Magdeburg | Wer, wie ich, regelmäßig Sachsen-Anhalt und somit die Gestaden der ehemaligen DDR hinter sich lässt, dem fallen oft kleine aber feine kulturelle Unterschiede auf. Damit gemeint ist nicht einmal manch Infektion der deutschen Sprache (niederbayerisch) oder einer Zurschaustellung verwirrender Traditionen (Schwäbisch-Alemannische Fasnet). Es sind die kleinen Dinge, die die Vielfalt in Deutschland auszeichnen. Dazu zählt auch die deutsche Geschichte, die von "Ost und West" erzählt, plappert und 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch heute schwafelt.

Wer einmal von der schönsten Stadt der Welt (Magdeburg) den Blick gen Westen hat schweifen lassen, erkennt, wie unterschiedlich sich das geeinte Teutonen-Land der europäischen Mitte zeigt. Allen voran das schamlose präsentieren eines Symbols maßloser Strahlkraft, in westlichen Regionen der Nation von Hut und Stock beraubt, weist es Wanderern und Flanierern den Weg durch die Magistralen und Gassen jener Städte: das Ampelmännchen.

Doch: Wer sich in Magdeburg einmal umgeschaut hat, stellt schnell fest, dass es auch in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt Ampeln gibt, die den "nackigen" Ampelmann zur Schau tragen. Einen Blick auf so manche "Lichtzeichenanlage", wie der Fachmann sagt, unter anderem in der Lüneburger Straße, verrät, dass hier teilweise das grüne West-Strichmännchen eingezogen ist. Doch warum ist das so?

Netter Versuch, "West"-Ampelmann!

Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra klärt auf: "Magdeburg hat nach der Wiedervereinigung die den zum damaligen Zeitpunkt den Richtlinien entsprechenden Fußgängersymbole ('West'-Ampelmännchen) eingesetzt". Später seien die "Ost"-Ampelmännchen in den Regelwerken anerkannt - freie Bahn für Magdeburg und der Verwendung des Kappenträgers in den hiesigen Ampelanlagen.

Heute sind noch rund 25 Prozent der Anlagen in Magdeburg mit "West"-Ampelmännern ausgestattet. Doch derer werden stetig weniger. Neubau, Rekonstruktionen und neue LED-Technik gehen dem Ampelmann "von drüben" an den nicht vorhandenen Kragen.

Übrigens: Es gibt immer wieder Ausnahmen. So bewegen sich in Taiwan die Fußgängersymbole auf einem unsichtbaren Laufband voran, wenn grün ist, in Mainz schmücken die ikonischen Mainzelmännchen manche Anlage der Stadt und Zwickauer Ampeln ziert gar ein Ampelmädchen. Letzte gab es einst auch in Magdeburg, wurden aber aus diversen Gründen verbannt. Was auch folgenden Vorschlag nichtig macht:

Künftig also vielleicht ein zwinkernder Otto von Guericke in den Anlagen in der Magdeburger City? "Alternative Fußgängersymbole entsprechen nicht den geltenden Richtlinien und Normen, so dass diese nicht angeordnet und eingesetzt werden können und nicht eingesetzt werden", so die Stadtsprecherin. Schade, eigentlich.

West-Ampelmann, Ost-Ampelmann oder vielleicht ein ganz anderes Symbol auf unseren Lichtzeichenanlagen? Ihre Vorschläge in die Kommentare.