Seit 60 Jahren wird Austausch gefördert

Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) wurden 1949 gegründet. Der Verein organisiert Freiwilligendienste im In- und Ausland. Ziel ist es, dass jungen Menschen gesellschaftliche Verhältnisse bewusst werden. Dazu gehört auch die Förderung des Verständnisses füreinander. Im Leitbild des Vereins heißt es: „Wir sind weltoffen und unabhängig von politischen Parteien oder religiösen Institutionen. Darum lehnen wir gesellschaftliche Verhältnisse ab, die Menschen und Gruppen aufgrund von z. B. Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Alter, ökonomischem Status, Religion benachteiligen oder ausschließen.“

Die Angebote reichen vom zweiwöchigen Workcamp bis zum Freiwilligenjahr. Schwerpunkte der Arbeit sind z. B. Soziales, Ökologie, Demokratie oder Denkmalpflege.

Magdeburg l Im Werk 4 in der Brauereistraße im Magdeburger Stadtteil Buckau waren für zwei Wochen 14 Jugendliche aus aus Mexiko, Frankreich, Spanien, Russland, China, Deutschland sowie Italien zu Gast. Im Rahmen eines Workcamps der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) haben sie an der Umgestaltung des Geländes mitgewirkt. Jetzt ging ihr arbeitsreicher Einsatz zu Ende.

Rückblick: Vormittags ist für die Teilnehmer im Alter von 17 bis 24 Jahren Arbeit angesagt. Mit dabei ist Iana Larina aus Russland. Gemeinsam mit dem Betreuer Maik Gottlieb sitzt sie vor einer Mauer und bearbeitet mit dem Hammer Ziegelsteine. Sie erzählt: „Wir säubern die Steine, um mit ihnen vor dem Café hier im Werk 4 ein kleines Hochbeet anlegen zu können.“ Noch wächst in diesem zwar kein Grün, aber die zu bepflanzende Erde ist bereits aufgefüllt. Und auch auf der Terrasse des Cafés, das sonnabends ab 14 Uhr geöffnet ist, haben die Teilnehmer des Workcamps an der Ausstattung gearbeitet.

Abenteuer in der Großstadt

Maik Gottlieb sagt über die Arbeit mit Hammer und Steinen: „Am Ende weiß man, was man getan hat und man freut sich dann auf die Dusche.“ Die ist zwar ebenso wie die Unterkunft für die Gruppe in zwei Großzelten nicht unbedingt luxuriös.

Bilder

Friederike Lange, die als Jugendbildungsrefernting bei den ijgd arbeitet, erläutert aber den besonderen Reiz: „Es geht hier auch um ein urbanes Erlebnis abseits dessen, was viele Jugendliche aus den Industrienationen gewohnt sind.“

Neben dem Steineklopfen und Hochbeetbauen stehen ein Tor und eine Mauer im Mittelpunkt des Interesses. Die Gruppe hat an einem Zugang zur Brauereistraße den Rost entfernt und an den Stellen, an denen keine weiteren Schweißarbeiten erfolgen müssen, einen Schutzanstrich und Farbe aufgebracht.

Und bei der Mauer, an der auch die Steine fürs Hochbeet anfielen, handelt es sich um einen künftigen Platz für Kunst. Michael Schütz, der dem im Werk 4 aktiven Verein 5 Elemente vorsitzt, sagt: „Dank der Hilfe durch das ijgd-Workcamp sind wir mit dem Vorhaben, hier eine Wand für Graffiti herzurichten, ein gutes Stück vorangekommen.“ Die Wand soll sowohl etablierten Künstlern als auch Jugendlichen, die etwas über die Graffiti-Malerei lernen möchten, offen stehen.

Nach sechs Stunden Arbeit am Vormittag ist am Nachmittag Freizeit angesagt. Frederico Putti aus Italien sagt: „Die Zeit nutzen wir, um die Stadt kennenzulernen.“ Viele Teilnehmer sind zum ersten Mal in Deutschland. Etwas Erfahrung zumindest mit dem Südwesten der Bundesrepublik bringt zumindest Honorine Brandt mit: „Ich wohne im Elsass – und da ist ein Ausflug nach Deutschland kein Problem.“

Atmosphäre, die beeindruckt

Paul-Antoine Crouin, der mit familiären und kulturellen Wurzeln in Japan und in Frankreich Weltbürger ist und in Paris lebt, sagt: „Hier in Magdeburg haben mich die großen Kirchen beeindruckt. Und die Atmosphäre hier im Werk 4 ist ebenfalls etwas Besonderes.“ In der Freizeit standen neben den Ausflügen in Magdeburg auch Gruppenspiele, Fußball, Basketball, eine Fahrt nach Berlin und ein Besuch auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal auf dem Programm.

Und jetzt? Iana Larina sagt: „Das Workcamp ist spitze. Und in ein paar Tagen werde ich an einem weiteren auf dem Campingplatz Jersleben teilnehmen.“ Sie studiert in Petrosawodsk unweit der finnisch-russischen Grenze und nahe ihrer Heimat Internationale Kommunikation. „Und in diesem Zusammenhang haben mich die Tage hier in Magdeburg ein ganzes Stück weitergebracht.“ Zum einen hat sie Menschen aus anderen Ländern und anderen Kulturen kennen- und verstehen gelernt. „Und zum anderen konnte ich hier meine Fremdsprachenkenntnisse vertiefen.“ Ganz vorn steht dabei unter den jungen Leuten die englische Sprache. Aber auch an ihrem Deutsch und an ihrem Spanisch konnte die junge Russin während der arbeitsreichen Tage auf dem alten Industriegelände in Buckau arbeiten.