Forschung

Vertikale Gärten sprießen in Magdeburg

Fassadenbegrünung zählt als ein Baustein, mit dem der Mensch Hitzewellen begegnen kann. Magdeburger arbeiten daran, das im Haus anfallende Grauwasser zu nutzen.

Von Martin Rieß
Mit einer Gabelsonde werden Informationen gesammelt.
Mit einer Gabelsonde werden Informationen gesammelt. Foto: ifak

Magdeburg - Zwar mag manch einer es in diesem Jahr kaum glauben – aber in Zukunft wird Magdeburg wie andere Städte und Gemeinden immer mehr unter Hitzeperioden im Sommer leiden. Die Stadt muss sich einerseits an das Klima anpassen und andererseits einen Beitrag dazu leisten, dass die Ressourcen geschont werden.

Beide Fliegen mit einer Klappe schlagen und die Not zur Tugend machen möchten Wissenschaftler des Magdeburger „ifak – Institut für Automation und Kommunikation“.

Wasser ein zweites Mal nutzen

Mehrere Forscherteams des Instituts beschäftigten sich seit Jahren mit Verfahren der Grauwasserbehandlung. Unter Grauwasser versteht man fäkalienfreies, gering verschmutztes Abwasser aus Bädern, Duschen oder Waschmaschinen, das noch nicht durch die Abwasserrohre auf die Reise in die Kläranlage geschickt werden muss, sondern nach einer Aufbereitung noch einmal genutzt werden kann.

Eine interessante Möglichkeit, so heißt es nun aus dem ifak, ist die Nutzung von begrünten Pflanzenwänden an Häusern. Diese Pflanzenwände erzeugen ein Mikroklima, haben eine luftreinigende Wirkung, binden Staubpartikel und können sogar die Keimbelastung reduzieren. Und dabei können sie die Rolle der Aufbereitung des im Gebäude anfallenden Grauwassers übernehmen und es reinigen.

Mikroben reinigen das Grauwasser

Wie das funktionieren kann, möchten die Magdeburger im Forschungsprojekt „VertiKKA“ herausfinden. Es geht darum, die Reinigungswirkung eines solchen Pflanzenmoduls zu bestimmen und die besten Sensorkonzepte zur Bestimmung der Wassergüte zu entwickeln. Zur Sensorik zählen beispielsweise die Leitfähigkeitsmessung, um den Nährstoff- oder Salzgehalt im Substrat zu ermitteln, sowie eine Feuchtemessung und eine Temperaturmessung, um eine Überhitzung der Pflanzen an der Häuserwand zu vermeiden. Wenn beispielsweise zu viel Salz im Wasser ist, können die Pflanzen Schaden nehmen.

Neben der Reinigung des Grauwassers haben Pflanzen an Gebäuden noch den weiteren positiven Effekt einer isolierenden Wirkung.

Kernstück des in Magdeburg entwickelten Demonstrators ist ein Substratträger, der speziell ein Substrat enthält, an dem sich die Bakterien anlagern. Diese sind eigentlich für die Reinigungswirkung zuständig. Die Pflanzen entnehmen indes die Nährstoffe und Wasser aus diesem Substrat und setzen sie in regulierend wirkende Luftfeuchtigkeit und Sauerstoff um.