Magdeburg l Wer durch Magdeburg fährt, könnte den Eindruck bekommen, in der Stadt ist viel Platz. Und doch möchte die Stadt ein riesiges Gewerbegebiet in einer Größe von 350 Hektar im Süden des Stadtgebiets entwickeln. Es geht um den Eulenberg, der jenseits der Autobahn 14 bis zur Gemeindegrenze zur Stadt Wanzleben und deren Ortschaft Schleibnitz reichen soll.

Der scheinbare Widerspruch löst sich beim Blick auf die zur Verfügung stehenden Gewerbeflächen auf. Zwar gibt es tatsächlich in Magdeburg noch eine Reihe von Grundstücken, auf denen früher Industriebetriebe ihren Platz hatten und auf denen in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr viel passiert ist. Doch diese Grundstücke stehen für großflächige Ansiedlungen oft nicht zur Verfügung. Die Gründe: Sie sind entweder zu klein, sie sind mit Altlasten schwer belastet oder sie gehören nicht mehr der Stadt.

Platz für potenzielle Investoren fehlt

Die Folge: Stünde plötzlich ein Groß­investor vor der Tür und würde in der Landeshauptstadt große Produktionsbetriebe schaffen wollen, dann könnte ihm die Stadt kurzfristig nichts mehr anbieten. Wahrscheinlich würden andere Städte das Rennen machen, die schnell mit einem geeigneten Angebot reagieren könnten, das nicht mit aufwendigen Vorplanungen und Verhandlungen über Flächen mit einzelnen Grundstückseigentümern verbunden ist.

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Gebiet im Norden nach der Wende entwickelt

Beispiel Gewerbegebiet Nord: Die Landeshauptstadt hat nach der Wende 1990 das Industrie- und Logistikcentrum Rothensee entwickelt. Zunächst hatte es lange gedauert, um überhaupt Interessenten anzulocken. Und auch das Hochwasser 2013 hatte trotz der Aufschüttung des Gewerbegebiets den einen oder anderen Interessenten wieder abgeschreckt. Doch insbesondere die Logistikbranche hat an diesem Flecken Magdeburgs in den vergangenen Jahren großen Gefallen gefunden.

Wo hier bislang nicht gebaut wurde, soll dies in den kommenden Jahren passieren. Beispiele sind die Großinvestitionen von Rewe und Baytree, in deren Hallen Hunderte Arbeitsplätze entstehen dürften. Einzig für eine einzelne entwickelte Fläche hat die Stadt noch keinen unterschriebenen Kaufvertrag vorliegen. Daneben gibt es noch zwei freie und nicht erschlossene Bereiche sowie ein Areal an der Bahnstrecke nach Stendal. Es war für die Deutsche Bahn reserviert, die aber doch nicht, wie in den 1990er Jahren geplant, hier ein Güter­verkehrszentrum errichten möchte. Ein Blick auf die Karte zeigt: Das ILC ist nahezu voll.

Sülzegrund wurde auch untersucht

Für die Entwicklung eines neuen Gewerbegebietes im Stadtgebiet von Magdeburg war neben dem Eulenberg übrigens ein zweiter Standort im Gespräch. Untersucht wurde auch ein Gebiet am Sülzegrund. Dieses befindet sich ebenfalls im Norden der Stadt und es wäre über die Autobahn 2 gut zu erreichen.

Im Gegensatz zu dem jetzt ausgewählten Eulenberg ist aber die Fläche geringer. Ein weiterer Nachteil: Dieses Gebiet wäre sehr viel schwerer mit einem Eisenbahnanschluss zu versehen als das Gebiet im Süden der Landeshauptstadt, das gleich in Richtung Osterweddingen an das Bahnnetz angeschlossen werden könnte.