Magdeburg l „Ich will doch nur kurz die Blumen am Grab gießen“, meint der Mann am verschlossenen Tor des Neustädter Friedhofs, bevor er unverrichteter Dinge wieder gehen muss. Auch wenn Leiterin Stefanie Warnstedt den Ärger der Besucher versteht, ist sie in diesem Fall konsequent. „Das kann ich nicht verantworten“, sagt sie und meint die Gefahr, die von den Bäumen auf dem über 200 Jahre alten Areal an der Lübecker Straße ausgeht.

Sturmtief „Paul“ zog am 22. Juni 2017 eine Schneise der Verwüstung über den Friedhof. Gut 50 große und kleine Bäume wurden dabei umgeknickt. Einige mindestens 150 Jahre alt, meint die Friedhofsleiterin. Sie selbst war zum Zeitpunkt des Sturms nicht da, eilte aber sofort im Anschluss dorthin. „Mein wichtigstes Anliegen war zu gucken, dass niemand verletzt war“, erinnert sie sich.

Mitarbeiter im Dauereinsatz

Wie leicht hätte ein Besucher von einem umstürzenden Baum erschlagen werden können. „Ich hatte Panik, dass es einer nicht geschafft hat“, sagt sie. Doch glücklicherweise wurde niemand verletzt. Seit Freitag sind ihre Mitarbeiter von früh bis spät im Dauereinsatz. Die Hauptwege konnten sie bereits freilegen. „Das sah aus wie im Urwald“, beschreibt Stefanie Warnstedt. Doch an die großen Stämme dürfen sie nicht ran, das müssen Spezialfirmen übernehmen.

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Am 27. Juni kommt eine Gutachterin vom Umweltamt, die alle Bäume auf ihre Standsicherheit untersucht. Bis der Friedhof wieder für Besucher freigegeben werden kann, wird es aber mindestens bis Anfang kommender Woche dauern, ist sich Stefanie Warnstedt sicher.

Beerdigungen werden durchgeführt

Wenn es Schäden gibt, wie ein umgestürzter Grabstein oder eine zerstörte Grabplatte, müssen die Angehörigen dafür selbst aufkommen. „Das übernimmt keine Versicherung“, sagt die Friedhofsleiterin. Die eigenen Schäden wie die Entsorgung der Bäume muss die Friedhofsverwaltung auch selbst schultern. Termine für Beerdigungen, die für diese Woche vereinbart wurden, werden eingehalten. Und wenn es richtig warm wird, gießen wir auch die Gräber, sagt Stefanie Warnstedt, um die Sorgen der Besucher etwas zu lindern.