Magdeburg l Frühestens ab Montag fährt in Magdeburg wieder die Straßenbahnlinie 8. Die Verbindung zwischen Neustädter See und Buckau über die Otto-von-Guericke-Straße ist aufgrund vieler Erkrankungen unter den Fahrern der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) eingestellt worden. Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel sagt: „Wir merken spürbar die Auswirkungen der aktuellen Grippewelle. In nahezu allen Bereichen, ob Verwaltung, Fahrdienst oder Technik, fehlen bei uns derzeit krankheitsbedingt Kollegen. Im Fahrdienst fehlt seit Januar jeder fünfte Fahrer. Die entsprechenden Informationen werden u. a. an den elektronischen Anzeigen an die Fahrgäste weitergegeben.“

Der Fahrgastverband Magdeburg begrüßt die klare Kommunikation der MVB. „Schön zu sehen, dass die MVB hier dazugelernt haben und die Fahrgäste im Vorfeld über die zu erwartenden Ausfälle informieren. So ist für die Fahrgäste immerhin eine verlässliche Reiseplanung möglich“, sagt Daniela Kreissl, stellvertretende Vorsitzende des Fahrgastverbandes

Verschmerzbar ist der Verzicht auf die Linie 8 vor allem deshalb, so die MVB, da sie vor allem für den Schülerverkehr von Bedeutung ist. Daher fährt sie auch nur montags bis freitags zwischen 7 und 17 Uhr alle 20 Minuten. „Wir bitten unsere Fahrgäste mit Zielen Neustädter See oder Buckau die parallel fahrenden Linien 2 und 9 zu nutzen“, so Birgit Münster-Rendel.

Bis Freitag

Mit der Streichung der Linie 8 sollen auch krankheitsbedingte Ausfälle auf anderen Linien vermieden werden. MVB-Sprecher Tim Stein erläutert: „Beim Ausfall der Linie 8 werden dank der Möglichkeit, andere Linien zu nutzen, anders als bei den anderen Straßenbahn- und Buslinien nicht gleich ganze Viertel vom öffentlichen Personennahverkehr abgekoppelt.“

Bislang ist geplant, dass die Straßenbahnlinie bis zum 10. Februar eine Winterpause macht. Am Sonnabend und Sonntag ist sie ohnehin nicht im Einsatz. Erst heute und morgen kann jedoch geklärt werden, ob am Montag wieder genügend Fahrer gesund sind und die Linie 8 wieder fahren kann.

Kritik vom Fahrgastverband

Im Jahr 2015 hatte es massive Probleme gegeben, da die Verkehrsbetriebe über weniger Fahrer verfügten und daher die Ausfälle noch schlechter ausgleichen konnten. Birgit Münster-Rendel resümiert: „Bisher konnten wir das dank unserer vielen Neueinstellungen gut kompensieren und hatten keine personalbedingten Ausfälle im Linienverkehr zu verzeichnen.“ Diesem Punkt widerspricht der Fahrgastverband und bezeichnet die Aussage zu einer guten personellen Ausstattung als unglaubwürdig. Die Fahrgäste hätten ein Recht, über die Situation informiert zu werden, so Marco Henniges, Mitglied des Vorstands. Vorstandskollege Detlef Fred Lasse nennt als Grund ein Absinken der Fahrerzahl von 394 im Jahr 2006 auf 334 im Jahr 2015. Im Dezember und im Januar habe es zahlreiche Ausfälle gegeben, die nicht im Zusammenhang mit Unfällen oder Staus stehen.

Diese Zahl, so MVB-Sprecher Tim Stein, sei aber überholt. Inzwischen seien bei den MVB und der Tochtergesellschaft MVG 415 Bus- und Straßenbahnfahrer eingestellt worden. Nicht nachvollziehen kann er die Aussage zu krankheitsbedingten Ausfällen in den vergangenen Monaten: „Im Dezember waren 6508 Dienste durch Fahrer zu besetzen. Aufgrund von kurzfristigen Krankmeldungen konnten wir für elf keinen Ersatz finden.“ Im Januar gab es 6825 Dienste für Fahrer, von denen fünf aufgrund von Krankheiten nicht ersetzt werden konnten.

Für den Fahrgast an der Haltestelle ist allerdings schwer auszumachen, aus welchem Grund eine Bahn oder ein Bus nicht fährt. Und: Wenn ein Dienst nicht angetreten werden kann, fallen die Fahrten der betroffenen Straßenbahn oder des Busses während der gesamten Schicht aus.