Magdeburg l Zu teuer, zu wenig Bedarf, voraussichtlich defizitärer Betrieb – das Urteil der Stadtverwaltung zu einer Idee der Ratsfraktion CDU/FDP fällt vernichtend aus. Verwaltung, Verkehrsbetriebe und Tourismusgesellschaft lehnen den Bau einer Seilbahn über die Elbe unisono ab. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Idee kommt von CDU/FDP

Sozusagen kurz vor dem Weihnachtsmann, in der Dezembersitzung 2019, schlug die Fraktion CDU/FDP mit ihrer Idee für eine neue Magdeburger Attraktion im Stadtrat auf. Der Oberbürgermeister möge prüfen, was der Bau einer Seilbahn vom Wissenschaftshafen zum Elbauenpark kostet (Volksstimme berichtete). Die beiden Initiatoren des Antrags, die Christdemokraten Michael Hoffmann und Manuel Rupsch, führten unter anderem den ökologischen Wert der Beförderungsart, deren Attraktivität für Touristen, aber auch mögliche Entlastungseffekte für die benachbarten Elbbrücken im Falle von Großveranstaltungen auf ostelbischer Seite als Argumente für einen Seilbahnbau am Standort ins Feld.

Tatsächlich gewinnen Seilbahnen international vor allem in Millionenmetropolen wie Mexiko-Stadt und Hongkong als reguläre Verkehrsmittel an Gewicht, weil der Platz auf Straßen und Wegen längst nicht mehr reicht, einen reibungslosen Verkehrsablauf zu garantieren. Auch in vielen deutschen Städten wurden und werden Seilbahnprojekte kontrovers diskutiert, wie etwa in Wuppertal, Hamburg oder München.

Rat verabschiedet Prüfauftrag

Der Stadtrat war vor Weihnachten 2019 nicht in Vom-Tisch-wisch-Stimmung und überwies den Prüfantrag zum Seilbahnbau mit großer Mehrheit in seine Fachausschüsse. Deren Beratungen werden nun unterfüttert von einer offiziellen Stellungnahme der Stadtverwaltung, welche die Erledigung des Prüfauftrages quasi vorwegnimmt.

12 bis 100 Millionen Euro

Ein unter Einbeziehung der kommunalen Veranstaltungsgesellschaft MVGM (zugleich Träger des Elbauenparks), der städtischen Marketing- und Tourismusgesellschaft MMKT sowie der Magdeburger Verkehrsbetriebe erarbeitetes Prüfergebnis liege bereits vor und werde dem Stadtrat mit der Stellungnahme zur Kenntnis gegeben, heißt es eingangs der zweiseitigen Abrechnung mit der Seilbahn-Idee.

Sodann ergeht sich der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann als Verfasser der Stellungnahme in Allgemeinplätzen wie: „Planung, Bau und Betrieb von Seilbahnen sind mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden.“ Die Bau- und Betriebskosten hingen von zahlreichen Einflussfaktoren und örtlichen Gegebenheiten ab und könnten für den Magdeburger Standort nur im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ermittelt werden. Klartext: Keine Ahnung, wie teuer die Bahn in Magdeburg werden könnte.

Exemplarisch zählt Scheidemann nach „Internetrecherchen“ dann nicht unbedingt für Magdeburg exemplarische Berechnungen für geplante Seilbahnbauten in Koblenz, Berlin und Wuppertal auf. Koblenz kalkulierte demnach mit 12 Millionen Euro, Berlin mit 14 Millionen und Wuppertal mit wenig aussagekräftigen 50 bis 100 Millionen Euro. Zu den Baukosten kämen, so Scheidemann, erhebliche laufende Kosten für Betrieb und Personal sowie die technische Wartung der Anlage.

Kostendeckender Betrieb ausgeschlossen

Zur Wirtschaftlichkeit eines Seilbahnbetriebs führt die Verwaltung das Beispiel Thale an. Die dortige Seilbahn habe im Vorjahr rund 700.000 Fahrgäste verzeichnet und damit im touristisch stark erschlossenen Umfeld mit Bodetal, Hexentanzplanz und weiteren Attraktionen bei einem Einzelfahrpreis von fünf Euro einen kostendeckenden Betrieb sichern können. Das bereits im Dezember von der Volksstimme im persönlichen Gespräch mit den Betreibern recherchierte kommunale Seilbahnunternehmen in Köln schreibt schwarze Zahlen im Saisonbetrieb von März bis Oktober bei 2019 rund 360.000 Fahrgästen. Die Einzelfahrt kostet hier 4,80 Euro für einen Erwachsenen. Kölns Seilbahn punktet wirtschaftlich vor allem mit einem Sonderbetrieb zu jährlichen Höhepunkten (Seilbahnnacht, Museumsnacht, Halloween) und privaten Event-Paketen zum Beispiel für Hochzeitsgesellschaften.

In Magdeburg sehen Verwaltung, Veranstaltungs- und Tourismusgesellschaft sowie MVB nach gleichlautender Einschätzung nicht das Potenzial für einen kostendeckenden Seilbahnbetrieb am vorgesehenen oder einem anderen Standort. Etwa 730.000 Übernachtungen in Magdeburg im Jahr 2019 stünden unvergleichliche 6,5 Millionen Übernachtungen in Köln gegenüber. Schließlich habe die einst im Elbauenpark bestehende Panoramabahn wegen Unwirtschaftlichkeit demontiert werden müssen. „Zur Erfüllung der Mobilitätsnachfrage im ÖPNV“ stehe in Magdeburg ein dichtes und ausreichendes Netz im Straßenbahn- und Busverkehr zur Verfügung, so Scheidemann. Eine zusätzliche Erschließung von bereits durch die MVB bedienten Strecken per Seilbahn stehe außerdem in unmittelbarer Konkurrenz und würde die MVB-Geschäfte negativ beeinflussen.

Schlussendlich kommen Verwaltung und kommunale Unternehmen zum erwartbaren Schluss, dass ein Seilbahnbau in Magdeburg nicht empfohlen werden könne. Den Schlusspunkt unter die Debatte setzt dieses Urteil noch nicht. Das letzte Wort hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 16. April 2020.