Magdeburg l Spötter meinen, dass die eine oder andere Tafel vor Magdeburger Sehenswürdigkeiten älter als das Gemäuer selbst ist. Das touristische Leitsystem ist tatsächlich ein wenig in die Jahre gekommen. Die Tafeln wurden im Jahr 2006 entwickelt. Was an einer Reihe von ihnen mehr als die Inhalte ins Auge fallen: bemooste Flächen, Schmierereien, ausgeblichene Farbe. Und auch in einigen Fällen Formulierungen, die gern etwas flotter daherkommen dürften.

Das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Die Magdeburger Stadtverwaltung hat Ende März bei der Investitionsbank zunächst eine Förderung für eine Machbarkeitsstudie beantragt. Die Studie soll als Konzept für die daran anschließende Umsetzung des Wegeleitsystems bieten. Dieses könnte dann aus dem Programm „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ finanziert werden. Bis zu 90 Prozent der Kosten könnten als Fördergelder fließen.

Sehenswürdigkeiten besser finden

Hintergrund für das Engagement: Magdeburg bietet eine Reihe von Sehenswürdigkeiten – mehr als manch Einheimischer und manch Besucher ahnt. Die attraktiven Orte zu finden, soll das touristische Leitsystem helfen. Mit seinen Tafeln weist es auf die Besonderheiten von Straßen, Häusern und anderen Objekten, die die Aufmerksamkeit der Passanten verdienen, hin.

Doch Tafeln allein tun es nicht. Einen Grund, warum eine Überarbeitung notwendig ist, nennt das Magdeburger Wirtschaftsdezernat in seiner Stellungnahme: „Die in der Stadtstruktur vorhandenen Brüche sowie die räumlich getrennte Lage der touristischen Schwerpunktbereiche – Marktviertel, Domviertel, Gründerzeitviertel und Elbviertel – zueinander haben zur Folge, dass die touristischen Ziele für auswärtige Besucher nicht unmittelbar zu erkennen beziehungsweise leicht aufzufinden sind.“ Sprich: Mit einer klareren Struktur soll es den Menschen vereinfacht werden, sich überhaupt auf den touristischen Pfaden zurechtzufinden. Mit einem erneuerten Wegeleitsystem könnte dem Besucher eine klare und nutzerfreundliche Orientierung geboten werden.

Ergänzung durch digitale Inhalte

Zunächst soll über die Machbarkeitsstudie ergründet werden, wie nicht nur die Orientierung und das Entdecken der Stadt für Individualbesucher verbessert werden können, sondern wie auch Erklärungen zu geschichtlichen Hintergründen mit digitalen Inhalten verbunden werden könnten. Noch nicht ausdrücklich in der Stellungnahme formuliert aber dennoch wünschenswert: Bei dieser Gelegenheit könnten zum Beispiel bereits bestehende Angebote zum Beispiel zur Augmented Reality, wenn also über das Display des Smartphones virtuelle Inhalte zum Beispiel mit historischen Aufnahmen ins reale Stadtbild eingeblendet werden, eingebunden werden. Und auch andere touristische Tafeln wie die zur Internationalen Bauausstellung angelegten, sollten einbezogen und überarbeitet werden – siehe Foto.

Bei dieser Gelegenheit können die Informationen auch erweitert werden. Das bezieht sich beispielsweise auf einen Antrag aus dem Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit des Magdeburger Stadtrats. Dieser hatte den Wunsch formuliert, eine Infotafel für den Magdeburger Architekten Carl Krayl am Schneidersgarten Park aufstellen zu lassen, der unter anderem mit seinem Engagement für mehr Farbe in der Stadt in den 1920er Jahren der Stadt zu internationaler Aufmerksamkeit verholfen hatte. Über den Antrag aus dem Ausschuss soll diese Woche der Bauausschuss beraten und der Stadtrat in der kommenden Woche entscheiden.

Die Stadt sieht die Neubeschilderung auch als Baustein zur laufenden Kulturhauptstadtbewerbung 2025.