Magdeburg l Dass in den Wohnblöcken zwischen Heinrichsberger Straße und Windmühlenstraße in Magdeburg noch Menschen wohnen, glaubt man beim flüchtigen Blick im Vorbeifahren nicht. Meterhoch zugewuchert sind die Flächen zwischen den in den 1930er Jahren erbauten Häusern, viele Fenster sind eingeschlagen. Es wirkt fast wie eine „Geistersiedlung“.

Beim genauen Hinschauen erkennt man jedoch hinter manchem unversehrten Fenster ordentlich aufgehängte Gardinen. Vor einem freigemähten Eingang stehen zwei ältere Damen und unterhalten sich. Seit 60 Jahren wohnt sie hier, ihr Mann war einst hier geboren worden, erzählt eine. Von innen ist es bei uns schön und darauf kommt es an, sagt die andere. Wegziehen kommt für sie auch nach Jahren des Verfalls nicht infrage.

Komplette Sanierung geplant

Jetzt haben sie auch keinen Grund mehr. Die Berliner Firma Immoma hat die gesamte Siedlung vor gut anderthalb Jahren erworben und plant die Komplettsanierung. Geschäftsführer Jan Litwinschuh berichtet vom Vorhaben. „Derzeit gibt es gut 260 Wohnungen in der Siedlung. Wir arbeiten uns zunächst an der Windmühlenstraße vor. Ein Block ist bereits fertig, die ersten Mieter sind eingezogen.“

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Über 20 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren in die neue Windmühlensiedlung investiert.

Wohnungen im Dachboden

Darunter sind auch einige der alten Bewohner. Die Dame mit den Gardinen am heilen Fenster wartet ebenfalls darauf. „Wir wollen aber an die Havelstraße“, sagt sie lachend. Dort geht es auch als Nächstes weiter. Bei den Gebäuden wird der Dachboden zu einer zusätzlichen Etage ausgebaut.

Schwierig wird es bei zwei Eingängen an der Heinrichsberger Straße, sagt Litwinschuh. Früher floss ein Bach durch die Siedlung. Durch ihn hat es an dem Block Absackungen gegeben, die sich deutlich an der Fassade abzeichnen.

Abriss alter Häuser untersagt

Um den Kasernenstil innerhalb des Karree aufzulockern, sollten die Gebäude dort eigentlich abgerissen und durch moderne Reihenhäuser ersetzt werden. Weil die Stadt Magdeburg das aber nicht genehmigte, muss nun umgeplant werden. „Wir hätten schon weiter sein können“, sagt Litwinschuh.

Die Nähe zu den Eisenbahngleisen sieht er nichts als Problem: „Das ist ja nur ein Rangierbahnhof.“

Plattenbauten werden saniert

Und die Immoma hat noch mehr in Rothensee vor. Zum Anfang 2017 erworbenen Paket gehören auch die Plattenbauten in der Badeteichstraße, der unsanierte Block in der Forsthausstraße sowie die leerstehenden Gebäude in der Ackendorfer Straße. Für die Badeteichstraße und Ackendorfer Straße laufen auch bereits die Sanierungspläne, wie Jan Litwinschuh erklärt.