Magdeburg l Vor ziemlich genau einem Jahr hatte der Stadtrat Magdeburg mit der Zustimmung zum Bebauungsplan den Weg für die Sanierung der beiden Speicherbauten im Wissenschaftshafen freigemacht. Trotz anderer Ankündigungen des Investors, der Projekt Rentenvorsorge aus Hannover, konnte diese bislang aber noch nicht begonnen werden.

„Es ist nicht unnormal, dass es eine Weile dauert“, sagt der Magdeburger Architekt Uwe Thal, der das Bauprojekt im Auftrag des Unternehmens seit zwölf Jahren betreut. Doch jetzt - im Dezember 2019 - liegt die Baugenehmigung für den ersten der beiden sogenannten Reichseinheitsspeicher vor. Der Silo B, der auf der Seite des Hafenbeckens liegt, kann somit zu Wohnzwecken umgenutzt werden. Voraussichtlich im kommenden Sommer soll die Sanierung beginnen, sagt Uwe Thal.

Wohnungen für Studenten

Vorher gilt es aber noch, ein neues Problem zu lösen. Denn die Statik der Silotürme, in denen einst Getreide lagerte, ist nicht so gut wie erhofft. In wabenartiger Struktur bilden die 30 Meter hohen Röhren eine Hälfte des Gebäudes. „Dort können wir gar nicht rein, weil die Standsicherheit nicht gegeben ist“, sagt Thal. Dort sollten Decken eingezogen werden, um kleine Wohnungen vor allem für Studenten zu schaffen. Wie das nun trotzdem gelingen kann, wird derzeit geprüft. Der Bodenspeicher ist von den Statikproblemen nicht betroffen.

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Insgesamt werden 14 Geschosse entstehen, wovon das unterste für Gewerbe vorgesehen ist. In den restlichen Etagen sind aktuell 132 Wohnungen geplant. Im aus dem Dach herausragenden Turm soll man über drei Etagen mit Dachterrasse hoch über Hafen und Elbe wohnen können.

Problem mit Lärmschutz gelöst

Ein anderes Problem, das mehrere Jahre die Planungen verzögert hatte, mittlerweile aber gelöst werden konnte, war der Lärmschutz. Direkt gegenüber des Speichers liegen die Magdeburger Mühlenwerke. Die von dort auch in der Nacht ausgehenden Geräusche hatten das Wohnen baurechtlich unmöglich gemacht. Durch vorgelagerte Glasbalkone sollen die Messwerte nun so weit gesenkt werden, dass es keine Schwierigkeiten geben soll.

Ein ebenso anspruchsvolles Thema bei der Planung sei der Brandschutz gewesen, berichtet der Architekt weiter. Mit gut 46 Meter Höhe gelten die beiden 1935/36 errichteten Gebäude als Hochhäuser und haben entsprechend hohe Anfordederungen wie einen speziellen Feuerwehraufzug. „Wir haben ein sehr umfängliches Konzept erstellt“, sagt Uwe Thal.

Parkdecks mit 170 Plätzen

Für den Elbe-Silo soll der Bauantrag voraussichtlich im kommenden Frühjahr gestellt werden. Bis dort gebaut wird, dauert es noch. Damit werde erst begonnen, wenn der erste Speicher fertig ist, erklärt Thal. „Wir wollen erst einen Silo durchziehen, um dann Erfahrungen für den zweiten zu haben“, sagt er.

Für die Umsetzung des Projekts wurde ein Durchführungsvertrag mit der Stadt geschlossen. Dazu gehören auch Parkdecks mit 170 Stellplätzen sowie weiteren Parkmöglichkeiten und die Gestaltung der Außenanlagen. Außerdem soll ein kleiner Stadtplatz mit Spielplatz entstehen, der auch öffentlich genutzt werden kann.