Magdeburg l Rund 15 Millionen Euro investiert der Online-Händler Amazon in den kommenden Monaten in Magdeburg: An der Autobahn 2 wird zwischen Schuberth-Helme und dem österreichischen Leuchtmittel-Anbieter Eglo, der hier gerade einen neuen Logistikstandort hochzieht, ein neues Verteilzentrum gebaut. Ein paar Meter weiter hat das Unternehmen eine weitere Fläche erworben, die als Stellfläche für die Lkw und Transporter hergerichtet werden soll.

Das Ziel von Amazon Logistics ist es, die Kunden zuverlässiger und schneller zu beliefern. Immer mehr Kunden bestellen nämlich Lieferungen noch für denselben oder für den kommenden Tag. Amazon Logistics funktioniert hier wie ein regulärer Paketdienst und soll die Kapazitäten von bestehenden Partnern wie DHL und Hermes ergänzen.

18 Lkw pro Nacht

Zum neuen Standort Magdeburg erläutert Amazon-Sprecherin Nadiya Lubnina: „In einem Verteilzentrum sortieren wir Pakete aus den Logistikzentren für die Auslieferung an den Kunden. Es geht um die sogenannte ,letzte Meile'.“ Die Anlieferung der Pakete aus den europäischen Logistikzentren, von denen ein neues derzeit in Osterweddingen gebaut wird, erfolgt vor allem nachts. Pro Nacht werden etwa 18 Lkw die Pakete gleichmäßig über die Nachtstunden verteilt anliefern.

Mit der Sortierung werden per Computer Routen für die Auslieferung berechnet. Die Pakete und die Routenplanung übergibt Amazon an die jeweiligen lokalen Lieferpartner, die sie an Kunden tagsüber mit Transportern ausliefern. „In einem Verteilzentrum haben wir kein eigenes Lager“, berichtet Nadiya Lubnina.

Amazon nutzt eine eigene intelligente Routenplanung, um den Verkehr zu steuern. Sobald die Pakete einem Verteilzentrum zugeordnet sind, beginnen bereits die Algorithmen mit der Planung der Lieferroute. Um die Route zu bestimmen, betrachten die Systeme eine Vielzahl von Faktoren, einschließlich der Verkehrslage. Die Lieferfahrzeuge der Partner treffen in kleineren organisierten Wellen ein.

Carport mit Photovoltaik

Dass immer mehr Verkehr auch eine Belastung für die Umwelt bedeuten kann, ist ein Thema, dem sich auch Investoren stellen müssen. Nadiya Lubnina sagt auf die Frage dazu: „Amazon hat sich verpflichtet, die Zusagen des Pariser Klimaschutzabkommens bereits zehn Jahre vor dem anvisierten Erfüllungsdatum zu erreichen – nämlich 2040 statt 2050.“ Dabei setze man auf die Zusammenarbeit mit einer Reihe anderer Partner, die neue Technologien entwickeln. „Wir haben 100.000 elektrische Lieferfahrzeuge bestellt, der bisher größte Auftrag überhaupt für Elektrolieferfahrzeuge“, berichtet die Amazon-Sprecherin in diesem Zusammenhang. Am Standort Magdeburg werden etwa 80 Stellplätze per Photovoltaik auf dem Carport mit Strom versorgt. Nach und nach soll die Zahl der Routen, die in Magdeburg mit Elektrofahrzeugen beliefert werden, ausgebaut werden. Ziel seien 100 Prozent E-Mobilität.

Magdeburgs Wirtschaftsbeigeordneter begrüßt die Ansiedlung: „Nachdem in der Produktion von Windenergieanlagen jetzt Einschnitte zu verzeichnen sind, können wir weitere neue Arbeitsplätze gut gebrauchen.“

Der Kunde entscheidet

Von Nutzen für die Stadt dürfte dabei auch sein, dass der Konzern auch in Magdeburg Steuern zahlen wird. Nadiya Lubnina bestätigt: „Alle Amazon-Gesellschaften, die Logistikstandorte in Deutschland betreiben, zahlen ab dem ersten Betriebsjahr die fällige Gewerbesteuer. Dies unabhängig von eventuellen Unwägbarkeiten, die mit der Aufbauphase einhergehen können.“

Mit Blick auf die Konkurrenz zwischen stationärem Handel in Innenstadt und Stadtteilen auf der einen und Onlinehändlern wie Amazon möchte Rainer Nitsche kein Urteil fällen: „Unter anderem möchten wir die Händler in Magdeburg durch eine Steigerung der Attraktivität der Geschäftsstraßen unterstützen. Das letzte Wort hat aber immer der Kunde, der entscheidet, wo er einkauft“, so der Wirtschaftsdezernent auf Nachfrage der Volksstimme. Und wenn das Verteilzentrum nicht in Magdeburg gebaut worden wäre, dann wäre es ein paar Kilometer weiter an einer anderen Stelle hochgezogen worden.

Geschaffen werden direkt im Unternehmen etwa 115 Arbeitsplätze. Die meisten Arbeitsplätze erfordern keine formelle Ausbildung oder Lehre – es geht um Sortiermitarbeiter. Der voraussichtlicher Stundenlohn für die Sortiermitarbeiter beträgt 11,10 Euro. Hinzukommen Zuschläge zum Beispiel für die Nachschicht, die die mitarbeiterstärkste Schicht im Verteilzentrum ist. Dazu gibt es ein Managementteam mit etwa 20 Mitgliedern sowie Experten zum Beispiel im Bereich der IT. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften und Onlinehändlern um Tarife gegeben.

Kodex zu Sozialleistungen

Bei den Lieferpartnern werden etwa 300 Fahrer eingesetzt. „Wir gehen davon aus, dass wir am Standort mit fünf bis acht mittelständischen oder kleinen unabhängigen Lieferpartnern zusammenarbeiten“, sagt Nadiya Lubnina. Die Partner würden verpflichtet, sich an die Gesetze und den Verhaltenskodex für Amazon-Lieferanten zu halten. Themen im Kodex sind Sozialleistungen, Arbeitszeiten und Vergütung.