Magdeburg l In Magdeburg wird es kein Verbot für Zirkusse mit Wildtieren auf städtischen Flächen geben – einen entsprechenden Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat der Stadtrat auf seiner Novembersitzung abgelehnt.

Grünen-Stadtrat Timo Gedlich hatte argumentiert: „Zirkusse können auch durch Akrobatik überzeugen.“ Die Zurschaustellung von Tieren sei weder artgerecht noch gefahrenfrei.

Timo Gedlich verweist darauf, dass solche Verbote bereits in anderen Städten gelten. Beispiele sind Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Potsdam, Schwerin und Rostock. Und auch in anderen Ländern sind entsprechende Regeln Thema. In der Vergangenheit hatte es Proteste zum Beispiel im Fall eines Affen gegeben.Auch der Transport von Tieren sei für diese mit viel Stress verbunden, so der Bündnisgrüne.

Großzügige Zirkus-Gehege

Auf der anderen Seite ebenfalls eine Reihe von Argumenten. So verwies Klaus Kutschmann aus der Fraktion CDU/FDP/BfM darauf, dass heute kaum eine Tierhaltug so exakt untersucht werde wie die im Zirkus. Als Tierarzt habe er keine Zweifel an der Kompetenz seiner Kollegen. Gerade die Gehege im Zirkus seien heute großzügig gestaltet, und die Menschen im Zirkus betrachteten die Tiere mit großem Respekt.

Dem widerspricht Oliver Wendenkampf aus der Fraktion „Die Linke/Future“: „Es wird nach Verletzungen und nach Größe der Gehege geschaut, aber nicht ob Gruppentiere einzeln oder Einzelgänger in Gruppen gehalten werden.“ Gemeint sind damit beispielsweise Elefanten und Bären. Oliver Wendenkampf verweist in diesem Zusammenhang auf Studien von Verhaltensbiologen und darauf, dass es schon vor Jahren Bundesratsinitiativen gegen Wildtiere im Zirkus gegeben hat – aber eben keine Gesetzgebung durch den Bundestag.

Eben, meint Oberbürgermeister Lutz Trümper. „Das Verbot von Wildtieren im Zirkus ist keine Sache von Kommunen. Da ist der Gesetzgeber gefragt.“ Aber darf Magdeburg überhaupt ein Verbot aussprechen? Ja, sagt die Verwaltung. Trümper: „Unser Rechtsamt sagt, dass nichts gegen ein Verbot spricht.“ Doch die politische Meinung gehe in eine andere Richtung. Verbote könnten ohnehin nur für städtische Stellflächen ausgesprochen werden.

Mehrheit gegen Verbot

Dass die Linien quer durch die Lager verlaufen, zeigt das Beispiel der Fraktion „Die Linke/Future“: Fraktionschef Oliver Müller erinnerte sich daran, in der Kindheit den wilden Tieren im Zirkus nahe gekommen zu sein und dass dies bis heute für viele Heranwachsende eine Option sei. Auf der anderen Seite Fraktionskollege René Hempel, der meinte: „Das ist ein Kulturkampf, den es ja auch in Spanien mit dem Stierkampf gibt.“ Er verweist auf den Zirkus Roncalli, in dem die Haltung von Wildtieren nicht mehr für zeitgemäß gehalten wird. Das Argument enger Kontrollen nennt er ein „Märchen“, das angesichts der personellen Ausstattung in den Kommunen kaum zu halten sei.

Zwar stimmte eine Vielzahl an Stadträten für das Wildtierverbot für Zirkusse bei Gastspielen auf kommunalen Flächen – die Mehrheit sprach sich dennoch gegen diesen Vorstoß aus.