Magdeburg l „Umweltfreundlich vom Wissenschaftshafen in den Elbauenpark“ übertitelt die Fraktion ihren Prüfantrag. Die Stadtverwaltung Magdeburg soll ermitteln, zu welchem Aufwand eine Seilbahn vom Forschungsviertel am Rand der Alten Neustadt über Strom- und Alte Elbe auf den Elbauenpark-Anger zu haben ist. Initiatoren des Antrages sind die beiden Christdemokraten Michael Hoffmann und Manuel Rupsch. Als Vorbild führen sie die Kölner Seilbahn über den Rhein ins Feld. Sie eröffnete 1957 anlässlich der dortigen Bundesgartenschau.

Magdeburg "größer denken"

Rupsch, CDU-Ortsverbandschef in Ostelbien, bekräftigt auf Nachfrage die Ernsthaftigkeit seines Vorstoßes („Kein Scherz!“) und gibt als Credo mit Blick auf die Stärkung der touristischen Qualitäten Magdeburgs das Motto „größer denken“ aus. „Das ist ja der Clou, dass wir sagen könnten, nicht nur große Metropolen haben solche Attraktionen. Wir auch!“

Rupsch erinnert an einen Vorstoß seiner Reihen – auch der ging auf seine Idee zurück – bereits im Frühjahr 2019. Mitten im Kommunalwahlkampf hatte sein unmittelbarer Wahlkreiskonkurrent Jens Rösler (SPD) versucht, mit einem rund ums Jahr und rund um die Uhr für Fußgänger und Radfahrer nutzbaren Elbsteg anstelle der bestehenden Fährverbindung von Buckau in den Stadtpark zu trumpfen. Rupsch brachte schon damals alternativ auch für diesen Standort Gondeln am Seil ins Spiel. Am Ende scheiterten Rösler und Rupsch zusammen grandios an einer ablehnenden Ratsmehrheit. Seilbahnfreund Rupsch lässt nicht locker. „Wir möchten, dass die Idee im Gespräch bleibt.“

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Gondeln von Campus zu Campus

Neben touristischen Effekten durch einen Ausflug von Parkbesuchern zum Wissenschaftshafen („Sie könnten dabei sehr schöne Fotos von der Stadt machen.“), verspricht sich Rupsch auch einen Seilbahnnutzen für den Nahverkehr abseits rein touristischen Interesses. „Denkbar ist, dass die Anbindung über die Elbe auch von Campus zu Campus funktioniert.“ Vom Hafencampus zum grünen Campus der Hochschule am Herrenkrug. Der Nordbrückenzug ist oft genug überlastet.

Schließlich verweisen die Christdemokraten auf positive Effekte für die Umwelt. Stadtplaner befürworteten Seilbahnen als schnelle, platzsparende und im Bau kostengünstige Variante zur Abwicklung lokaler Massenverkehre, heißt es in ihrer Antragsbegründung.

Internationale Vorbilder

Tatsächlich gewinnen Seilbahnen als Verkehrsmittel in urbanen Innenstädten an Gewicht. Von Mexiko-Stadt bis Hongkong, von Ankara bis Toulouse lassen Städte Bahnen am Seil errichten, wo unten kaum mehr Platz für andere Verkehrswege ist – und trotzdem übervoll. In Sarajevo kann der Tourist per Seilbahn auf einen Aussichtshügel fahren.

Deutsche Städte mit neuen Seilbahnprojekten tun sich dagegen deutlich schwerer bei der Umsetzung. Wuppertal plante jahrelang und aufwendig den Bau einer knapp drei Kilometer langen Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Stadtrat Rupsch führt neben Köln auch das Beispiel Wuppertal ins Feld, unterschlägt aber die jüngste Entwicklung. Am 26. Mai 2019 lehnte eine Mehrheit der Wuppertaler Wahlberechtigten (61,6 Prozent) den Seilbahnbau bei einer Bürgerbefragung ab. Das Projekt ist vom Tisch. Bereits 2014 war eine Elbquerung per Gondeln bei einem Bürgerentscheid in Hamburg durchgefallen (63,4 Prozent Ablehnung). München lässt gerade in einer Machbarkeitsstudie den Bau einer Seilbahn zur echten Verkehrsentlastung prüfen.

Event-Charakter in Köln

Bleibt als aktuell funktionierendes Beispiel in Deutschland die Kölner Bahn über den Rhein. Die historische Anlage – zwischenzeitlich verändert, saniert, ausgebaut – hatte ab Beginn der 1970er Jahre wirtschaftliche Probleme. Private Betreiber zogen sich zurück. Die Stadt Köln gliederte die Bahn 1998 als Tochter an die stadteigene Kölner Verkehrsbetriebe AG (KVB) an, investierte kräftig in die Modernisierung und stärkte den Event-Charakter (Sonderfahrten zu Hochzeiten und anderen Gesellschaften, Seilbahnnächte, Anlass-Touren etwa zu Halloween oder zur Museumsnacht). Mit Erfolg. KVB-Sprecher Stephan Anemüller gibt auf Nachfrage zu Protokoll, dass die Bahn seit etwa anderthalb Jahrzehnten schwarze Zahlen schreibe, allerdings nur kleine Gewinne unterhalb der Millionenmarke einfahre. Von März bis Oktober dauert die Kölner Seilbahnsaison. Im laufenden Jahr fuhren 362.000 Passagiere in den Gondeln mit. Ein Einzelticket für Erwachsene kostet 4,80 Euro (eine Fahrt) oder 7 Euro hin und zurück.

Ob Magdeburg auf Seilbahnkurs geht, wird auf keinen Fall schon am 5. Dezember 2019 entschieden. Zunächst ist nur zu klären, ob eine Ratsmehrheit sich die Prüfung der Idee vorstellen kann.