Termine

Die Premierenvorstellung am Sonnabend beginnt um 19.30 Uhr in der Kümmelsburg. Weitere Vorstellungen sind am Sonntag sowie am 17. und 18. Dezember ebenfalls in der Einrichtung im Rennebogen 167 mit Beginn um 19.30 Uhr geplant. Der Eintritt beträgt fünf und ermäßigt drei Euro. Karten können unter Telefon 0179/717 59 62 reserviert werden. Mehr zur Theatergruppe „bühnenfrei“ ist auf der Facebook-Seite der Gruppe zu erfahren:

www.facebook.com/ buehnenfrei

Magdeburg l Gezeigt wird am Sonnabend um 19.30 Uhr im Familien- und Jugendzentrum (FaJu) „Kümmelsburg" im Rennebogen 167 das Stück „wasted land“, eine Adaption von Max Frischs „Graf Öderland“. Ein schwieriges Stück für die überwiegend aus Laien bestehende Theatergruppe „bühnenfrei“, denn es galt generell an Theatern lange Zeit als „unspielbar“.

Suche nach dem richtigen Stück

Angefangen hatte alles Ende 2014, als Laienschauspieler im Schauspielhaus Magdeburg an die Theaterpädagogin Angela Mund mit der Bitte herantraten, ein Theaterprojekt aufzubauen. „Ich war fasziniert. Wir haben uns getroffen und dann neue Leute dazugeholt, vor allem Menschen ohne Theatererfahrung. Bis zum Sommer des vergangenen Jahres haben wir gespielt, ohne ein Ziel zu verfolgen. Es ging darum, Schauspieltechniken zu vermitteln und spielerische Grundlagen zu schaffen“, berichtet Angela Mund. Von da an begann die Suche nach einem geeigneten Stück. „Das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, weil wir sehr wählerisch waren und etwas wollten, wobei alle Mitglieder auf der Bühne stehen können. Wir haben von den klassischen Stücken bis zu den modernen der vergangenen 20 Jahre alles durchforstet. Bei den modernen Stücken ist die Besetzung oft sehr klein, und sich an die Klassiker heranzuwagen, ist auch nicht leicht, weil das Publikum sie schon oft gesehen hat und Vergleiche anstellt, die es für eine Laiengruppe schwierig machen“, sagt Angela Mund, die als Theaterregisseurin den elf Laiendarstellern und Neulingen den Weg weist und auf jedes Detail achtet.

Selten, weil schwierig

Entschieden hat man sich für „Graf Öderland“ von Max Frisch. Es ist eines der wenigen Stücke von Frisch, die nicht sehr oft gespielt werden, obwohl er eigentlich ein Standardautor für die Theaterhäuser ist. „Es ist eine Herausforderung, weil man dabei zum einen ganz schnell in Klamauk verfallen und zum Witzfigurenkabinett werden kann und zum anderen vielleicht ideologisch wird, mit Pathos aufgeladen“, meint Angela Mund.

Bilder

Aus Graf Öderland wird in dem Stück „wasted land“ ein Staatsanwalt in unserer heutigen Zeit, mit der Frage nach individueller Freiheit in dieser Gesellschaft, die voll ist von Bürokratie. Der Staatsanwalt greift schließlich zur Axt, um sich freizukämpfen. Letztendlich will er sogar die Regierung stürzen, die man ihm später selber anbietet. Wie die Geschichte ausgeht, bleibt eine Überraschung und wird jeden Abend bei den Aufführungen neu verhandelt.

Gutes Einfühlungsvermögen

Angela Mund ist begeistert von dem Einfühlungsvermögen ihrer Schauspieler für den Stoff, aber auch von ihrer Einsatzbereitschaft. „Es sind fast alle berufstätig und haben eine Familie. Es ist ein großer Aufwand für jeden Einzelnen in der Freizeit. Das Besondere an der Gruppe ist auch die Zusammensetzung in der Altersstruktur, sie reicht von 19 bis 63 Jahren. Die meisten sind über sich hinausgewachsen, weil Theater ein ‚Zauberapparat‘ ist, bei dem man nicht nur auf der Bühne steht, sondern auch viele andere Aufgaben übernimmt, wie etwa Requisiten, Kostüme und Bühnenbild gestalten, aber auch zu beschaffen und zu organisieren“, sagt die Regisseurin. Ihr Ziel ist, einen professionellen Abend zu liefern, auch ohne Drehbühne und Technikerhimmel. Also das Beste herauszuholen, was einfache Mittel erlauben. Ihr Wunsch ist, noch einen Kunstmäzen zu finden, welcher der freien Theaterszene einen eigenen Bühnenraum ermöglicht.

Vorfreude auf Premiere

Vorfreude auf die Premiere hat auch Sebastian Goll, der in der Hauptrolle den Staatsanwalt spielt. „Ich bin seit Anfang des Vorjahres dabei, nachdem ich über einen Aushang in der Unibibliothek gestolpert war und mir das einfach mal anschaute und dann ausprobierte mal zu schauspielern. Es fesselte mich von Beginn an und hat Spaß gemacht: Es war nicht schwer sich zu entscheiden, das weiterzumachen“, sagt Goll. „Als es darum ging, ein echtes Stück zu proben, machte ich in aller Unerfahrenheit mit, ohne dass mir bewusst war, was das von einem fordern kann und wie viel dazugehört. Jetzt bin ich wirklich froh, dass wir so weit gekommen sind und die Premiere ansteht“, so Goll.