und zwar die Linie 3 aus Sudenburg kommend in Richtung Hasselbachplatz und weiter zum Klinikum in Olvenstedt, und die Linie 5 vom Messegelände aus Richtung Europaring kommend und weiter in Richtung Salbker Platz.

Hochbord zur Fahrbahn

Anders als an den anderen Stellen der neuen Trasse durch die Raiffeisen- und die Warschauer Straße ist eine deutlichere Abgrenzung zur Fahrbahn für Autos vorgesehen. An den anderen Stellen der mehr als einen Kilometer langen völlig neuen Gleistrasse wird hier kein acht Zentimeter hoher Rundbord angelegt, der im Notfall auch einmal von einem Auto überquert werden kann.

Vielmehr wird es an der Stelle der Gleisverschlingung einen 16 Zentimeter hohen Hochbord geben. Ausschlaggebend dafür sind Gründe der Sicherheit: Welcher Autofahrer rechnet schon damit, dass Straßenbahnen auf einem Gleis aus beiden Richtungen kommen können.