Magdeburg l Die Aufenthaltsqualität am Hasselbachplatz in Magdeburg zu verbessern, ist derzeit immer wieder Thema. Dabei geht es nicht allein um die Sicherheit und um einen Manager für den Platz und sein Umfeld, sondern während der Augustsitzung 2019 des Magdeburger Stadtrats ging es darum, Raser an dem Platz auszubremsen. Eine knappe Mehrheit bekam dabei der bereits seit Monaten diskutierte Vorschlag der SPD-Fraktion, mit Bremsschwellen Autofahrer zum Langsamfahren zu zwingen.

Jetzt auch Tempo 20 für Hasselbachplatz gefor

Verabschiedet wurde der Vorstoß in einer auf Initiative von der Fraktion Grüne/Future verschärften Variante. Die Sozialdemokraten hatten Bremsschwellen auf dem Breiten Weg in Höhe Keplerstraße und Einsteinstraße sowie auf der Otto-von-Guericke-Straße vor der Einmündung in die Einsteinstraße auf der Liste. Hinzu kommen jetzt die Sternstraße in Höhe der Einmündungen Bölschestraße und Geißlerstraße.

Zudem soll das Rathaus in den oben genannten Bereichen die Höchstgeschwindigkeit auf maximal 20 Kilometer pro Stunde reduzieren. Grund: Wo es keinen Radweg gibt, soll sich der Verkehrsfluss an der durchschnittlichen Geschwindigkeit von Radfahrern orientieren – und die liegt nicht bei Tempo 30, sondern eher zwischen 16 und 20 Kilometern pro Stunde.

Kein Unfallschwerpunkt

Für Diskussionen hatten zuvor die Fragen nach dem Ob und dem Wie geführt. Dem Ansinnen grundsätzlich widersprach so Marcel Guderjahn von der Gartenpartei. Er sagte: „Wir wissen ja, wie wenig sich Leute an Regeln halten.“ Wirksamer sei es wohl, am Hasselbachplatz zu blitzen. CDU-Stadtrat Frank Schuster stellte sich hinter die Einschätzung der Stadtverwaltung, die im Einbau von Bremsschwellen rechtliche Probleme sieht, und verwies darauf, dass der Hasselbachplatz kein Unfallschwerpunkt sei und „ein Haufen Geld“ ausgegeben werde, wo das nicht nötig sei.

Ohnehin, so Frank Schuster, seien klassische Bremsschwellen keine optimale Lösung. Es gebe elektronische Lösungen, die auch im Bauausschuss bereits diskutiert wurden. Dem pflichtete auch Andreas Schumann, ebenfalls Mitglied der CDU-/FDP-Fraktion, bei: Bei den klassischen Bremsschwellen höre man den Lärm der darüberfahrenden Autos bis in das Schlafzimmer.

Problematisch für Rettungsfahrzeuge

Christdemokrat Matthias Boxhorn, der hauptberuflich als Notfallsanitäter arbeitet, verwies auf die Schwierigkeiten für Rettungsfahrzeuge. Die Schwellen seien für die Patienten spürbar und das MVB-Gleisbett sei kaum zum Ausweichen geeignet. Mit Blick auf die Farben der sich in der Diskussion gegenüberstehenden Lager sagte er: „Wenn die Dinger wirklich nötig sind, bitte rot-grün und nicht gelb-schwarz streichen.“

Wohlfühlfaktor steigern

Auf der anderen Seite die Befürworter des Antrags. Grünen-Future-Fraktionschefin Madeleine Linke erinnerte daran, dass alles getan werden müsse, damit sich die Menschen in der Innenstadt wohlfühlen. Um diesen Wohlfühlfaktor zu erhöhen, setzt sie auf geräuscharme Ausführungen von Bremsschwellen mit Auslassungen, so dass Radfahrer die Stellen ohne Behinderung passieren können. Madeleine Linkes Fraktionskollege Jürgen Canehl brachte derweil statt der klassischen Bremsschwellen Bremskissen ins Spiel. Gemeint sind damit langgezogene Podeste anstatt der kurzen Bremsschwellen.

SPD-Stadtrat Christian Hausmann hält hingegen den Klassiker für sinnvoll: Im Norden Sachsen-Anhalts gebe es Städte, in denen Bremsschwellen genutzt würden. Und auch die Schwelle in der Barleber Straße habe sich bewährt, da sie für die Autofahrer gut erkennbar ist, so dass sie rechtzeitig abbremsen.