Landesarchiv

Weitere Akten der Sket-Geschichte sollen wieder nach Magdeburg zurückgeholt werden

Das Landesarchiv in Magdeburg ist derzeit dabei, weitere Unterlagen aus der Geschichte des Sket für die Nachwelt zu sichern. Es geht um Patent-Akten und Zeichnungen.

Von Ivar Lüthe
Detlev Heiden, Leiter des Landesarchivs Magdeburg (vorn), und Abteilungsleiter Ralf Lusiardi blättern im Archivdepot in Magdeburg in einem Auftragsbuch der Gruson-Werke aus dem Jahr 1887. Das Buch ist Teil des bereits übernommenen Betriebsarchivs.
Detlev Heiden, Leiter des Landesarchivs Magdeburg (vorn), und Abteilungsleiter Ralf Lusiardi blättern im Archivdepot in Magdeburg in einem Auftragsbuch der Gruson-Werke aus dem Jahr 1887. Das Buch ist Teil des bereits übernommenen Betriebsarchivs. Foto: Ivar Lüthe

Magdeburg - Im Dezember 2020 war dem Landesarchiv ein großer Coup gelungen: Unmengen an historischen Akten, Fotos und Bibliotheksgut aus der Geschichte der Friedrich Krupp Grusonwerk AG und des Schwermaschinenbaukombinats „Ernst Thälmann“ (Sket) Magdeburg konnten die Archivare nach fast einem Vierteljahrhundert aus einem Archivdepot in Neubrandenburg nach Magdeburg zurück holen. Rund 15.000 Unterlagen und Objekte, die etwa 800 Regalmeter einnehmen, konnten übernommen werden.

Jetzt steht das Landesarchiv vor einer weiteren großen Übernahme, die ein Stück der Magdeburger Industriegeschichte dokumentiert: Denn bei der Übernahme im Dezember 2020 entdeckten die Archivare noch etliche weitere Akten und Unterlagen des Sket in dem Depot. „Es gab immer schon die Vermutung, dass dort noch mehr lagert. Doch erst bei der Übernahme des ersten Teils der Dokumente wurde klar, dass dort tatsächlich mehr ist“, sagt Detlev Heiden, Leiter des Landesarchivs in Magdeburg.

Bei der nun geplanten Übernahme handelt es sich um rund 100 Regalmeter Patentunterlagen und Verträge über Lizenzgeschäfte des Sket sowie Zehntausende von (technischen) Zeichnungen, so Ralf Lusiardi, der Abteilungsleiter Magdeburg im Landesarchiv. Der größte Teil umfasst die DDR-Zeit sowie die frühe Nachwendezeit des Sket.

Archivarinnen sichten derzeit die Akten

Archivarinnen aus Magdeburg sind dieser Tage in Neubrandenburg, um sich einen Überblick zu verschaffen. Denn etliche der dort gelagerten Unterlagen tragen nur eine Archivnummer, die nichts über den Inhalt der Dokumente aussagt. Die „Feinauswahl“, was bei all dem Gesammelten in Neubrandenburg „dauerhaft archivierungswürdig“ ist, dauert noch an. Mit dem Insolvenzverwalter habe man sich allerdings verständigen können, dass auch diese Unterlagen ins Archiv der Landeshauptstadt wechseln sollen.

Unterdessen ist man im Landesarchiv dabei, die 15.000 Unterlagen und Objekte aus dem ersten „Schwung“ zu sortieren und zu archivieren. „Eine Mammutaufgabe“, wie es Archivleiter Heiden nennt. Mit den bereits erhaltenen Dokumenten und den in Aussicht stehenden weiteren Unterlagen versechsfacht sich der Bestand des Landesarchivs zu den Gruson-Werken und dem Sket.

Eine weitere Zahl zeigt, vor welchen Aufgaben das Landesarchiv beim Aufarbeiten der Gruson-/Sket-Unterlagen steht: pro Jahr werden rund 500 Meter Aktenschriftgut im Archiv aufgenommen und erschlossen. Die Gruson-/Sket-Dokumente kommen nun zusätzlich dazu. Das zeigt, dass die inhaltliche Erschließung der Unterlagen noch eine ganze Zeit in Anspruch nehmen wird. Dabei will das Landesarchiv auch auf die Erfahrung und Expertise von ehemaligen Sket-Mitarbeitern zurückgreifen, wenn es um die inhaltliche Aufarbeitung geht, so Detlev Heiden. Später sollen die Unterlagen unter anderem für Forschungszwecke zur Grusonwerke- und Sketgeschichte der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Hoher Besuch 1957 im Sket:  Chruschtschow (Mitte) besichtigt mit Walter Ulbricht den Betrieb.
Hoher Besuch 1957 im Sket: Chruschtschow (Mitte) besichtigt mit Walter Ulbricht den Betrieb.
Foto: Sket-Archiv/Landesarchiv Magdeburg

Chruschtschow besichtigt 1957 das Sket

Unterdessen sind die Archivare bereits bei der Einordnung der Dokumente auf viele interessante Dinge aus der Geschichte der Gruson-Werke und des Sket gestoßen. So beispielsweise auf ein Auftragsbuch der Gruson-Werke aus dem Jahr 1887. Aber auch denkwürdige fotografische Zeitzeugnisse aus der DDR-Zeit des Sket sind zutage getreten. So ein Besuch von Nikita Sergejewitsch Chruschtschow 1957, dem Chef der KPdSU zu dieser Zeit und späteren Regierungschef der Sowjetunion, der gemeinsam mit Walter Ulbricht, dem Ersten Sekretär des Zentralkomitees der SED, den Betrieb besichtigte. Oder auch Fotos aus der Betriebs-Poliklinik oder dem Betriebs-Konsum.

Ein Foto vom  Betriebs-Konsum  des Sket aus einem Fotoalbum aus dem Jahr 1958.
Ein Foto vom Betriebs-Konsum des Sket aus einem Fotoalbum aus dem Jahr 1958.
Repro: Ivar Lüthe

Die Unterlagen bergen viel Stoff für spätere Forschungen in vielen Bereichen. Im Oktober wird Archivleiter Heiden einen Vortrag über die Überlieferungen der Gruson-Werke und des Sket halten – im Rahmen einer Tagung zum Jubiläum 200. Geburtstag von Hermann Gruson. „200 Jahre Hermann Gruson – Industriekultur und Stadtgesellschaft im 19. Jahrhundert“ ist die Tagung, die am 8. und 9. Oktober 2021 stattfinden soll, überschrieben. Eigentlich sollte sie schon zum Jahrestag im März stattfinden. Doch die Corona-Pandemie machte dem einen Strich durch die Rechnung.

Ein Festvortrag und weitere wissenschaftliche Vorträge sollen das Wirken des Industriellen, Mäzens, Sammlers, genialen Ingenieurs und Naturwissenschaftlers Gruson beleuchten. Die Tagung wird von der Landeshauptstadt Magdeburg, Fachbereich Historische Sammlungen und Stadtgeschichte (Technikmuseum und Gruson-Gewächshäuser), in Kooperation mit der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt veranstaltet.