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Otto ist digital

Wenn die Schaltstation in Magdeburg funkt

Ein regionaler Stromnetzbetreiber will in Magdeburg die Digitalisierung vorantreiben. Wie das funktionieren soll.

15.08.2022, 04:00
 Clemens Hilling, Geschäftsführer Netze Magdeburg GmbH.
Clemens Hilling, Geschäftsführer Netze Magdeburg GmbH. Foto: Pro M

Magdeburg - vs

Ausschließlich analog zu arbeiten, das gehört für das Unternehmen Netze Magdeburg GmbH in die Vergangenheit. Der regionale Stromnetzbetreiber forciert den Einsatz digitaler Möglichkeiten – hinter den Kulissen und ganz sichtbar für die Kundschaft.

Die Digitalisierung weiter voranzutreiben, ist ein Anliegen mit höchster Priorität schon seit der Firmengründung 2007, erklärt Geschäftsführer Dipl. Ing. Clemens Hilling.

Wichtigster Punkt ist die Versorgungssicherheit

Hervorgegangen aus der Maßgabe, dass laut Energiewirtschaftsgesetz die Geschäftsfelder Netz und Vertrieb in Energieversorgungsunternehmen „entflechtet“ werden müssen, hat sich das Unternehmen seither einen Namen gemacht. Mit ihrem Netz versorgt Netze Kunden in Magdeburg mit Strom. „Unser Netz steht allen Nutzern gleichermaßen zur Verfügung, unabhängig mit welchem Stromlieferanten ein Vertrag geschlossen wurde“, erklärt der Geschäftsführer.

Als Netzgesellschaft übernimmt das Unternehmen alle Leitungsaufgaben für den Betrieb der Verteilungsnetze in der Landeshauptstadt. Wichtige Punkte des Geschäftsfeldes sind die Versorgungssicherheit und die Entwicklung des Netzes. Auch die Zählung, Messung und Bereitstellung von Verbrauchswerten, die für das Management und die Abrechnung wichtig sind, gehören zu den Aufgaben der Netze.

Clemens Hilling bescheinigt der Stadt, „gut aufgestellt zu sein“: „Durch die Investitionen der vergangenen Jahre bieten wir unseren Kunden heute ein stabiles und zuverlässiges Versorgungsnetz.“

Die „letzte Meile“ im starken Wandel

Zu richtigen Zeit und vorausschauend zu handeln, das gehört für ihn dazu, wenn die Rede von wirtschaftlich erfolgreicher Zukunft ist. Bei der Netze GmbH lege man darum auch viel Wert auf die Wirtschaftlichkeit – bei gleichzeitiger Sicherstellung einer hohen Versorgungsqualität“, so der Geschäftsführer des Netzbetreibers.

Gerade als Hochspannungs-Netzbetreiber werde darum auch jedes Jahr aufs Neue der Zustand der Netze bewertet und daraus die Auswirkungen des zu erwartenden Ausbaus von Einspeise-Anlagen, vor allem zur Strom-Erzeugung aus erneuerbaren Energien, abgeleitet.

Dass bei allen Prozessen und Aufgaben auch darauf gesetzt werde, möglichst digital – und damit effizient und zielorientiert – zu handeln, ist für Clemens Hilling „überhaupt keine Frage“.

Durch die E-Mobilität, Heizbedarfsdeckung über Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen unterliegt das Niederspannungsnetz, also die sogenannte letzte Meile zur Versorgung der Kunden, auch einem starken Wandel. Einen Königsweg, wie die Netzstruktur von Morgen in dem Spannungsverhältnis von Wirtschaftlichkeit und Kundenbedürfnissen optimal zu entwickeln ist, gibt es dabei nicht. Durch intensiven Austausch und in gemeinsamen Projekten mit anderen Netzbetreibern und Marktpartnern arbeiten der Geschäftsführer und die Mitarbeiter der Netze an neuen Lösungen für eine erfolgreiche Energiewende in der Landeshauptstadt.

Anfahrt des Monteurs entfällt

Schon heute werden Ortsnetzstationen mit digitaler Technik auf Fernsteuerung umgerüstet. „Per Knopfdruck werden relevante Daten von der Station in die Leitstelle übermittelt.“ Das spart bei Schalttätigkeiten unter anderem die Anfahrt des Monteurs und somit wertvolle Zeit.

Auch bestehende Prozesse kommen auf den Prüfstand, um diese bestmöglich zu organisieren. „Und das“, so Clemens Hilling, „funktioniert meist am besten, wenn digitale Instrumente genutzt werden“. In Zukunft möglichst „papierlos“ zu arbeiten, führe neben einer Prozessbeschleunigung und –transparenz auch zu einer besseren Nachhaltigkeit des Unternehmens, sagt der Netze-Chef. Auch der Ausbau der Elektromobilität soll aktiv unterstützt werden.

Als Chef des regionalen Stromnetzbetreibers agiere er „nie losgelöst von den Entwicklungen in der Stadt“, meint Hilling. Sich zu vernetzen, auch im übertragenen Sinne, gehöre dazu, wenn Magdeburg weiter für die Zukunft aufgestellt werden soll.