Magdeburg l Den meisten wird der Unterschied vorher gar nicht aufgefallen sein. Doch Volksstimme-Leser Michael Schneider hat vorher genau hingeschaut und jetzt noch mehr. „Leider habe ich festgestellt, dass die Ampelfrauen aus dem Magdeburger Stadtbild verschwunden sind“, erklärt er am Redaktionstelefon.

An den Knotenpunkten Breiter Weg/ Ernst-Reuter-Allee sowie Otto-von-Guericke-Straße/ Ernst-Reuter-Allee zeigte bislang an drei Übergängen eine grüne bzw. rote Frau mit zwei Zöpfen und einem Rock, wann die Fußgänger gehen oder stehen mussten. Doch seit kurzem sind die Damen verschwunden. „Passt diese Entscheidung in die heutige Zeit?“, wundert sich Michael Schneider mit Blick auf das Thema Gleichberechtigung und bat um Aufklärung im Fall der vermissten Magdeburger Ampelfrauen.

Richtlinie untersagt Magdeburger Ampelfrau

Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra hat auch prompt die Antwort parat. „Diese testweise eingesetzten Symbole sind nicht konform zur Richtlinie für Lichtsignalanlagen“, erklärt sie. Diese gilt bundesweit und regelt, wie Ampelanlagen aufgestellt und betrieben werden sowie aussehen müssen.

Wörtlich heißt es dort unter Punkt 6.2.7.: „Im roten Leuchtfeld muss das Sinnbild eines stehenden, im grünen Leuchtfeld das Sinnbild eines schreitenden Fußgängers gezeigt werden.“ Eine Aussage zum Geschlecht des Fußgängers wird nicht getroffen. Allerdings zeigt die begleitende Abbildung eindeutig eine männliche Figur.

Ausnahme sind Ampelzeichen aus DDR-Zeiten

Die einzige Ausnahme sind die Ampelmännchen aus DDR-Zeiten. Nach Protesten gegen ihre geplante Abschaffung wurde deren abweichendes Aussehen extra im Einigungsvertrag festgeschrieben.

Kurios ist allerdings, dass zur Einführung der Ampelfrauen in Magdeburg vor sieben Jahren der Stadtsprecher damals wie folgt zitiert worden war: „Nicht nur, dass ihre Leuchtkraft durch die größere Fläche stärker ist, die Figur geht auch mit den Richtlinien für Lichtsignalanlagen konform.“

Fehlinterpretation der Ampel möglich

Mit diesem offensichtlichen Widerspruch konfrontiert, erklärt Kerstin Kinszorra: „Die nachvollziehbar bessere Sichtbarkeit der ‚Ampelfrau‘ geht leider zu Lasten der Eindeutigkeit, so dass hier durch Überstrahlen eine Fehlinterpretation – und sei es nur als Schutzbehauptung mit Verweis auf die Regelwidrigkeit – möglich sein kann.“ „Im Sinne der Verkehrssicherheit“ sei auch zukünftig nur der Einsatz von regelkonformen Fußgängersinnbildern vorgesehen.

Dass es trotz dieser Bedenken anders geht, zeigt zum Beispiel Dresden. Dort gibt es laut Pressestelle der Stadt elf Anlagen mit insgesamt 30 Ampelfrauen. Seit 2005 gehören sie zum Stadtbild der Elbmetropole. In Mainz gibt es seit zwei Jahren eine Mainzelmännchen-Ampel, auf der die aus den ZDF-Werbepausen bekannte Figur zu sehen ist.