Magdeburg l Über Monate ist im Sommer 2019 die Straßenbahntrasse in Magdeburg im Breiten Weg zwischen Julius-Bremer-Straße und Universitätsplatz erneuert worden. Und zwei Monate später ist die Strecke wieder kaputt. Schuld sind aber weder Baufirmen noch die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB). Tiefe Rinnen haben die Reifen von Autos in den Rasen gefressen, der hier im Gleisbereich angelegt worden ist. Wie die MVB ermittelt haben, beträgt der Schaden rund 130.000 Euro.

MVB-Sprecher Tim Stein sagt: „Schon mehrfach sind Kraftfahrzeuge durch die Strecke in der Fußgängerzone gefahren, obwohl dies ausdrücklich durch Verkehrsschilder untersagt ist und das Rasengleis eindeutig signalisiert, dass es sich um keine Fahrbahn handelt.“ Sofern die MVB erfahren, erstattet das Unternehmen Strafanzeige.

Irrfahrt eines Lkw

Unter anderem war am 16. November 2019 ein Lkw von der Großen Steinernetischstraße aus in das Rasengleis eingebogen. Seine Fahrt endete erst am Katharinenturm, da er nicht mehr weiter kam. Bei diesem Ausflug wurde nicht allein das erst im Oktober für die Straßenbahnen freigegebene Gleisbett beschädigt. Auch wurde der Straßenbahnverkehr auf einer der meistbefahrenen Strecken Magdeburgs lahmgelegt. „Nicht nur der Rasen muss erneuert werden, auch weitere Elemente der Gleise wurden beschädigt, sodass bestimmte Teile ausgetauscht werden müssen“, so Tim Stein.

Um weitere derartige Vorfälle zu verhindern, haben die Verkehrsbetriebe inzwischen am Beginn und Ende der Straßenbahnstrecke zusätzliche Poller angebracht. Das Unternehmen prüft, an weiteren Stellen bauliche Maßnahmen zu ergreifen, um Autofahrer dazu zu bringen, sich an die Regeln zu halten und nicht durch die Fußgängerzone zu fahren.

Das Unternehmen bittet derweil auch Passanten, die derartige Verstöße beobachten, diese zu melden. Bei ihm oder bei der Polizei.

4,5 Millionen Euro investiert

Die Straßenbahnstrecke im Breiten Weg Nordabschnitt wurde von Juli bis Oktober 2019 grundhaft ausgebaut. Die Verkehrsbetriebe haben insgesamt 4,5 Millionen Euro investiert. Während der Erneuerung der Trasse hatte es umfassende Einschränkungen beim Straßenbahnverkehr gegeben: Die Linie 9 wurde mit einer um 15 Minuten verlängerten Fahrzeit über Nord- und Strombrückenzug umgeleitet, die Linie 5 wurde verkürzt, und die Linien 1, 2, 6 und 10 wurden geteilt. Eingerichtet worden war auch ein Schienenersatzverkehr mit Fahrzeugen, die die Verkehrsbetriebe eigens angemietet hatten und die die Haltestellen Listemannstraße und City Carré miteinander verbanden.

Ein Rasengleis verfügt über begrünte Zwischenräume zwischen den Schienen. Ziel ist es nicht allein, eine Trasse optisch aufzuwerten. Auch wirkt ein Rasengleis schalldämmend. Von Vorteil kann auch sein, dass zwischen den Halmen der Pflanzen der Staub eingefangen wird.

Wegen der im Boden gespeicherten Feuchtigkeit, die auch zu einer leichten Verbesserung des Mikroklimas in der Umgebung dienen kann, muss besonders auf den Korrosionsschutz der metallischen Bauteile geachtet werden. Ein Nachteil von Rasengleisen ist der Umstand, dass sie nicht von anderen als Schienenfahrzeugen befahren werden können. Wie im geschilderten Fall geschehen drohen Schäden an den Anlagen, aber auch an den Fahrzeugen, die hier ungeeigneterweise unterwegs sind. Im Gegensatz zu einer Schotterdecke ist der Pflegeaufwand bei einem Rasen intensiver.