Magdeburg l Der Youtuber, der unter dem Namen Miguel Pablo, Videos im Internet veröffentlicht, hat sich vor ein paar Wochen als homosexuell geoutet. Dieses Outing nahm er am Montag - ebenfalls per Video - wieder zurück. Das Outing habe er nur gespielt, sagte er. Dies stößt in der Gemeinde der Schwulen und Lesben in Magdeburg auf harsche Kritik.

Auch viele Kommentatoren sprechen in teils heftiger Wortwahl bei Twitter und Youtube von einem Unding. Es sei nicht nur ein unverzeihlicher Fehler, vielmehr zeige dies eine Unverfrorenheit gegenüber Menschen, die aufgrund ihrer Sexualität noch immer diskriminiert werden.

Fehlende Scham

Auf ähnliche Weise reagieren die Vertreter der lesbisch-schwulen Gemeinschaft aus Magdeburg. Falko Jentsch, CSD-Vorstand in Magdeburg: „Das zeigt eigentlich, dass eine gewisse Scham in der Gesellschaft, Aufmerksamkeit und Geld zu bekommen, nicht mehr vorhanden ist." Er selbst kannte den Youtuber bis zu dem ersten Video gar nicht. 

Videos

Regelmäßig sehen über 750.000 Menschen die Videos von Miguel Pablo. Seine Videos wurden insgesamt fast 166 Millionen mal angeklickt. Eine Reichweite, die es für junge Menschen gefährlich mache, wie Georg Matzel, Leiter der LGBT-Koordinierungsstelle Sachsen-Anhalt-Nord, mitteilt.

Diskriminierung in der Gesellschaft

„Darin zeigt sich die ganze Tragweite, wie die Gemeinschaft in der Gesellschaft noch immer diskriminiert wird", so auch Matzel. Es sei eine Unverschämtheit, dass Menschen mit anderer sexueller Orientierung instrumentiert würden, um sich zu bereichern.

Mathias Fangohr, Vorstand beim Verband LSVD, hat beide Videos noch nicht gesehen, weist aber darauf hin, dass ein Outing eine ernste Sache sei, die von tatsächlich Betroffenen nicht unüberlegt angegangen werde. Er hoffe, dass Miguel Pablo nicht selbst das Opfer von Diskriminierung oder Bedrohung wurde, wie es leider noch häufig der Fall sei, und aus diesem Grund sein Outing zurückgenommen habe.

Für Youtuber ein Experiment

Miguel Pablo erklärt in dem Video, er habe mit seinem Kumpel testen wollen, wie die Leute auf ein Outing reagieren. Er sagt: "Wir wollen einfach nur klarstellen, dass es absoulut nicht schlimm ist, wenn man schwul ist." Allerdings sei das "Experiment" ein Fehler gewesen. Er wolle sich dafür entschuldigen.

Er bietet an, ein Video zu posten, welches das "Experiment" dokumentiere. Und er gibt zu, dass es ihm durchaus auch um Klicks ging. Zudem berichtet er, dass er in einer Psychiatrie untergebracht gewesen sei. Und dass er zwischenzeitlich kein Geld gehabt habe. Da habe er sich gedacht, er müsse jetzt polarisieren. Mit den Klicks für das falsche Outing wollte er schlichtweg Geld verdienen.

Ob die Entschuldigung tatsächlich ernst gemeint ist, bleibt fraglich. Klar ist nur: Seine gewollte Reichweite hat er - auf Kosten der Homosexuellen bekommen. Miguel Pablo war für die Volksstimme am Dienstag noch nicht zu erreichen.