Hilfsangebot

Video: Katastropheneinsatz für Magdeburger Feuerwehr kurz vor der Abfahrt abgesagt

Rund 70 Einsatzkräfte aus den freiwilligen Feuerwehren, der Magdeburger Berufsfeuerwehr sowie dem Katastrophenschutz hatten sich am späten Donnerstagabend (22. Juli) an der Langen Lake versammelt, um gemeinsam für eine Woche in das Katastrophengebiet im Kreis Ahrweiler auszurücken.

Von Konstantin Kraft 22.07.2021, 22:53 • Aktualisiert: 23.07.2021, 13:52
Für eine Woche wollten die Magdeburger Einsatzkräfte im Krisengebiet tatkräftig helfen.
Für eine Woche wollten die Magdeburger Einsatzkräfte im Krisengebiet tatkräftig helfen. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Frank Mehr, Amtsleiter im Amt für Brand- und Katastrophenschutz, fällt es sichtlich schwer, der versammelten Mannschaft die bittere Nachricht zu überbringen. Statt in das Katastrophengebiet im Norden von Rheinland-Pfalz müssen die rund 70 Einsatzkräfte aus den freiwilligen Feuerwehren, der Berufsfeuerwehr sowie dem Katastrophenschutz der Malteser unverrichteter Dinge in ihre lokalen Stützpunkte zurückkehren. Der Hilfseinsatz wird abgesagt. Abfahrbereit. In letzter Minute.

Frank Mehr, Amtsleiter im Amt für Brand- und Katastrophenschutz im Interview Kamera: Thomas Schulz/Schnitt:Samantha Günther

Zur geplanten Abfahrt der Hilfskolonne am späten Donnerstagabend auf dem Parkplatz Lange Lake im Norden von Magdeburg hatten einige der Kameradinnen und Kameraden ihre Angehörigen mitgebracht. Eine Woche lang sollten sie in dem Überschwemmungsgebiet in Rheinland-Pfalz helfen. Die berufstätigen Einsatzkräfte, die sich ehrenamtlich in den freiwilligen Feuerwehren engagieren, hatten dazu Vereinbarungen mit ihren Arbeitgebern getroffen oder sich eine Woche frei genommen.

Vorbereitung läuft schon seit Tagen

Schon seit Tagen warteten sie auf ein Hilfegesuch aus den Überschwemmungsgebieten im Westen von Deutschland. Sie wollen helfen, so wie ihnen geholfen wurde bei den schweren Hochwasser-Lagen 2002 und 2013 in Magdeburg. Nicht nur deshalb war die Motivation der Helfer hoch.

„Wir bereiten uns schon seit Tagen vor“, sagt Frank Mehr der Volksstimme. Dann kam schließlich das Signal zum Ausrücken. Auf kurzem Dienstwege. Aus der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mitten im Überschwemmungsgebiet. Das Hilfsangebot, das die Magdeburger Feuerwehr unterbreitet hatte, wäre dort händeringend gebraucht worden, heißt es. Neben den tatkräftigen Feuerwehrleuten umfasste es unter anderem mehrere Notstromaggregate, kleinere und größere Pumpen sowie einen Radlader. Alles stand abfahrbereit auf dem Parkplatz neben dem Herrenkrugsteg. Für die nötige Verpflegung war ebenfalls bereits gesorgt. Treffpunkt 19.15 Uhr. Um 20 Uhr sollte es eigentlich losgehen.

Dann die Absage. Kurz vor 19 Uhr erreicht den Amtsleiter eine E-Mail aus der Einsatzleitung im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz. Der Inhalt in Kurzfassung: „Wir brauchen keine Hilfe.“ Hintergrund ist wohl, dass sich auf dem Nürburgring bereits größere Mengen an Hilfskräften stauten, die nicht zum Einsatz kommen. Um den Magdeburgern das zu ersparen, fällt kurzerhand die Entscheidung, doch nicht in das Krisengebiet zu fahren.

Technisches Hilfswerk war ausgerückt

„Es ist total bitter“, sagt Frank Mehr mit Blick auf die versammelten Einsatzkräfte. Alle Beteiligten hätten sich sehr kooperativ gezeigt. „Dafür einen herzlichen Dank“, sagt er voller Anerkennung für Engagement und Hilfsbereitschaft. Aber: „Wir fahren nicht, wenn Rheinland-Pfalz sagt, wir brauchen euch nicht“, stellt er klar. Sein Schlusssatz: „Ich erkläre die Übung damit für beendet.“

Es folgt ein kurzer Applaus. Doch die Enttäuschung der Kameraden ist greifbar. Nach und nach fahren die Wehren zurück in ihre Gerätehäuser. Zum Abschied heult dann aber doch noch mal das Blaulicht. Ein Feuerwehrmann sagt: „Ist das Leben noch so schwer, Feuerwehr bleibt Feuerwehr.“ Bei diesen Worten scheint sicher: Sollten die Magdeburger Einsatzkräfte doch noch einmal angefragt werden, sie würden sich wieder zusammenfinden.

Indes sind am Dienstag 14 Helfer des Technischen Hilfswerks in das Krisengebiet aufgebrochen, um am Nürburgring zum Einsatz zu kommen.

Statt in Richtung Rheinland-Pfalz fahren die Einsatzkräfte aus den Wehren der Feuerwehr am Abend zurück in ihre Gerätehäuser.
Statt in Richtung Rheinland-Pfalz fahren die Einsatzkräfte aus den Wehren der Feuerwehr am Abend zurück in ihre Gerätehäuser.
Foto: Konstantin Kraft