Magdeburg l „Unwirtschaftlich und unpraktikabel“ lautet das harsche Urteil der Stadtverwaltung Magdeburg zu einem Prüfantrag, den der Stadtrat Ende Januar 2020 auf Antrag der Linken verabschiedete. Der lautete im O-Ton: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, gemeinsam mit der Geschäftsführung der Magdeburger Verkehrsbetriebe und der Firma Ströer zu prüfen, ob die Dächer der Haltestellenhäuschen der MVB mit insektenfreundlichen Pflanzen begrünt werden können.“ Nach Leipziger Vorbild sollte außerdem die generelle Umrüstung von MVB-Wartehäuschen geprüft werden. Das Ziel: „klimafreundlicher und moderner“.

Das Prüfurteil der Verwaltung liegt nun vor und fällt negativ aus. Den Bau und die Bewirtschaftung sämtlicher Bus- und Bahn-Wartehäuschen haben die Magdeburger Verkehrsbetriebe der Firma Deutsche Städte Medien GmbH (Ströer) übertragen. Im Gegenzug nutzt sie diese als Werbeträger. Der Vertrag läuft bis Ende 2022. Der Vertragspartner, erklärt der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann, sei nicht zu einer Nachrüstung im Sinne des Ratsantrages verpflichtet und auch nicht bereit, sie ohne zusätzliche Vergütung zu übernehmen.

Magdeburg sieht Statik bedroht

„Laut seiner Auskunft wäre etwa bei nachträglicher vollflächiger Begrünung bestehender Wartehallendächer mit einer zusätzlichen Belastung von 50 Kilogramm pro Quadratmeter auf dem Wartehallendach zu rechnen, was einen gravierenden Eingriff in das statische Verhalten einer Wartehalle darstellt“, so Scheidemann weiter. Für die meisten Magdeburger Wartehäuschen sei eine nötige statische Nachrüstung „wirtschaftlich nicht darstellbar oder vertretbar“. Beim komplett gläsernen Wartehäuschentyp, wie er zum Beispiel am Hasselbachplatz aufgestellt sei, wäre immerhin „eine Teilbegrünung bis zu einem Drittel im hinteren Dachbereich mittels Dachwannen möglich“.

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Sie koste nach Angaben von Ströer etwa 2075 Euro pro Halle, zuzüglich Mehrwertsteuer, weiterer Aufwendungen in vierstelliger Höhe für verkehrsrechtliche Anordnungen, Sperrungen von Straßen und Gleisen, Gehwegen und die Baustelleneinrichtung sowie jährlich anfallender Wartungsarbeiten für rund 280 Euro pro Dach.

Nicht genug Ressourcen da

Die MVB sehen sich laut Scheidemann „personell und kostenseitig“ überfordert, die Wartehäuschen-Umrüstung zu stemmen, jedenfalls nicht „ohne zusätzliche Ressourcen“, sprich, ohne mehr Geld von der Stadt.

Aus Sicht der Verwaltung lohnt der Umbau mit Blick auf die restliche Vertragslaufzeit mit Ströer zur Bewirtschaftung der Haltestellen nicht mehr. Bis Ende 2022 sieht sie also keine Chance auf grüne Haltestellendächer in Magdeburg. Ab 2023, im Zuge der Neuausschreibung der Haltestellenausstattung samt Außenwerberechten, sei es beabsichtigt „eine derartige Ausstattung als Option“ aufzunehmen.

Im niederländischen Utrecht sind schon mehr als 300 Haltestellen grün. Der tiefere Sinn: Die grünen Dächer binden Feinstaub, schützen die Wartenden vor Hitze und sind für Bienen ein gefundenes Fressen.