Magdeburg l Immer wieder sterben Menschen im Wasser: Aufgrund mangelhafter Schwimmkenntnisse schaffen sie es nicht, sich ans Ufer zu retten. Daher ist in den Schulen der Schwimmunterricht Pflicht. Doch in der Schule erst mit dem Schwimmen zu beginnen, ist zu spät. Der Schwimmunterricht ab der dritten Klasse führt zu oft nicht dazu, dass sich die Kinder im Anschluss sicher bewegen können – darüber sind sich viele Experten einig.

Vor diesem Hintergrund gibt es einen Antrag der AfD-Fraktion für den Magdeburger Stadtrat, der die Stadt dazu verpflichten soll, „Maßnahmen zu erörtern, die zum Ziel haben, das Erlernen des Schwimmens für Kinder mit Wohnsitz in der Stadt Magdeburg bereits vor deren Schul-eintritt in öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen kostenfrei zu ermöglichen“.

Pilotprojekt soll 2021 starten

Geht es nach den Antragstellern, soll im Jahr 2021 ein Pilotprojekt starten. Heute steht der Antrag auf der Tagesordnung des Stadtrats, nachdem die Idee über Monate in den Ausschüssen diskutiert worden war.

Möglicherweise spielt der tragische Unfalltod eines Zweijährigen im Neustädter See bei der Debatte eine Rolle - auch wenn Schwimmunterricht in dem Vorschlag erst für ältere Kita-Kinder auf dem Programm stünde.

Kaum Schwimmkurs zu finden

Dort hatte AfD-Stadtrat Ronny Kumpf dafür geworben, da die Schwimmfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen immer schlechter würden. Zudem berichtete er von Problemen der Eltern, abseits der Schule für ihre Kinder einen Schwimmkurs zu finden.

Auf der anderen Seite aber auch die Meinung von Linke-Stadtrat Dennis Jannack: Es gebe bereits eine Reihe von Kindertagesstätten, die zum Beispiel in Kooperation mit ihren Fördervereinen Schwimmkurse organisieren.

Wenn sich die Stadt jetzt um das Thema kümmern solle, dann müsse beispielsweise geklärt werden, wie zusätzliche Kräfte in den Kindertagesstätten für die Begleitung von Gruppen zu den Schwimmhallen finanziert werden sollen.

Personalsorgen in der Verwaltung

Beim Personal hat auch die Magdeburger Stadtverwaltung Bedenken, wie Stefan Matz, Leiter des Fachbereichs Schule und Sport, während der Ausschusssitzungen erläuterte. Bei der derzeitigen personellen Ausstattung und bei den Kapazitäten der Schwimmhallen sei klar, dass die Nutzungszeiten bei anderen Angeboten fehlen würden. Das wäre dann voraussichtlich weder der Schul-, der Leistungs- oder der Vereinssport – das würde dann voraussichtlich zu Lasten der öffentlichen Hallenschwimmzeiten gehen.

Zudem hätten sowohl Kita- als auch Schulschwimmen voraussichtlich den Bedarf nach Vormittagsstunden – hier ist also mit einer Konkurrenz um die zur Verfügung stehenden Hallenzeiten zu rechnen, hieß es weiter.

Für und Wider in Ausschüssen

Dass viele Stadträte dem folgen, zeigen die Voten der Ausschüsse. So lehnten der Jugendhilfeausschuss und der Betriebsausschuss Kommunale Kindertagesstätten den Vorstoß der AfD mit deutlichen Mehrheiten ab. Knappe Mehrheiten dafür gab es hingegen in den Ausschüssen für Bildung, Schule und Sport sowie für Familie und Gleichstellung.

Das letzte Wort hat nun der Stadtrat.