Magdeburg l In diesem Jahr sei kein Termin für das Ausstellen eines neuen Reisepasses mehr frei, fürs kommende Jahr könne man hingegen noch keinen vergeben. So lautete die Antwort, die Bernhard Balzer erhielt, als er über die Behördennummer 115 versuchte, einen Termin in einem Magdeburger Bürgerbüro zu bekommen. Vorherige Versuche, über den Online-Termin-Kalender der Bürgerbüros einen Termin zu buchen, schlugen fehl. Dabei benötigt der Ottersleber aufgrund häufiger Auslandsaufenthalte dringend einen Reisepass. Ein Termin im April 2020 sei aufgrund der damaligen Corona-Einschränkungen abgesagt worden, erzählt er.

Tatsächlich ist Bernhard Balzer kein Einzelfall. Die Bürgerbüros der Stadt sind längst an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Die coronabedingte Schließung und spätere eingeschränkte Öffnungszeiten haben nun einen Abarbeitungsstau zur Folge. 73.000 Kunden zählten die Bürgerbüros bis zum 31. August. Das seien deutlich weniger als in den ersten acht Monaten der Vorjahre. Nehme man den Durchschnitt der vergangenen Jahre, seien bis zum Jahresende etwa 67.000 weitere Kunden zu erwarten, teilt Stadtsprecher Michael Reif mit.

Wer einen der begehrten Termine ergattert hat, muss trotzdem eine Wartezeit von bis zu 15 Minuten einplanen. Wer die Bürgerbüros ohne Termin, aber mit einem wichtigen Anliegen wie jenes von Bernhard Balzer aufsucht, bekommt - soweit es erforderlich und auch möglich ist – innerhalb der bisherigen Öffnungszeiten eine Warte-nummer und wird zwischen den sonstigen Terminen bedient, sobald sich ein Zeitfenster für das jeweilige Anliegen ergibt, erklärt Michael Reif weiter. Dies dauere in der Regel 30 bis 50 Minuten. Die Wartezeit könne vereinzelt aber auch bis etwa 1,5 Stunden betragen. Alternativ werde ein Termin für einen anderen Tag vereinbart.

Neben dem Terminstau blicken Magdeburgs Bürgerbüros einem weiteren Problem entgegen. Von derzeit 44 Stellen sind nur 36 besetzt. Zwei der acht offenen Stellen werden zum 1. Oktober besetzt, eine Stelle voraussichtlich zum 1. Dezember. Für die fünf restlichen werde das Besetzungsverfahren derzeit vorbereitet, so Reif. Zur Verbesserung der Terminkoordinierung wird derzeit auch das Terminvergabe- und Aufrufsystem umgestellt, das im ersten Halbjahr 2021 ans Netz gehen soll. Man gehe davon aus, dass sich die Situation, die auch die Stadt als „unbefriedigend“ bezeichnet, dadurch verbessern wird. Der Nachfolgekalender soll ebenso intuitiv genutzt werden können wie der jetzige.