Magdeburg l Das Manövrieren des Bootes im Teich gestaltete sich schwierig. „Ich hänge am Kinderwagen fest“, rief Carlo Perl vom Anglerverein Magdeburg. Halb ragte das Gestell aus dem trüben Wasser hervor, mitten im Amtsgartenteich, beziehungsweise in dem, was von dem Teich noch übrig war.

Seit fast zwei Woche laufen die Sanierungsarbeiten und ein Großteil des Wassers wurde bereits abgepumpt. Doch bevor die Bauarbeiten weitergehen, sollten die Fische umgesiedelt werden. Hierfür hatte der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg den Anglerverein beauftragt.

Grundwasser drückt nach

„Es ist noch zuviel Wasser da“, stellte Mirco Baumgarten, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, vor Ort fest. Der ursprüngliche Plan sah vor, eine kleine Grube anzulegen, in der sich die Fische sammeln können, während der restliche Bereich trocken liegt. Nachdrückendes Grundwasser hatte diesen Plan jedoch zunichte gemacht. Also wurde ein Boot herbeigeholt und mit dem Kescher versucht, die Fische aus dem Gewässer zu holen.

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„Besser wäre es, wenn wir elektrisch fischen könnten. Das geht jedoch aufgrund der Schlammmassen nicht“, erklärt Baumgarten. Schlamm sei ein schlechter Leiter.

Fische ziehen in Salbker See um

Die Männer auf dem Boot zogen derweil einen großen Karpfen aus dem Wasser. „Der ist bestimmt schon zwischen 20 und 25 Jahren alt“, schätzte Baumgarten. Ob den Fischen die Überführung in ein anderes Gewässer Probleme macht? „Nein, überhaubt nicht“, sagte er. Die gefangenen Fische wurden in den Salbker See gebracht und sollen dort auch bleiben. „Bei dem See ist der Wasserstand zumindest noch halbwegs in Ordnung“, begründete Baumgarten die Entscheidung.

Einen zweiten Arbeitseinsatz hatten die Angler dann am 19. Januar 2020. Auch dieses Mal gestaltete sich die Aktion aufgrund von Schlamm und Müll schwierig, berichtete Baumgarten. „Wir standen bis zur Brust im Schlamm“, sagte er.

Paar Fische bleiben zurück

An beiden Tagen holte der Anglerverein insgesamt 56 Fische aus dem Teich – ein paar sind im Gewässer verblieben. „Das ist dann Verlust, da kann man nichts machen. Unter diesen Umständen noch weiterzumachen, war sinnlos“, so Baumgarten.

Ob es zu einem dritten Arbeitseinsatz kommt, ist ungewiss. Eventuell bietet sich in ein paar Wochen eine neue Gelegenheit, die restlichen Fische einzufangen. Laut Nico Prast von der Baufirma könnte das Vorgehen so aussehen: „Wir werden eine Baustraße anlegen und dann mit einem großen Bagger den Schlamm vor uns herschieben, bis den Fischen nur noch ein kleiner Bereich bleibt.“

Teichsanierung kostet 600.000 Euro

Die Sanierung des Amtsgartenteichs wird nach Aussage der Stadt 600.000 Euro kosten. Es sollen Zu- und Abläufe des Teiches einschließlich bautechnischer Anlagen erneuert sowie die Böschungsbereiche wieder hergestellt werden. „Damit soll in dem Standgewässer wieder das entsprechende Wasservolumen hergestellt und somit die Selbstreinigungskraft des Teichs verbessert werden“, so ein Sprecher. Der Bereich um den Teich ist deshalb bis März für eine öffentliche Nutzung nicht zugänglich.