Magdeburger l Galeriechefin Jutta Landgraf hat mit ihren Mitstreitern die vergangenen Wochen hinter den verschlossenen Türen nicht untätig verbracht. Es war Zeit, um beispielsweise den „Stauraum“ mit Arbeitsmaterial gründlich aufzuräumen. Um für die Zeit nach der Wiedereröffnung gerüstet zu sein, wurden zudem Arbeiten von Künstlern aus Sachsen-Anhalt gehängt. „Nichts hätte uns depressiver gemacht als kahle weiße Wände“, sagt sie.

Für die ausgefallenen zwei Ausstellungen fand sich eine unkomplizierte Lösung. Mit den Künstlern, die dafür vorgesehen waren, vereinbarte der Verein Freunde des Himmelreichs eine Verschiebung der Expositionen in das kommende Jahr. Gegenwärtig läuft zudem das Bewerbungsverfahren für das Veranstaltungsprogramm 2021, so dass die Jury die fest gesetzten Ersatztermine problemlos berücksichtigen kann.

Wichtiger Vertreter der Leipziger Schule

Aber eines ist viel wichtiger. „Ab 26. Mai zeigen wir eine neue Exposition. Diesmal sind es Arbeiten des 2011 verstorbenen Malers Bernhard Heisig“, sagt Jutta Landgraf zufrieden. Zwar verzichte man wegen der hohen Hygieneanforderungen auf eine Vernissage, überlege aber, mit dem Ende der Präsentation am 26. Juni 2020 zu einer Finissage einzuladen. Die Eröffnung verlaufe diesmal also völlig unspektakulär, auch wenn die Bedeutung des Künstlers nach mehr verlangen würde.

Bilder

Der Umstand, dass es überhaupt gelang, die 33 Lithographien und Zeichnungen eines der wichtigsten Vertreter der Leipziger Schule an die Elbe zu holen, entschädigt für die Einschränkung. Ein glücklicher Zufall hatte das möglich gemacht. Als im vergangenen Jahr Heisigs Ehefrau Gudrun Brüne mit einer eigenen Personalausstellung im Himmelreich zu Gast war, kam das Gespräch auch auf den künstlerischen Nachlass.

Schnell wurde Einigkeit erzielt, eine kleine, aber feine Auswahl im Sommer 2020 in Magdeburg zu zeigen. „Mit etwas Herzklopfen fuhren wir vor wenigen Tagen ins Havelland, um die Blätter selbst abzuholen“, berichtet Landgraf. Danach galt es, das Konzept für die Hängung zu erarbeiten und die Arbeiten mit den dafür extra zugeschnittenen Passepartouts einzurahmen.

Ein Porträt von Altkanzler Helmut Schmidt

Bernhard Heisig gehörte zu den bedeutendsten zeitgenössischen Malern und Grafikern der DDR. Er wurde 1925 als Sohn des Malers Walter Heisig, der ihn auch ausbildete, in Breslau geboren.

Von 1948 bis 1951 studierte er in Leipzig. Drei Jahre später übernahm der Künstler eine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und wurde 1961 zu deren Rektor. Bereits 1964 folgte die Absetzung von dieser Funktion an der Leipziger Hochschule. Er hatte Kritik an der offiziellen SED-Kunstpolitik, dem sogenannten Bitterfelder Weg, geübt. 1971 mit der Lockerung im Kulturbereich unter Erich Honecker kam die Rehabilitation und die erneute Berufung zum Rektor.

Zu den bekanntesten Aufträgen für den Maler gehörte 1986 ein Porträt von Bundeskanzler Helmut Schmidt.