Magdeburg  l Es wird langsam voll in der Junggesellenbude: Mit dem 2,4 Tonnen wiegenden Kando zog am Donnerstag ein Schwergewicht in die Africambo-Anlage im Magdeburger Zoo.

Störungsfrei und komplikationslos verlief der Umzug aus der Elternstube im Berliner Tierpark. Mutter Pori hätte ihn mit seinen 11 Jahren ohnehin bald rausgeworfen, wie Zoodirektor Kai Perret erklärt: „Das ist das Alter, in dem die Jungbullen auch in der Natur die Mutter verlassen und sich zu Gruppen zusammenschließen.“ Ganz fremd muss ihm die neue Heimat zudem nicht sein: Bevor sie nach Berlin zog, lebte Pori von 1983 bis 1997 in Magdeburg.

Stürmischer Auftritt

Aufgrund der Reise, der Trennung von Mutter, Vater und Schwester sowie der gänzlich neuen Umgebung zeigt sich Kando am Freitagvormittag bei den ersten Schritten im Innenbereich des Elefantenhauses stürmisch. Forsch stampft er durch den Sand und erkundet die Anlage. „Er ist nervös“, sagt Ralf Seemann. Sechs Jahre war er in Berlin sein Pfleger und begleitet seinen Schützling selbstverständlich beim Umzug. „Die Trennung ist natürlich schwer, wenn man ein Tier jahrelang betreut“, sagt er. Bis Sonntag hat er noch Zeit, sich zu verabschieden.

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Zusammen mit dem Magdeburger Elefantenpfleger Thomas Rolle beobachtet Ralf Seemann aber zunächst, wie Kando unruhig, aber besonnen auf und ab läuft. „Fine Boy“, beruhigt ihn Rolle auf Englisch. „Guter Junge.“ „Wir sind zufrieden damit, wie er sich verhält. Dabei hat er die ganze Nacht nicht geschlafen“, erzählt er und schwärmt: „Schöner Elefant, schöne Zähne.“

Erste Annäherung

Weil alles so gut läuft, werden bald die beiden anderen Jungbullen Uli (7 Jahre) und Moyo (5 Jahre) hereingeholt, damit sich die drei kennenlernen können. Sie waren auch erst vor zwei Wochen aus Wuppertal nach Magdeburg gekommen und haben sich bereits prächtig eingelebt, wie Zoosprecherin Regina Jembere erklärt: „Sie sind richtig aufgedreht.“

Nun können sich die beiden Brüder und der Neuankömmling zunächst durch Drahtseile und ein Stahltor mit ihren Rüsseln beschnuppern. Und siehe da: Sie können sich offenbar gut riechen.

Gemeinsam ins Außengehege

So gut, dass sie am Nachmittag alle gemeinsam auf das große Außengelände dürfen. „Die Besucher können also die drei Bullen mit etwas Glück auch am Wochenende draußen erleben“, freut sich Regina Jembere.

Die Zusammenführung ist auch für Kai Perret eine Premiere. „So etwas erlebt man nur sehr, sehr selten“, sagt er. Eine weitere Gelegenheit wird es aber dieses Jahr noch geben.

Franzose komplettiert die Herde

Denn mit dem ebenfalls fünfjährigen Rungwe aus dem französischen Zoo Beauval wartet bereits der vierte Jungbulle auf seinen Umzug nach Magdeburg. Mit ihm wird die Junggesellengruppe komplett sein. Denn anders als ursprünglich geplant, wird es vorerst keine Zucht in Magdeburg geben. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) hat entschieden, dass in Magdeburg erstmals eine reine Jungbullengruppe Afrikanischer Elefanten gehalten werden soll. „Es ist ein Versuch, um zu sehen, ob das überhaupt geht“, sagt Perret.

Die beiden alten Damen Mwana und Birma und die drei Jungspunde werden nur Blick- und Rüsselkontakt haben. Sie werden getrennt gehalten.

Seinen Namen erhielt Kando übrigens wegen der Umstände seiner Geburt. Mutter Pori schubste ihn während seiner ersten Aufstehversuche ins Badebecken der Anlage und er musste von den Tierpark-Mitarbeitern ans trockene Ufer gezogen werden.

Und Ufer heißt auf Kisuaheli – Kando.