Magdeburg l Alles ächzt unter der Corona-Krise. Das ist bei den Verkehrsbetrieben nicht anders. Bahn und Bus fahren zwar noch. Aber weil die Fahrgäste ausbleiben, steuern sie mitten hinein in ein deutliches coronabedingtes Minus. Das Fahrgastaufkommen liegt nur noch bei 20 Prozent. Die Auslastung in den Bussen sei teilweise noch geringer, hieß es vom Unternehmen. Die Buslinie 41, die wegen der Gleisbauarbeiten am City Carré den Hasselbachplatz mit dem Hauptbahnhof als Bus verbindet, ist tagsüber sogar oft ganz ohne Fahrgast unterwegs.

800.000 Euro weniger

Die Verkehrsbetriebe haben die Folgen schon ausgerechnet. „Im Monat März 2020 verzeichnen wir einen Einnahmerückgang von mehr als 800 000 Euro“, bilanziert MVB-Sprecher Tim Stein. Die Rechnung ist aber noch ohne die Partner gemacht. Die MVB gehen davon aus, dass dieses Minus noch weiter nach oben gehen wird, da auch andere Verkehrsunternehmen wie die Deutsche Bahn Fahrkarten für die MVB verkaufen. Und deren Abrechnung liege noch nicht vor, so Stein weiter.

Kurzarbeit ist (noch) kein Thema

Im Gesamtjahr 2020 rechnen die Verkehrsbetriebe nun mit Einnahmeausfällen von rund fünf Millionen Euro. Zur Einordnung: 2019 hatte die MVB ein Kostenbudget von rund 70 Millionen Euro. 30 Milllionen Euro davon werden durch Fahrkarteneinnahmen gedeckt. Um die Kosten aufzufangen, will die MVB nun zuerst bei sich selbst ansetzen. Wo genau, sagte Tim Stein nicht. Kurzarbeit gelte für die rund 450 Fahrer auf den neun Straßenbahn- und 14 Buslinien noch nicht. Sollten die Eindämmungsmaßnahmen aber über den 19. April hinausgehen, werde Kurzarbeit für Bereiche der MVB ein Thema sein, sagte Stein weiter.Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) sind da schon weiter. Deren 1200 Fahrer gehen ab Dienstag in Kurzarbeit.

Zuschüsse sofort und fürs ganze Jahr aus

Der Kommunale Arbeitgeberverband habe mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag zur Kurzarbeit abgeschlossen. Dieser bedürfe einer Ausgestaltung durch eine Betriebsvereinbarung bei den MVB. Dazu sollen Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat erfolgen.

Einen Ausweg aus dem Finanzloch wollen die MVB im Verbund mit anderen Nahverkehrsunternehmen anregen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, Landesgruppe Ost, zudem auch die MVB gehören, hat einen Appell an das Verkehrsministerium Sachsen-Anhalt gesendet. Inhalt: Zur Liquiditätssicherung sollten die geplanten Zuschüsse gemäß Nahverkehrsgesetz des Landes an die Unternehmen sofort und für das gesamte Jahr im Voraus gezahlt werden. Tim Stein: „Aus unserer Sicht wird es in der zweiten Jahreshälfte darauf ankommen, gemeinsam mit der Politik über einen Ausgleich der Defizite durch die Corona-Krise zu verhandeln, damit der Nahverkehr im Land Sachsen-Anhalt keinen langfristigen Schaden nimmt, sondern seinen wachsenden Aufgaben auch tatsächlich nachkommen kann.“

Befürchtungen hat auch der Fahrgastverband. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass auch nach Corona viele den Nahverkehr meiden, weil sie Angst vor einer Ansteckung haben“, sagt Tom Bruchholz. Der Nahverkehr, der ja eigentlich entscheidend mit zur Verkehrswende beitragen soll, stehe vor schweren Zeiten. Fahrpreiserhöhungen, wie sie offensichtlich schon für diesen Sommer beschlossen seien, könnten da keine Lösungen sein und würden noch mehr Fahrgäste verschrecken.

Flexibel auf die Nachfrage reagieren

Der Verkehrsverbund Marego, zu dem die MVB als eines von sieben Verkehrsunternehmen gehören, teilte mit, dass verschiedene Preisveränderungen sowie neue Angebote geplant, aber noch nicht von den Trägern des Nahverkehrs (unter anderem Landeshauptstadt) genehmigt seien.

Nach Volksstimme-Informationen sollen die Preise über alle Angebote hinweg um durchschnittlich 2,2 Prozent und die Zeitkartenpreise um etwa 1,6 Prozent erhöht werden. Die höheren Preise für Einzelfahrscheine sollen je nach Verkehrsverbund zwischen 10 und 20 Cent liegen.

Der derzeit eingeschränkte Fahrplan der MVB findet hingegen weitgehend Akzeptanz beim Fahrgastverband. Tom Bruchholz: „Mit dem aktuellen Takt können wir ganz gut leben. Kritisch sehen wir das allerdings in den Morgenstunden. Da müssten ausgerechnet die Krankenschwestern, Kassiererinnen und andere, die unser Leben noch am laufen halten, länger auf die Bahnen warten.“ Die MVB müssten deshalb flexibel bleiben und bei höherem Bedarf reagieren.