Magdeburg l Bei naßkaltem Wetter laufen die Arbeiten am Tunnel neben dem Hauptbahnhof in Magdeburg weiter. Verbesserungen am Weg für Fußgänger und Radfahrer entlang der Tunnelbaustelle sind im Bauausschuss diskutiert worden. Die Stadt Magdeburg bereitet derweil eine Klage wegen Fehlplanungen vor. Und im Bereich der alten Feuerwache und des Grünen Baums wird der Bau des letzten fehlenden Stücks der Tunneldecke vorbereitet. Die Arbeiten im Überblick:

Straßenbahn
Derzeit ist – je nach Quelle – von einer Freigabe der Straßenbahn unter den Eisenbahnbrücken im "ersten Halbjahr 2020" oder vom "Sommer 2020" die Rede. Zwar sind zwischen den Bahnhofsbrücken und dem Damaschkeplatz die Gleise fertig und auch die Masten für die Oberleitungen stehen. Doch sowohl der Anschluss am Damaschkeplatz zur Olvenstedter Straße hin als auch hinter den Brücken weiter durch die Ernst-Reuter-Allee und auf den Willy-Brandt-Platz fehlen noch.

Fußgänger und Radfahrer
Diskutiert worden sind im Bauausschuss des Stadtrats die Wege für Fußgänger und Radfahrer. Aktuell steht insbesondere der Weg zwischen Busbahnhof und Willy-Brandt-Platz entlang der Baustelle und vorbei am Kölner Platz im Fokus. CDU-Stadtrat Reinhard Stern wies darauf hin, dass die Freigabe des Wegs eine Erleichterung sei, dass aber der Weg eine Art Rennstrecke für Radfahrer sei.

Bilder

Der bündnisgrüne Stadtrat Jürgen Canehl sieht insbesondere die Einmündungen der Treppenhäuser auf den Weg als Gefahrenpunkt. An diesen Stellen sei auch ein einfacher Bauzaun denkbar, damit die Fußgänger und Radfahrer die kreuzenden Wege besser einsehen können.

Hintergrund: Bretterzäune kommen zum Einsatz, um die Passanten vor Baustaub und Schmutz zu schützen. Auf der Seite der Treppenhäuser allerdings wird gar nicht gebaut, so dass hier ein Gitterzaun vollkommen ausreichen sollte. Das sieht auch Projektleiter Christian Fuß so. Er sagte: „Diese Anregung werden wir prüfen.“

Ein anderer Vorschlag von Jürgen Canehl fand indes nicht die Zustimmung des Projektleiters. Der Stadtrat hatte kritisiert, dass am Busbahnhof Radfahrer und Fußgänger ein weites Stück auf einem gemeinsamen Weg geführt werden. Christian Fuß: „Diese Regelung ist aber gewollt und u. a. mit der Polizei so abgestimmt. Wir möchten damit dafür sorgen, dass sich der Fahrrad- und der Busverkehr möglichst wenig miteinander vermischen.“

Kosten
Nach wie vor gilt seitens der Stadt der Plan, dass die Gesamtkosten für den Tunnel bei 139 Millionen Euro liegen.

Im Sommer hatte die Stadt Magdeburg bereits 156 nachträgliche Vereinbarungen mit dem Auftragnehmer Porr abgeschlossen. Weitere fünf Nachtragsvereinbarungen werden derzeit noch verhandelt. Und es liegen weitere Nachtragsangebote von Porr über rund vier Millionen Euro vor. Insgesamt würden dann 73,84 Millionen Euro an den Auftragnehmer fließen – 29,1 Millionen Euro mehr als ursprünglich vereinbart. Diese Summe, so heißt es aus einem Papier des Magdeburger Baudezernats, würde den Rahmen der vom Stadtrat beschlossenen Mehrkosten nicht übersteigen. Sprich: Die 139-Millionen-Euro-Marke gilt weiter.

Nicht vorlegen konnte die Stadtverwaltung indes einen von Stadtrat Reinhardt Stern eingeforderten aktualisierten detaillierten Zeitplan für die weiteren Bauarbeiten.

Prozesse
Die wesentliche Preissteigerung für das Tunnelvorhaben um mehr als 40 Millionen Euro seit dem offiziellen Baustart liegt wesentlich in einer Fehlplanung begründet, nach der Betonpfähle für die Seitenwände nicht dick genug vorgesehen waren. Letztendlich möchten Stadt und Bahn, die das Tunnelprojekt gemeinsam bezahlen, nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Die Versicherung prüft die angemeldeten Mängel und Schadensersatzansprüche. Ein Prüfergebnis liegt weiterhin noch nicht vor. In einer Information aus dem Rathaus heißt es: „Eine Klage wird vorbereitet.“

Auch wenn die beauftragte Ingenieurgemeinschaft die Planungsleistungen im Wesentlichen erbracht hat, hat die Stadt Teile des Auftrags inzwischen gekündigt. Grund seien die „wiederholt mangelhaften Ingenieurleistungen sowie Nichterbringung von vertraglich vereinbarten Leistungen“.

Eine Klage gegen die Stadt ist bereits im Gange. Dabei geht es um vergleichsweise überschaubare 139.600 Euro. Auftragnehmer Porr fordert diese ein für Aushub, Abtransport und Zwischenlagerung von Erde. Die Stadt weigert sich aber zu zahlen, da Porr im Jahr 2017 nicht die entsprechenden Leistungen erbracht habe und die Stadt selbst einspringen musste.

Baugeschehen
Während auf der Seite des Damaschkeplatzes mit dem Bau der Tunnelsohle begonnen werden kann, sind die Bauarbeiter auf der anderen Seite zur Innenstadt noch längst nicht so weit. Zwar ist hier die Tunnelausfahrt in weiten Teilen fertig. Doch an der Tunneleinfahrt gibt es noch nicht einmal eine Tunneldecke.

Nachdem Sicherungsarbeiten an den Gebäuden Ernst-Reuter-Allee 38 bis 42 abgeschlossen sind, kann deren Bau erfolgen ebenso wie der der Tunneleinfahrt. Zunächst werden in diesem Bereich die Bohrpfähle aus Stahlbeton, aus denen die bereits in den Boden eingebrachten Seitenwände eingebracht sind, abgespitzt.

Das heißt, dass im oberen Bereich überschüssiger Beton lautstark abgestemmt und die Bewehrung freigelegt werden. Für diese Arbeiten wird vor der Balustrade der Ernst-Reuter-Allee 28-36 ein geschlossener Bauzaun aufgestellt.

Das gegenüberliegende Portal – die künftige Tunnelausfahrt ins Stadtzentrum – ist mitsamt Trog und anschließenden Stützwänden fertiggestellt.