Magdeburg l Viel ist passiert in den vergangenen Wochen im Altenheim für Hunde in Magdeburg. Die Mitglieder des gleichnamigen Tierschutzvereins haben tatkräftig angepackt. „Das Dach des Hundezwingers wurde komplett erneuert“, erzählt Maximilian Bartsch vom Verein.

Seit fünf Jahren engagiert er sich im Altenheim für Hunde. Innerhalb von zwei Tagen wurde das alte Plastikwelldach entfernt und eine neue Überdachung gebaut mit Unterstützung mehrerer freiwilliger Helfer. Auch der Zaun des Grundstücks wurde an einigen Stellen erneuert.

Hohe Tierarztkosten schrecken viele ab

Neben der Betreuung und Versorgung der Hunde vor Ort gehöre auch die Pflege des 600 Quadratmeter großen Grundstücks zur Hauptaufgabe der Vereinsmitglieder, wie Vorsitzende Steffi Förster erzählt. Seit 2007 versuchen die Tierliebhaber alten und kranken Hunden einen würdevollen und schönen Lebensabend zu ermöglichen. „Die Hunde verbringen ihre letzten Monate und Jahre bei uns.

Aus Privathaushalten nehmen wir keine Tiere auf“, betont Steffi Förster. Ein großes Gartengrundstück mit mehreren Hütten, einer Laube und tägliche Betreuung tragen dazu bei. Auf dem Gelände, welches dem Verein von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde, können die Hunde frei laufen, sich auf dem Boden wälzen, an Rasen und Blumen schnuppern. „Wir fördern die Gruppenhaltung“, sagt Steffi Förster. In üblichen Tierheimen seien die Hunde meist in „Einzelhaft“.

Tiere werden medizinisch versorgt

Über den Tag verteilt sind die Vereinsmitglieder im Wechsel dort, gehen mit den Hunden spazieren, beschäftigen und betreuen sie, sorgen für Futter ebenso wie für die medizinische Versorgung. Nicht endendes Kläffen und Bellen, wie man es klischeehaft aus anderen Tierheimen kennt, ist hier nicht zu hören.

„Alte Tiere haben es nicht leicht. Vielen privaten Haltern wird es irgendwann zu mühsam, ihre von zunehmenden Gebrechen geplagten Schützlinge zu versorgen. Und so landen die Tiere im Tierheim“, so Steffi Förster, die schon seit Jahren im Tierschutz aktiv ist. Normale Tierheime könnten den Bedürfnissen der alten Hunde oft nicht nachkommen. Meist fehle es an Personal oder finanziellen Mitteln.

„Doch besonders für ältere Hunde ist das Leben in einem üblichen Tierheim schwierig“, sagt Steffi Förster.

Der Aufenthalt „hinter Gittern“ hinterlasse bei Tieren psychische Probleme. „Die Hunde geben sich auf, werden lethargisch. Bei uns haben sie noch mal ein Stück Lebensqualität und blühen regelrecht auf, und das ist der Lohn für alle Mühe“, berichtet Steffi Förster.

Betreut werden derzeit im Altenheim für Hunde drei Tiere, die aus Tierheimen beziehungsweise als Notfälle durch den Tierschutz vermittelt worden sind. „Die Hunde sind 13 Jahre alt und gelten als unvermittelbar“, erzählt Steffi Förster. Das bedeutet: Sie müssten bis zu ihrem Lebensende im Tierheim ihr Dasein fristen. „Um genau solchen Tieren eine Alternative zu bieten, gründete sich der Verein“, erzählt Steffi Förster.

Jedes Tier hat eine Geschichte

Viele Menschen würden hohe Tierarztkosten davor abschrecken, einen alten Hund aufzunehmen. Doch auch die Aussicht auf eine vermutlich nur kurze Zeit des Zusammenlebens halte die Menschen ab.

Die vierbeinigen Senioren im Altenheim für Hunde haben ganz unterschiedliche Lebens- und Leidensgeschichten. „Teddy stammt aus Rumänien, Ari hat Probleme mit der Hüfte und kam ins Tierheim, weil der Besitzer ins Pflegeheim musste, Ramon hat Probleme mit der Schilddrüse, ein vergrößertes Herz und muss alle drei Monate zum Röntgen“, zählt Steffi Förster auf. Die Hunde müssen, wie Menschen auch, mit zunehmendem Alter häufiger zum Arzt.

„Medikamente, Operationen und Physiotherapie machen einen Großteil der Ausgaben des Vereins aus“, erklärt Steffi Förster. Der Verein versucht alles, um den Tieren einen schönen Lebensabend zu ermöglichen. „Wir machen aber keinen Tierschutz um jeden Preis“, betont Steffi Förster. Nur, wenn eine Therapie bei schwer erkrankten Hunden echte Erfolgschancen habe, würden Medikamente oder Reha eingesetzt werden.

Kein Tierschutz um jeden Preis

Und so gehöre auch das regelmäßige Abschiednehmen zum Vereinsleben dazu. Manchmal leben die Hunde noch mehrere Jahre im Altenheim, manchmal nur Wochen. In den vergangenen 13 Jahren seien etwa 29 Tiere über die Regenbogenbrücke gegangen, wie es der Verein nennt.

"Es ist immer wieder traurig und nicht immer ist es leicht, Abschied zu nehmen“, so Steffi Förster. Dennoch sei dies kein Grund, die Arbeit nicht fortzuführen. Der Tod gehöre zum Leben dazu.