Magdeburg l „Das ist zunächst mal nur 'ne Idee“, sagt Wigbert Schwenke. „Wir reden alle viel über Tourismus und seine Förderung, aber dann sollten wir die Stadt auch weiter dafür ertüchtigen.“ Schwenkes Ratsfraktion CDU/FDP/BfM schlägt zur Sitzung des Stadtrates Magdeburg mit einem Antrag unter dem Titel „Einführung einer Bootslinie“ auf. Der Magdeburger Oberbürgermeister soll prüfen, ob eine solche Linie in den Frühlings- und Sommermonaten zwischen Herrenkrug und Westerhüsen verkehren könnte und dazu Gespräche mit der Weißen Flotte führen.

„Zu Buga-Zeiten hab es so etwas schon einmal. Das ist lange her. Wir können uns vorstellen, dass es heute eine neue touristische Attraktion für Gäste und Einwohner werden könnte“, so Schwenke.

Es gibt bereits eine Fährverbindung

Schon schwerer vorstellen kann sich das der Magdeburger Flottenchef. Peter Fechner, der sich als Geschäftsführer der Weißen Flotte in den kommenden Wochen in den Ruhestand verabschieden wird, gibt überraschend einen weithin unbekannten Umstand zu Protokoll: „Wir bieten schon seit fast 20 Jahren eine Fährverbindung vom Petriförder bis Buckau an.“

Die zur Bundesgartenschau 1999 in Betrieb genommene MS Sachsen-Anhalt wurde mit Fördergeld bezahlt. Eine Auflage hieß, dass es im Fährbetrieb eingesetzt werden muss – mindestens 20 Jahre lang.

Mitfahren zum MVB-Preis

Zur Buga als Fähre zum Ausstellungsgelände auf Tour, ist die Sachsen-Anhalt heute aber viel mehr als klassisches Fahrgastschiff auf ein- oder mehrstündigen Stadttouren oder zum Hebewerk im Einsatz. Fechner: „Wir bieten aber auf unseren Stadttouren zu einem an die MVB-Preise angelehnten Tarif einen Zu- und Ausstieg für Fahrgäste an, die nur die Fährstrecke fahren wollen. Das wurde aber niemals richtig angenommen.“

Zugegeben würde heute auch kaum Werbung dafür gemacht, so Fechner. Die aktuelle Praxis steht viel mehr auf dem Papier – ein Feigenblatt zur Erfüllung von Fördermittel-Auflagen; nicht viel mehr.

Reguläre Bootslinie nur mit Zuschuss

Eine richtig-reguläre Bootslinie zu regelmäßigen, festen Zeiten – mag sein, sie stieße tatsächlich auf Interesse – könnte sich Fechner nur als einen Bestandteil des Öffentlichen Personennahverkehrs vorstellen – mit Beförderungsauftrag und gegen Bezahlung, wie sie aus öffentlichen Kassen auch für Busse und Bahnen fließt. „Wir bräuchten dafür Personal und Gerät, das zu festen Zeiten bereitstehen und ablegen muss, auch wenn keiner mitfährt.“

Fürs Erste wäre Fechner schon froh, wenn die Flotte 2019  überhaupt verkehren könnte und nicht wie 2018 ab Juni auf dem Trockenen sitzt. Das andauernde Niedrigwasser der Vorsaison hatte der Weißen Flotte Einnahmeausfälle in Höhe von 260.000 Euro beschert. „Wir hatten davor gute Jahre und haben Gewinnvorträge schreiben können. Auf die konnten wir zurückgreifen, so dass wir das eine Jahr überstehen“, so Fechner. Eine zweite Dürre würde das Unternehmen nicht mehr unbeschadet schultern können.