Magdeburg l Über Monate nicht genug Wasser unterm Kiel, Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, aber auch veraltete Schiffe und mangelnde Attraktivität vor allem für jüngeres Publikum – die Weiße Flotte, ein Tochterunternehmen der Magdeburger Verkehrsbetriebe, ist in den vergangenen Jahren in schweres Fahrwasser geraten; knapp vor Insolvenz.

Bis zu 830.000 Euro stellt die Stadt nun zur kurzfristigen Rettung und Stärkung der Unternehmens bereit. Das hat der Stadtrat am 8. Oktober 2020 einstimmig beschlossen. Die Debatte vor dem Beschluss machte klar, dass diese Gabe aus der Stadtkasse nicht das Ende der sprichwörtlichen Fahnenstange sein dürfte und es zur langfristigen Stabilisierung und Gesundung der Flotte eines langen Atems und größerer auch finanzieller Anstrengungen bedarf.

„Die Weiße Flotte gehört zu Magdeburg wie Handball und Fußball“, brachte Gartenpartei-Rat Roland Zander den Konsens im Rat auf den Punkt. Er reicht von links bis rechtsaußen. „Zu meiner Kindheit gab es sieben Schiffe und die waren echt eine Attraktion und ganz verschieden. Heute haben wir noch drei und kaum Unterschiede“, bedauert Oliver Müller (Linke) und schließt: „Eine Modernisierung kommt keinen Tag zu früh.“ Einen „wichtigen Tourismus- und Wirtschaftsfaktor“ nennt Reinhard Stern (CDU) die Weiße Flotte und macht sich auf hohe Kosten bei der Neuausrichtung gefasst, „aber das ist wichtig für die Stadt“. Ein Verkauf großer Teile der Flotte, wie es etwa Dresden gemacht habe, könne nicht der Magdeburger Weg sein.

Neue Schiffe, neue Antriebe

Lange Diskussionen in der eigenen Fraktion gab Madeleine Linke (Grüne/future!) zu Protokoll und fasste deren Ergebnis so zusammen: „Wir stehen zur Weißen Flotte.“ Langfristig müsse aber dringend in neue Antriebe, zum Beispiel elektrische, und in kleinere Schiffe investiert werden – für touristische Zwecke, aber auch als Alternative zu anderen Verkehrsträgern im städtischen Nahverkehr. „Das halten wir für unglaublich wichtig.“

„Wir müssen die Weiße Flotte erhalten“, botschafterte auch SPD-Fraktionschef Jens Rösler für seine Reihen, inklusive Forderung nach Modernisierung. AfD-Fraktionschef Frank Pasemann stellte fest: „Die Weiße Flotte ist seit Jahren defizitär. So kann es nicht bleiben.“ Kleinere, flacher gängige Schiffe sind auch aus Sicht seiner Fraktion eine mögliche Lösung. Die Nachfrage bei manchen Privatanbietern sei gut; vielleicht könne man sich da mal informieren. Am Ende bleibe die Frage: „Kann man sich die Flotte in dieser Art auf Dauer weiter leisten.“

Die Antwort lag am Ende der Debatte auf der Hand: Magdeburg – jedenfalls der versammelte Rat inklusive Verwaltung – will seine Flotte auf keinen Fall versenken. Allerdings hat sie keine Zukunft, wie sie ist.

Märkte in der Kritik

Neben dem Fahrgastbetrieb auf der Elbe obliegt der Weißen Flotte auch die Organisation der Märkte in Magdeburg, vom Wochenmarkt vor dem Rathaus bis zum Fischmarkt am Petriförder. Massive Kritik an Qualität, Optik und Ausrichtung der Märkte hagelt es schon lange von zahlreichen Seiten, so auch zur jüngsten Ratssitzung. „Das Thema Märkte treibt uns seit 15 Jahren um und ist bis heute nicht gelöst“, sagte CDU-Man Reinhard Stern.

Nicht nur, dass die Märkte im heutigen Antlitz kein gutes Aushängeschild für Magdeburg sind, sie sind obendrein wie auch die Schifffahrt ein Minusgeschäft.

Neues Konzept in Arbeit

Klaus Zimmermann (CDU), Bürgermeister und als Chef über die Stadtfinanzen auch für kommunale Unternehmen zuständig, freute sich einerseits übers Bekenntnis zur Flotte und parierte andererseits die Kritik am Marktgeschehen, mit der Möglichkeit zum Entzug der Zuständigkeit. „Neue Konzepte, auch inhaltlich, sind da ohne Zweifel nötig. Die Betrauung des Unternehmens mit der Ausrichtung der Märkte, können wir aufheben.“ Insgesamt teile die Verwaltung die Ansicht, dass die Weiße Flotte in Gänze neuer Konzepte bedarf. „Sie sind beauftragt“, sagte Zimmermann und kündigte für das Jahresende erste Beschlusspapiere zur Sache für den Stadtrat an.

„Die Debatte gibt Hoffnung, dass hier Einigkeit für dringend nötige Entscheidungen besteht“, beschloss Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) mit Blick auf eben die anstehenden Beschlüsse zur Flottenerneuerung die Debatte. Trümper kann sich einen Shuttleverkehr mit kleineren, flacher gängigen Schiffen zwischen Rothensee und Schönebeck vorstellen. „Aus Ausflugs- werden Zielfahrten und es wird nicht mehr an Bord gegessen, sondern zum Essen angelegt.“

Die aktuelle Rettungsgabe aus der Stadtkasse verschafft der Flotte zunächst nur auf mittlere Frist Luft im Überlebenskampf.