Magdeburg l Schnell mal zum Bäcker um die Ecke Brötchen holen oder in die Sparkasse Geld abheben. Dann fix das Auto am Straßenrand geparkt und los geht's! An sich ist das auch völlig unkritisch. Das Parken ist in der Genthiner Straße in Magdeburg-Cracau beidseitig in Fahrtrichtung erlaubt.

Das Problem jedoch: Hier kommen sich parkende Fahrzeuge und Straßenbahnen aufgrund des engen Straßenraums so nah, dass es regelmäßig heißt: Nichts geht mehr! Dann nämlich, wenn Autos die Hilfslinie in Form von dicken weißen Punkten ignorieren und sich breiter machen - in den Verkehrsraum bzw. das Profil der Straßenbahn hinein.

Punkte sollen Orientierung bieten

Die „Pünktchenlinie“ ist ein Novum in der Stadt Magdeburg. Eine Hilfskonstruktion des Tiefbauamtes, das Unterstützung leisten wollte, nachdem die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) schon vor zwei Jahren einmal mehr Alarm schlugen: Regelmäßig behinderten ungünstig parkende Autos die Durchfahrt der Straßenbahn, so dass der Bahnbetrieb in Cracau immer wieder zum Erliegen kam.

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„Das ist höchst ärgerlich nicht nur für die Fahrer, sondern natürlich auch für unsere Passagiere“, sagt Tim Stein, Sprecher der MVB. Es sei ja nicht nur die Zeit, die die betreffende Bahn stillstehe. „Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran, wenn dadurch in ganz Cracau die Bahnen nicht mehr wie geplant fahren können“, so Stein. Mit Glück sei ein Bus in der Nähe, und es könne kurzfristig Schienenersatzverkehr organisiert werden. „Doch dann sind manchmal schon drei, vier Bahnen nicht gefahren und es warten entsprechend viele Menschen an den Haltestellen“, führt er das Problem vor Augen.

Platz für Bahn markiert

Deshalb also die gepunktete Hilfslinie. Sie wurde schließlich nach Absprachen mit dem Tiefbauamt aufgebracht. Wichtig: Die Orientierungslinie beschreibt den Platz, den die Straßenbahn inklusive Anbauten wie Spiegel benötigt – etwa 70 Zentimeter sind das von der Schiene an gerechnet. Der „Rest“ bis rechts an den Bordstein ist zum Parken für die Autos freigegeben.

Das ist aber auch der Grund dafür, dass die Parkflächen nicht immer die gleiche Breite haben: An der einen Stelle sind es ca. 2,30 Meter, an einer anderen nur 1,80 Meter. Es liegt an den Autofahrern, richtig einzuschätzen, ob sie dort parken können oder nicht. Markierte Parktaschen gibt es für sie nicht.

Stopp für Straßenbahn

„Autospiegel werden wir nicht abfahren“, betont Tim Stein. Wenn der Straßenbahnfahrer erkennt, dass es zu eng wird, stoppt er. „Er versucht dann, durch Klingeln auf sich aufmerksam zu machen. Mit etwas Glück ist der Autofahrer in der Nähe“, meint Tim Stein. „Meistens aber hat er das Glück nicht“, so weiß er zu berichten.

Wenn aber niemand auftauche, werde die Leitstelle informiert, die dann weitere Schritte anschiebt. So werden Fotos für die Beweissicherung angefertigt und dem Ordnungsamt Magdeburg übermittelt, das gegebenenfalls das Abschleppen veranlasst.

Berlin und Potsdam machen es vor

Selbst abschleppen lassen dürfen die MVB in Magdeburg nicht – noch nicht. In anderen Städten wie Potsdam oder neuerdings auch Berlin ist das schon möglich. Man will Zeit sparen. Geschultes und legitimiertes Personal der Verkehrsbetriebe darf etwa Knöllchen verteilen oder das Umsetzen störender Fahrzeuge veranlassen. In Berlin sollen künftig zum Beispiel acht Abschleppwagen zur Verfügung stehen, um auf Busspuren oder Straßenbahngleisen geparkte Autos umzusetzen.

Eine Option auch für Magdeburg und die MVB? „Solch eine Vorgehensweise wäre tatsächlich wünschenswert und könnte helfen, die Störungszeiten zu verkürzen“, sagt Tim Stein. Das Unternehmen wolle dazu bei Gelegenheit das Gespräch mit der Stadt suchen, ergänzt er.

Strecke 16-mal wegen Falschparker gesperrt

Denn trotz der unkonventionellen Maßnahme mit der Pünktchenlinie sind die Störfälle für die MVB in der Genthiner Straße noch immer nennenswert. Auf Volksstimme-Anfrage hat das Unternehmen eine Liste zu 2018 vorgelegt. Daraus geht hervor, dass im zurückliegenden Jahr 16-mal eine Sperrung des Straßenbahnverkehrs von und nach Cracau nötig war wegen Behinderung durch Falschparker.

Dies waren in Summe 473 Minuten (knapp 8 Stunden am Stück). „Im Durchschnitt wurde der Verkehr für 30 Minuten je Falschparker lahm gelegt“, hält MVB-Sprecher Tim Stein fest.