Magdeburg l Zum Jahresende sollen die Straßenbahnen der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) wieder direkt zwischen der Innenstadt und Stadtfeld rollen. Das hatte Oberbürgermeister Lutz Trümper in seinem Jahresendinterview mit der Volksstimme angekündigt, und jetzt hat das Baudezernat diesen Termin bestätigt. Der Generalauftragnehmer Porr habe der Forderung der Stadt nicht widersprochen, war während einer Sitzung des Bauausschusses zu erfahren.

Dazu laufen jetzt weitere Absprachen. So ist im Gespräch, die Straßenbahnen nicht auf gerader Strecke zwischen Adelheidring und Otto-von-Guericke-Straße durchrollen zu lassen. Vielmehr ist eine derzeit wahrscheinliche Variante, dass die Bahnen in beiden Richtungen zwischen Bahnhofstraße und Otto-von-Guericke-Straße über den Willy-Brandt-Platz und durch die Hasselbachstraße umgeleitet werden.

Wenig Platz für Bahn und Bauleute

Grund für diese Variante: Insbesondere an der künftigen Ein- und Ausfahrt auf der Innenstadtseite ist es besonders eng. Das werden nicht allein die Fußgänger und Radfahrer künftig aufgrund knapp bemessener Wegbreiten zu spüren bekommen, sondern auch die Bauleute brauchen hier jeden Zentimeter Raum, der zur Verfügung steht.

Auf der anderen Seite, an der Ein- und Ausfahrt zum Damaschkeplatz mit den Rampen zum Magdeburger Ring, steht sehr viel mehr Raum zur Verfügung.

Schleife über Willy-Brandt-Platz?

Auch wenn die Schleifenfahrt über den Willy-Brandt-Platz ein wenig Zeit in Anspruch nimmt: Die von vielen Bahnreisenden als hinderlich empfundenen langen Wege zu den Haltestellen der MVB wären dann Geschichte. Bei Fahrt über den Willy-Brandt-Platz könnte die dortige Haltestelle wieder in Betrieb genommen werden. Denn dass die Haltestelle am Kölner Platz zum Jahresende bereits genutzt werden kann, ist alles andere als sicher: Immerhin handelt es sich in diesem Bereich noch um eine Baustelle.

Die Verbindung wird die Fahrten zwischen Innenstadt und den westlichen Stadtteilen deutlich beschleunigen. Allerdings steht noch nicht fest, welche Linien genau ab Jahresende auf der Strecke rollen werden. MVB-Sprecher Tim Stein sagt gegenüber der Volksstimme: „Das Linienkonzept ist in Prüfung und Bearbeitung. Es ist aber immer auch abhängig von anderen Baumaßnahmen zum Zeitpunkt der Freigabe unter der Eisenbahnüberführung Ernst-Reuter-Allee.“

Fußgänger und Fahrzeuge müssen warten

Sprich: In diesem Zeitraum möchten die Magdeburger Verkehrsbetriebe im Rahmen ihres Großvorhabens der 2. Nord-Süd-Verbindung vor allem auf ihrem Ost-West-Zweig zwischen Sudenburg und Buckau weiter vorangekommen sein. Der Plan der MVB sieht vor, dass dann die Strecke durch die Wiener Straße bereits freigegeben ist. Dies hat auch Auswirkungen auf das Liniennetz, das sich mit der Freigabe weiterer Strecken in Magdeburg bis zum Jahr 2021 ohnehin in weiten Teilen noch einmal an die neuen Möglichkeiten anpassen soll.

Die anderen Verkehrsteilnehmer werden sich bis zur Freigabe der Passage noch ein wenig gedulden müssen: Bereits zum Beginn der Vollsperrung war klar, dass Radfahrer und Fußgänger erst Wochen später die Strecke nutzen können. Und für Autofahrer muss ohnehin erst noch der Tunnel wie erwähnt ausgehoben, der Boden des Tunnels hergestellt, die Fahrbahn ausgebaut und die Technik installiert werden, bevor die Strecke freigegeben werden kann.

Kostenexplosion und kein Projektleiter

Die Magdeburger Tunnelbaustelle hatte in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt, da die Prognose für die Kosten immer weiter in die Höhe geschnellt war. Von 139 Millionen Euro ist derzeit die Rede. Zudem war den Tunnelbauern zwischenzeitlich auf Seiten der Stadt der Projektleiter verloren gegangen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.