Magdeburg l Die meisten Magdeburger halten Abstand, um der Gefahr, sich das unsichtbare Virus vom Gegenüber durch Tröpfcheninfektion einzufangen, zu trotzen. Doch wie ist es zum Beispiel mit dem Trinkwasser? Kann das aggressive Virus mit dem Glas Wasser aus dem Hahn übertragen werden?

Diese Angst sei unnötig, erklären die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) auf Nachfrage. Der Großversorger stützt sich dabei auf Aussagen vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, der betont: „Nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand kann eine Verbreitung des Coronavirus über die Trinkwasserversorgung ausgeschlossen werden.“

Kein Übertragungsweg

Auch das Umweltbundesamt gibt Entwarnung. Die Trinkwassergewinnung biete „zu jedem Zeitpunkt“ zum Beispiel durch das Multibarrieren-Prinzip „einen weitreichenden Schutz auch vor unbekannten Organismen und chemischen Stoffen“. Die Form und chemische Struktur des neuartigen Virus sei anderen Coronaviren sehr ähnlich, bei denen in Untersuchungen gezeigt worden sei, dass Wasser „keinen relevanten Übertragungsweg“ darstelle. Die Magdeburger brauchen sich also um ihr Trinkwasser nicht zu sorgen. Dass genug Trinkwasser da ist, sei ebenfalls gewährleistet. Der Verbrauch an Trinkwasser habe in den letzten Tagen zwischen 31 000 und 34 000 Kubikmeter am Tag gelegen und sei damit nahezu unverändert im Vergleich zum letzten Jahr geblieben, erklären die SWM.

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Und wie sieht es mit den Abwasserleitungen aus? Auch diese Frage stellt sich angesichts noch immer leer gekaufter Klopapier- und Küchenrollen-Regale. „Wir merken momentan nichts von einem Mehrverbrauch an Toilettenpapier“, sagt SWM-Sprecherin Cornelia Kolberg dazu. „Ob man nun zu Hause oder im Büro aufs stille Örtchen geht. Unterm Strich ist der Verbrauch ähnlich“, meint Kolberg. Ein Mehrverbrauch ließe sich nach dieser simplen Rechnung auch nur schwer begründen. Doch nicht alles und jeder folgt in diesen Krisenzeiten einfacher Logik - siehe Hamsterkäufe bei Toilettenpapier und Küchenrollen.

Abfälle bereiten Sorgen

„Zum Glück sind noch keine Küchenrollen im Abwassernetz gelandet“, berichtet Cornelia Kolberg. Und dabei soll es unbedingt bleiben. Denn Sorgen bereitet das Thema dem Abwasserentsorger schon. Küchenrolle, Taschen- und Feuchttücher hätten in der Toilette nichts zu suchen, betont Cornelia Kolberg. Auch kein feuchtes Toilettenpapier, selbst wenn auf den Verpackungen anderes stünde. „Das gehört in den Restmüll“, betont die SWM-Sprecherin.

Stromverbrauch geht zurück

Die oft runtergespülten Feuchttücher „nuddeln sich förmlich um die Pumpen in der Kanalisation“ und legen sie lahm bzw. verfangen sich in den Abwasserpumpen. „Sie werden in Fachkreisen Pumpenkiller genannt“, so Kolberg. Das unterirdische Kanalsystem der Abwassergesellschaft Magdeburg mbH (AGM) ist 1080 Kilometer lang. 280 leistungsstarke Pumpen sorgen dafür, dass es durch die Kanalisation bis zum Klärwerk Magdeburg/Gerwisch gepumpt wird. Dort wird das Abwasser der Stadt Magdeburg und aus dem Umland behandelt.

Die SWM sind als Betriebsführer für die AGM tätig. Und sie liefern auch den Strom für Tausende Magdeburger Haushalte. Hat die Corona-Krise Auswirkungen auf den Stromverbrauch? Auf Volksstimme-Bitte haben die SWM den Verbrauch in den ersten Aprilwochen von 2020 und 2019 verglichen. Der höchste Verbrauch (Zeitpunkte mit Verbrauchsspitzen) am Tag findet immer morgens (zwischen 7 und 9 Uhr), mittags (zwischen 11 und 12 Uhr) und abends (zwischen 20 und 21 Uhr) statt. Der höchste Verbrauch zu den Morgen- und Mittagsstunden sei im Vergleich zum Vorjahr 2019 um 15 bis 20 Megawatt geringer. Das entspreche einem Rückgang von 10 bis 15 Prozent in den verbrauchsstarken Stunden.

Der höchste Verbrauch zu den Abendstunden sei im Vergleich zu 2019 um 8 bis 12 Megawatt geringer. Das entspreche einem Rückgang von 7 bis 9 Prozent. Die Auswertung decke sich in etwa mit den Aussagen anderer Energieversorger, die ebenfalls einen Verbrauchsrückgang um die 10 Prozent in der Spitze verzeichneten. Es zeige sich, dass der Verbrauch seit dem 18. März 2020 vor allem bei den Einkaufs- und Gewerbezentren deutlich zurückgegangen sei.