Magdeburg l Ein Roboter fährt über den Krankenhausflur. Ferngesteuert. Er transportiert Waren in unterschiedliche Abteilungen und das völlig automatisch. Die chinesischen Ärzte, die derzeit im Uniklinikum Magdeburg zu Gast sind, sind fasziniert und zücken ihre Mobiltelefone, um Fotos zu machen.

Das Robotersystem, das im Uniklinikum genutzt wird, ist aber eher nebensächlich. Die Chefärzte-Delegation besucht die Magdeburger Einrichtung, um sich Anregungen für die Fachärzteausbildung zu holen. Was die Chinesen in den beiden Wochen in Magdeburg erfahren, fließt in die eigene medizinische Entwicklung ein. Und so wurden sie durch unterschiedliche Kliniken des Uniklinikums geführt und hörten auch zahlreiche Vorträge, die sehr informativ gewesen seien.

Interesse an Neugeborenenmedizin

Erfreut über die Entwicklung ist Professor Dr. Gerhard Jorch als Chef der Universitätskinderklinik. Er hatte den Sommer-Austausch einst mit ins Leben gerufen. Die Chinesen hätten europaweit nach geeigneten Kliniken gesucht, in denen sie sich über die Neugeborenenmedizin und die damit verbundene Ausbildung informieren wollten.

Hintergrund ist, dass in China die Ein-Kind-Politik aufgehoben worden sei und dadurch die Neugeborenenmedizin einen neuen Stellenwert bekommen hat. Durch die niedrigen Sterblichkeitsraten bei Neugeborenen fiel die Wahl auf Magdeburg.

Austausch mit China ausweiten

Nun kam die Anfrage, ob der Austausch nicht weiter ausgeweitet werden könnte. „Ich habe mich sehr gefreut, dass meine Kollegen aus den anderen Kliniken zugesagt haben und sehr aufgeschlossen waren“, sagte Prof. Dr. Gerhard Jorch.

Die Magdeburger haben auch etwas von dem Austausch mit den Ärzten aus Anhui, einer Provinz westlich von Shanghai, erklärt Prof. Dr. Jorch: „Wir haben im Jahr etwa 1500 Geburten zu verzeichnen, während es in chinesischen Krankenhäusern etwa 15.000  Geburten sind.“ Gemeinsame Studien stünde auf diese Weise eine größere Menge an Patientendaten zur Verfügung.

Chinesische Kliniken staatlich finanziert

Worüber sich die Chinesen wundern würden, sei die Organisationsstruktur, dass das Uniklinikum keine rein staatlich organisierte Einrichtung sei. In China sei alles wie aus einem Guss, von staatlicher Seite voll finanziert, erzählt Prof. Dr. Jorch, „viele Krankenhäuser wurden erst in den vergangenen 20 Jahren gebaut“.

Von der technischen Ausstattung her betrachtet, seien die Chinesen eher besser eingerichtet. Ärzte- und Schwesternmangel gebe es dort aber genauso und in manchen Gebieten fehle die jahrzehntelange Erfahrung. Diesbezüglich sei die Mentalität der Chinesen auch eine andere: Wenn sie von anderen lernen und Bewährtes übernehmen könnten, dann würden sie das auch tun, während in Europa eher jedes Land selbst eine Lösung finden wolle, beschreibt Prof. Dr. Jorch. Im Fall der Neugeborenenmedizin würden sie nun aufholen, was sich in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Die Zeit nutzten die Chefärzte aus China auch, um sich Wolfsburg und Berlin anzuschauen. In Magdeburg wollen sie die üblichen Sehenswürdigkeiten wie den Dom und das Hundertwasserhaus sehen. Sehr interessiert seien sie immer auch an der Trogbrücke.