Magdeburg l Er war für viele Magdeburger der verrückte Professor, der 2003 die Oli-Lichtspiele als Ruine kaufte und daraus eine Kulturoase schuf. Am 22. November 2019 ist Prof. Dr. Wolfgang Heckmann im Alter von 73 Jahren gestorben.

Nur drei Monate nach seiner Geburt im Forsthaus Schernebeck bei Stendal zog die Familie Heckmann 1946 nach Westdeutschland.

Frühes Interesse an Psychologie

Schon früh interessiert sich der Junge für Psychologie, kauft sämtliche Taschenbuchausgaben von Sigmund Freud – und sagt später von sich: „Psychologen stehen ja im Verdacht, einen an der Waffel zu haben. Besser als mit dem Kauf des Kinos konnte ich das nicht beweisen.“

30 Jahre lang lebte er nach seinem Psychologiestudium in Berlin, arbeitete als Drogenbeauftragter des Landes und im dortigen Aids-Zentrum. 1992 folgt er dem Ruf der Hochschule Magdeburg-Stendal und wirkte als Professor für Sozialpsychologie am Aufbau von mehr als zehn Studiengängen mit.

Die Stadt Magdeburg, die er eine spröde Geliebte nennt, wächst ihm ans Herz – „was nicht ganz einfach war“. Doch er spricht von Anfang an lobend von der reichen Kultur der Landeshauptstadt. „Ich schaffe es in keiner Spielzeit, alles zu sehen, was ich sehen möchte. Und nun habe ich durch mein Kino noch eigene Veranstaltungen. Da geht es gar nicht mehr.“

Retter eines Magdeburger Kinos

2003 rettet Wolfgang Heckmann die verfallenen Reste des Oli-Kinos vor dem Umbau in einen Supermarkt. „Er hatte es satt, dass die Leute über den Zustand des Kinos jammerten. Also hat er es gekauft“, erzählt seine Lebensgefährtin, die Autorin Ines Möhring, in einem kurzen Gespräch mit der Volksstimme.

Die dann folgenden Auflagen setzten ihm finanziell zu, er habe zeitweise an „Verarmungswahn“ gelitten. Doch Heckmann stemmt die Aufgabe, saniert die Fassade im ursprünglich vom Architekten Carl Krayl angedachten Sinne und belebt den Ort gemeinsam mit Ines Möhring. Fortan wächst das Programm der Oli-Lichtspiele: Lesungen, Konzerte, Poetry-Slam-Wettbewerbe, Valentinsdinner und natürlich Kult-Filme locken immer mehr Gäste ins Haus. Der weißhaarige Mann mit Frack und Zylinder macht das Kino zu einer - auch zu seiner - Bühne. Volksstimme-Leser hatten ihn für sein Engagement 2011 zum vierten Sieger bei der Wahl der Magdeburger des Jahres gewählt.

„Er hatte auf jede Frage eine Antwort und für jeden einen Rat“, beschreibt Ines Möhring ihren Lebenspartner.

Magdeburger Kino wird fortgeführt

Sie wird das Kino in seinem Namen weiterführen, vorerst jedoch nicht persönlich. „Ich kann den Raum nicht betreten. Der plötzliche Abschied setzt mir und vielen Menschen furchtbar zu.“ Sämtliche Veranstaltungen würden aber wie geplant durchgeführt.

Der große Cineast, Kulturschaffende und Menschenfreund Wolfgang Heckmann starb nach einer kurzen, schweren Krankheit. Das letzte Mal, als Ines Möhring mit ihm im Krankenhaus sprach, sagte er: „In mir drin fühlt es sich wie ein Abschied an.“

Die öffentliche Trauerfeier findet am 5. Dezember 2019 um 10.30 Uhr in der Kapelle Westfriedhof statt. Wolfgang Heckmann wird auf dem Berliner Friedhof Heerstraße bestattet. Hier fanden viele Schauspieler und Prominente ihre letzte Ruhestätte.